DER SPIEGEL 22/2026 - Inhaltsverzeichnis
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Krisen, Kosten, Kerosin

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Nr. 22 / 21.05.2026 • Alle Ausgaben •
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In dieser Ausgabe

Meinung

Politische Bühne

Der Moment
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Soeren Stache / dpa

Bestens gelaunt zeigte sich Angela Merkel am Montag am Tisch einer nachgebauten WG-Küche auf der Digitalkonferenz re:publica in Berlin, entspannt plauderte sie über den Dönerpreis, den Buckelwal und ihre mangelnde Lust, mit den Gebrüdern Kaulitz oder Wladimir Putin zu sprechen. Tags darauf wurde ihr in Straßburg der Europäische Verdienstorden verliehen, und am Mittwoch trat die ehemalige Kanzlerin bei einer Buchpräsentation im Berliner Ensemble auf. Diese Häufung merkelscher Wohlfühltermine kontrastiert stark mit der öffentlichen Wahrnehmung ihres Nachfolgers Friedrich Merz: Je glückloser sich der alte Rivale durch die Niederungen des Regierungsalltags schleppt, desto strahlender wirkt Merkel auf den Bühnen, desto lauter rauscht der Applaus ihres Publikums. Gewiss nur ein Zufall. kuz

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Bundeskanzler Merz hat die SPD-Fraktion besucht, wurde nicht harsch kritisiert, wurde nicht ausgelacht, ist in kein Fettnäpfchen getreten, hat nicht einmal Länder wie Brasilien oder die USA beleidigt. Erleichterung.

Schlecht: Nach Donald Trumps Besuch in China muss sich die Demokratie Taiwan noch mehr Sorgen um ihre Existenz machen. Eine Drohung von Xi Jinping bedachte Trump mit Schweigen. Später sprach der US-Präsident über die Insel, als wäre sie der Unruhestifter, was aber eher für China gilt.

Hieroglyphe unserer Zeit
Foto: PIZ Heer / Bundeswehr

19 Tage im Mai hat die 2025 aufgestellte Heimatschutzdivision der Bundeswehr für ihre Aufgaben geübt – von Objektschutz über Drohnenabwehr bis zur Katastrophenhilfe. Im Verbandsabzeichen steht das Jägergrün für die Infanterie, ergänzt um das schwarze Kreuz der Bundeswehr. Die gekreuzten Gewehre wirken eher antiquiert als martialisch: Es sind Karabiner 98k, die 1935 eingeführt wurden und bis heute im Wachbataillon eingesetzt werden. fra

Aufgezeichnet

Pfiffe gegen Merz

Nach DGB und Katholiken leisten nun auch Spatzen, Rotkehlchen und Kohlmeisen ihren Beitrag.

Nach DGB und Katholiken leisten nun auch Spatzen, Rotkehlchen und Kohlmeisen ihren Beitrag.

Julian Fiebach / DER SPIEGEL

Gegenstand der Politik
Foto: Green Solutions / Gartenbauagentur / Image Professionals

Dünger

Wenn in Nahost ein Sack Dünger umfällt, kratzt das im Rest der Welt normalerweise niemanden. Es sei denn, der Sack muss noch durch die Straße von Hormus. Die ist dicht, weil US-Präsident Donald Trump und Israel einen Krieg mit Iran vom Zaun gebrochen haben. Seitdem steigen die Preise für Dünger überall auf der Welt. Eine Knappheit könnte in manchen Erdteilen gar eine Hungersnot verursachen. In Deutschland droht das nicht, die Lager sind gut gefüllt. Europa produziert Dünger auch selbst, einer der größten Hersteller, K+S, sitzt in Deutschland. Dessen Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um mehr als 22 Prozent gestiegen. Sie ahnen es: die Marge mit Kalidünger! So wird Dünger voraussichtlich nicht knapp werden, aber teuer bleiben. Denn die Produktion ist energieintensiv, für die Herstellung von Stickstoffdünger wird besonders viel Erdgas benötigt, das wurde ebenfalls durch den Irankrieg teurer. Zurzeit prüfen konventionell düngende Landwirte, ob ihre Düngepläne noch wirtschaftlich sind. Organisch düngende Biobauern sind preislich im Vorteil. Privat können Sie im eigenen Garten recht einfach auf organischen Dünger ausweichen: Für nährstoffreiche Erde müssen Sie einfach nur einen saftigen Kompost anlegen. ded

Landauf, landab

Aufschwung Ost Fast 80 Prozent der Regionen in Brandenburg haben sich zwischen 2016 und 2026 im Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) um mindestens 25 Plätze verbessert. So einen hohen Anteil an Gewinnern unter den 400 Kreisen und kreisfreien Städten gibt es in keinem anderen Bundesland. Die Unterschiede innerhalb der teils riesigen Kreise können groß sein. Für wirtschaftliche Stärke sorgen etwa gewaltige Industrieansiedlungen im Speckgürtel von Berlin – wie das Tesla-Werk in Grünheide. Aber auch Cottbus gilt laut IW inzwischen als Wissens- und Innovationsstandort. In Baden-Württemberg sind dagegen viele Regionen zurückgefallen. apr

Deutschland

Debatte

Ausland

Der Moment
Foto: Anmar Khalil / AP

Der Himmel über dem Imam-Ali-Schrein in Nadschaf südlich von Bagdad ist in eine dichte orangefarbene Staubwolke gehüllt: Ein Sandsturm hatte zu Wochenbeginn weite Teile des Landes lahmgelegt, auch die irakische Hauptstadt war betroffen. Mancherorts sank die Sichtweite auf unter 500 Meter, Autofahrer tasteten sich im Schritttempo voran, Flüge wurden gestrichen. Krankenhäuser meldeten Dutzende Patienten mit Atemproblemen. Der Irak leidet unter der klimabedingten Dürre – in den vergangenen Jahren kam es immer häufiger zu Sand- und Staubstürmen. dra

Wo leben die meisten Menschen in China?

Reporter

Wirtschaft

Nachgezählt

359

Prozent mehr Profil-Aufrufe bei Instagram verzeichnete der 1. FC Union Berlin, seit Marie-Louise Eta als erste Frau den Cheftrainerposten eines Erstligisten bei den Männern übernahm.

Quelle: 1. FC Union Berlin

Maschine der Woche
Foto: Audemars Piguet / Swatch

Exklusiv für die Masse

Wenn Luxus erschwinglich wird, ist die Hoffnung auf schnellen Gewinn nicht fern. So löste diese Woche eine neue Sonderkollektion vor Swatch-Läden weltweit chaotische Szenen aus. Die »Royal Pop«, eine knallbunte achteckige Taschenuhr mit mechanischem Uhrwerk für rund 400 Euro, ist eine Zusammenarbeit des Massenherstellers Swatch und des Schweizer Nobel-Uhrmachers Audemars Piguet (AP). Deren komplizierte, handgefertigte Zeitmesser können schon mal bis zu 80.000 Euro kosten. Die Uhr ist sowohl eine Hommage an die achteckige AP-Ikone »Royal Oak« als auch an die billigen Swatch-Modelle der Anfangsjahre. Ob der Imagetransfer der exklusiven Marke ausreicht, den Wiederverkaufswert des Massenprodukts dauerhaft in die Höhe schnellen zu lassen, bleibt allerdings offen. mad

Wissen

Nachgezählt

10

Stunden pro Woche moderater bis intensiver körperlicher Aktivität wie Joggen, Walken oder Radfahren senkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Gesundheitsdaten von rund 17.000 Menschen in Großbritannien.

Quelle: British Journal of Sports Medicine

Der Moment
Foto:

rrreefs

Das Leben zieht ein in das Korallenriff, das ein Start-up um zwei Meeresbiologinnen aus der Schweiz vor der Küste der philippinischen Insel Siquijor gebaut hat – mit Tonelementen aus dem 3D-Drucker, die an Legosteine erinnern. Die Konstruktion ersetzt natürliche Riffe, die wegen des Klimawandels zugrunde gehen. Laut einer aktuellen Zwischenbilanz der Riffretterinnen haben sich bereits rund 5000 Minikorallen in diesem Gerüst angesiedelt, dazu dreimal so viele Fische und viermal so viele Muscheln, Schnecken und andere Weichtiere wie in einer benachbarten Kontrollregion. jko

Kultur

Sport

Randsportart
Foto: Kim Kyung Hoon / REUTERS

Japaner sind höflich und zurückhaltend? Nicht beim sogenannten Bo-Taoshi! Bei diesem Wettkampf versuchen zwei jeweils 150 Mann starke Teams, den Pfahl der anderen Mannschaft Richtung Boden zu ringen. 1954 wurde Bo-Taoshi in der japanischen Verteidigungsakademie Bōei Daigakkō erfunden, es erfreut sich auch heute noch, trotz des erheblichen Verletzungsrisikos, großer Beliebtheit. Auch in Schulen wird es praktiziert, dort allerdings ohne den sogenannten Affen oder Ninja, jenen Mann, der oben hockt und versucht, den Pfahl im Gleichgewicht zu halten. bka

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Niemals geht man so ganz