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Nr. 2 / 30.12.2025 • Alle Ausgaben •
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Politische Bühne

Der Moment
Foto: depositphotos / IMAGO

Eine »gar herrliche Einrichtung« sei das, hieß es aus den einst französisch besetzten Gebieten an das Generalpostamt in Berlin: Der Briefkasten stehe »zu jeder Stunde der Nacht wie des Tags dem korrespondierenden Publikum« bereit. Die Preußen übernahmen schließlich ab 1824 die französische Idee. Nun aber machen zumindest die Dänen Schluss: Bis Ende 2025 sollen dort alle öffentlichen Briefkästen abgebaut sein. »Das, was früher als Brief verschickt wurde, erhalten die allermeisten heute digital«, so das staatliche Postunternehmen. In Deutschland ist die Anzahl der Briefsendungen seit 2001 um rund 11 Milliarden auf gut 12 Milliarden gesunken. Doch »die dänische Post ist nicht die Deutsche Post«, heißt es von der DHL Group, Briefe sollen »noch viele Jahre« bearbeitet und zugestellt werden. sef

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Die Bundesregierung hat bekräftigt, dass sie den strafrechtlichen Schutz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften verbessern will. Das ist richtig, auch aus demokratischer Sicht, da gerade Polizistinnen und Polizisten unter anderem dafür da sind, die Demokratie zu schützen.

Schlecht: Chinas autoritäre Regierung versucht das demokratische Taiwan mit einem Manöver einzuschüchtern. Dies sei eine »ernste Warnung«, sagte ein Militärsprecher. China will sich Taiwan seit Langem einverleiben.

Gegenstand der Politik
Foto: LdF  / Getty Images

Die Waage

Nicht nur zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nach Weihnachten, auch der Staat kündigt gewohnheitsmäßig an, ab demnächst schlanker zu werden. Den Wunsch nach der großen Entschlackung gibt es schon lange: Bereits 1995 setzte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl den Sachverständigenrat »Schlanker Staat« ein. »Weniger Staat und zusätzliche Freiräume für private Leistungskraft und Ideenreichtum« seien »die Ziele, die für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes entscheidend sind«, heißt es in dessen Abschlussbericht. »Mehr Effektivität und Effizienz, mehr Transparenz und größere Bürgernähe« müssten »künftig das Verwaltungshandeln bestimmen«. Diesen Auftrag übernimmt nun knapp 30 Jahre später das gerade erst geschaffene Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), »mit dem Deutschland den Blick konsequent auf eine leistungsfähige, digitale und bürgernahe Verwaltung« richtet, seit Neuestem etwa mit dem Internetportal einfach-machen.gov.de , auf dem sich verärgerte Bürger über aufgeblasene bürokratische Verfahren beschweren können. Solche digitalen Wundertechniken mit dem Ziel der staatlichen Verschlankung schienen früher unvorstellbar: Unter Kohl kannte man nur den Kummerkasten. kuz

Hieroglyphe unserer Zeit
Foto: Marc John / Bonn.digital / picture alliance

Warum einfach, wenn es auch auf Latein geht? Die Buchstaben C, M und B in der Formel, die die Sternsinger rund um den Dreikönigstag in katholischen Gegenden in Kreide über die Haustüren schreiben, stehen mitnichten für die Namen der drei Heiligen aus dem Morgenland, für Caspar, Melchior und Balthasar. Sie stehen für »Christus mansionem benedicat«: Christus segne dieses Haus. Gottes Beistand gibt es gegen eine kleine Spende an die Sternsinger. ded

Aufgezeichnet

Alle Jahre wieder

»Sie sind zu spät. Die guten Vorsätze sind aus. Wollen sie einen schlechten?«

»Sie sind zu spät. Die guten Vorsätze sind aus. Wollen sie einen schlechten?«

Julian Fiebach

Landauf, landab

Grün ist die Hoffnung: Wenn er gewusst hätte, dass morgen die Welt untergehe, hätte Martin Luther bekanntlich noch ein Apfelbäumchen gepflanzt. So weit die erbauliche Legende. Die Experten vom Statistischen Bundesamt verlassen sich lieber aufs schnöde Zählen und haben sich die Baumschulen in Deutschland angeschaut: Wo werden die (Apfel-) Bäumchen und andere Pflanzen eigentlich großgezogen? Die Baumschulfläche ist in den vergangenen acht Jahren um mehr als ein Sechstel gesunken, auf 15.350 Hektar. Rund ein Viertel davon liegt in Niedersachsen, es folgen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. vbt

Deutschland

Debatte

Ausland

Wo sind Gesichtsschleier verboten?
Der Moment
Foto: Florion Goga / REUTERS

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Kosovo hat die Partei von Ministerpräsident Albin Kurti am Sonntag ein Ergebnis von fast 50 Prozent erreicht. Die Anhänger von Kurtis linksnationaler Selbstbestimmungs-Partei (Vetëvendosje, VV) feierten den Wahlsieg in der Hauptstadt Pristina mit Feuerwerk und Musik auf der Straße. Bereits im Februar war im Kosovo gewählt worden, doch Kurtis VV war damals an der Regierungsbildung gescheitert. Nun konnte seine Partei ihr Ergebnis verbessern – eine Auflösung der Blockade im Parlament könnte möglich werden. npa

Reporter

Wirtschaft

Nachgezählt

3416

Euro erhielten Deutschlands Pensionäre des öffentlichen Diensts im Januar 2025 im Schnitt als Brutto-Ruhegehalt. 5,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Maschine der Woche
Foto: TechnoAlpin

Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Schnee. Der Winter wird durch den Klimawandel zunehmend grün, doch die Lust auf Schussfahrt, Buckelpiste und Jagertee bleibt. Dafür gibt es eine Lösung, die nicht gerade nachhaltig ist, aber Wintersport bis Ostern möglich macht, ob Weltcup, Weltmeisterschaft oder Touristenvergnügen: Beschneiungsanlagen. Sie verwirbeln mit etwa Propellerkanonen kleinste Wassertropfen, die bei niedrigen Temperaturen zu Eiskügelchen gefrieren – bis zu zehn Lkw-Ladungen Schnee pro Stunde produzieren die größten Schneekanonen. Wie die des Bozeners Unternehmens Technoalpin, die Schnee auf den Pisten und Loipen der Olympischen Winterspiele in Norditalien garantieren, die Anfang Februar beginnen. mad

Wissen

Nachgezählt

16.000

neue Spezies werden pro Jahr mindestens neu entdeckt, darunter Pflanzen, Pilze, Insekten, Fische und Amphibien. Das sind mehr als jemals zuvor, berichten Forschende. Neue Methoden zum Bestimmen von Arten dürften dazu führen, dass die Zahl auch künftig steigt.

Quelle: Science Advances

Der Moment
Foto: HHU / Institute of Evolutionary Genetics

Männliche Bienen, auch Drohnen genannt, müssen von weiblichen Bienen Futter erbetteln, sie würden sonst verhungern. Forschende der Uni Düsseldorf haben die genetische Grundlage für dieses Verhalten sichtbar gemacht, berichten sie im Fachblatt »Nature Communications«. Sie brachten bestimmte Nervenzellen im Gehirn von Drohnen zum Leuchten. Der grüne Schein im Fluoreszenzmikroskop zeigt, dass darin ein bestimmtes Protein aktiv ist. Schalteten die Forschenden dieses Protein gezielt aus, bettelten die Drohnen nicht um Nahrung. jko

Kultur

Sport

Randsportart
Foto: Nick Turner / Nature Picture Library / IMAGO

Beim Shin-Kicking treten zwei Kämpfer sich gegenseitig mit der Fußinnenseite oder den Zehen gegen das Schienbein, bis einer fällt. Sie halten sich dabei am Kragen eines traditionellen weißen Mantels. Der Sport entstand im 17. Jahrhundert in England. Eine Legende besagt, dass manche Kämpfer Stahlkappenstiefel trugen und andere ihre Schmerztoleranz trainierten, indem sie sich mit einem Hammer aufs Schienbein schlugen. Heute müssen die Teilnehmer weiche Schuhe tragen und ihre Hose mit Stroh ausstopfen, damit sich niemand ernsthaft verletzt. led

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