Am vierten Jahrestag der Vollinvasion Russlands in der Ukraine passiert eine Joggerin die russische Botschaft in Berlin, davor erinnert ein Mahnmal an den Krieg und seine Opfer. Die Botschaft ist seit Kriegsbeginn mit Gattern abgesperrt und für Demonstrierende unerreichbar, eine kalte Fassade der Macht. So wurde der Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen des Boulevards Unter den Linden, ein ungepflasterter Fußweg, vom Unort zum Schauplatz beständigen Protests: 261 Versammlungen hat die Berliner Polizei hier seit Kriegsbeginn bis Anfang Februar registriert. Alle verliefen friedlich. An jedem 24. des Monats zieht eine organisierte Trauergemeinschaft vorbei, einmal die Woche treffen sich Mitglieder eines Posaunenchors. Der Protest ist alltäglich geworden. Der Krieg darf es niemals werden. kuz
Eine Kopfbedeckung, die einen als Teil einer Gruppe identifiziert, ist immer auch eine politische Geste. Seien es die UN-Blauhelme, die rote Maga-Basecap der Trump-Anhänger oder die Bischofsmütze der Katholiken: Kappe tragen hat Bekenntnischarakter. Im Gegensatz zur Maga-Kappe darf die Kopfbedeckung eines katholischen Bischofs in der Kirche während des Gottesdienstes aufbehalten werden. Ja, die Mitra ist explizit dazu da, während der Messe getragen zu werden. Sie ist göttliche Funktionskleidung, wenn man so will, und das mindestens seit dem 11. Jahrhundert. Und doch macht, wie so oft, der Kopf unter der Mütze den Unterschied. In dieser Woche ist der neue Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz gewählt worden, die Katholiken erhoffen sich von ihm neue Impulse. Sein Vorgänger Georg Bätzing hatte sich politisch eindeutig geäußert: Die AfD sei für Christen und Christinnen nicht wählbar, erklärte schließlich seine Bischofskonferenz 2024. Ein sehr zeitgenössischer, tagespolitischer Kommentar war das. Wie weit sich sein Nachfolger Heiner Wilmer persönlich und politisch unter seiner Mitra hervortrauen wird, muss sich in den kommenden sechs Jahren zeigen. ded
Landauf, landab
Lohn-Kluft: Der Gender-Pay-Gap schrumpft, ist aber noch da. Frauen in Vollzeit verdienten 2024 in Deutschland bereinigt durchschnittlich 14,1 Prozent weniger als Männer. Das zeigt eine Datenauswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Bei der bereinigten Entgeltlücke werden Faktoren wie Qualifikation oder Erfahrung herausgerechnet. Die Lücke ist regional sehr unterschiedlich: Am höchsten ist sie in Baden-Württemberg, in Ostdeutschland ist sie generell niedriger. Grund zur Freude ist das für den Osten nur bedingt: Der geringere Unterschied ist auch damit zu erklären, dass es dort mehr schlechter bezahlte Männer gibt. sun
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Im Osten des Landes sind laut Deutschlandmonitor 2025 gerade einmal 51 Prozent der Befragten zufrieden mit dem »Funktionieren der Demokratie« (62 Prozent im Westen). Allerdings ist dieser Wert seit 2023 um acht Prozentpunkte gestiegen. Ein gutes Zeichen.
Schlecht: Bei Donald Trumps Rede zur Lage der Nation führten sich seine Anhänger im Kongress wie Claqueure auf. Sie sprangen hoch und bejubelten Trumps maßloses Selbstlob, als wäre ihnen der Messias erschienen. Das wirkte wie Diktatorenkult.
Hieroglyphe unserer Zeit
Foto:
DER SPIEGEL
Taucht der Name des deutschen Bundeskanzlers in chinesischen Zeitungen auf, dann meistens mit diesen Schriftzeichen. In der phonetischen Umschrift für lateinische Namen wird aus »Merz« ein schlichtes »Mòcí«. Mò wurde auch schon für Merkel (Mòkè'ěr) verwendet, cí wie ein stimmloses »ts« gesprochen. Voll ausgeschrieben wird aus »Friedrich Merz« ein phonetisches Gesamtkunstwerk, beinahe so knifflig wie die Schriftzeichen: Fúlǐdélǐxī Mòcí. fra
Ein 24-jähriger Mann lässt sich in einer Moschee im indonesischen Jakarta eine Tätowierung entfernen. Der Lasereingriff ist Teil eines Programms der Behörde für religiöse Abgaben. Sie bietet während des Fastenmonats Ramadan kostenlose Tattoo-Entfernungen an. Die Initiative richtet sich vor allem an Muslime, die ihre Tätowierungen aus Glaubensgründen beseitigen lassen wollen. Angesprochen sind gerade ärmere Menschen, die sich die teure Behandlung nicht leisten können. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. asa
Milliarden Euro betrug 2025 der Wert der Warenexporte und -importe zwischen Deutschland und China. Das Land war wichtigster Handelspartner der Bundesrepublik vor den USA (240,5 Milliarden) und den Niederlanden (209,1 Milliarden Euro).
Prozent beträgt in Deutschland der Anteil der sogenannten Offliner unter den 16- bis 74-Jährigen. Das entspricht rund zwei Millionen Menschen. Der Anteil derjenigen, die noch nie das Internet genutzt haben, hat sich damit gegenüber der vorigen Abfrage im Jahr 2021 halbiert.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Der Moment
Foto: Philipp Fisch / ETH Zürich
Das Ohr aus einem 3D-Drucker an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich kommt seinem natürlichen Vorbild bereits ziemlich nahe. Es soll menschliche Ohrmuscheln ersetzen, etwa nach Unfällen, Verbrennungen oder wenn sie von Geburt an fehlgebildet sind. Noch ist es nicht ganz so weit. Nach dem Druck muss das Ersatzteil einige Wochen lang im Brutkasten ausreifen und danach dauerhaft stabil und zugleich elastisch bleiben. Laut den Forschenden klappt das bislang erst für rund sechs Wochen. Doch das Team um Bioingenieur Philipp Fisch ist optimistisch. In etwa fünf Jahren sollen klinische Studien beginnen. jko
Wer nach den Olympischen Winterspielen glaubt, für eine rasante Partie auf Skiern sei ein Berg vonnöten, hat möglicherweise noch nie von Skijöring gehört. Diese nordische Sportart, bei der sich die Skirennfahrer per Seil von Pferden, Hunden, Autos oder Motorschlitten ziehen lassen, gehört in zahlreichen Wintersportregionen zu den touristischen Attraktionen. Es gibt Rennen, bei denen Reiter die Pferde steuern, bei anderen übernimmt das der Skirennfahrer selbst. Eine Unfallversicherung ist für alle Teilnehmer angeraten: Stürze sind nichts Ungewöhnliches. bka
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