Kurz nach Mitternacht und im »kleinsten Kreis« haben der grüne Politiker Cem Özdemir und die kanadische Anwältin Flavia Zaka am vergangenen Samstag im Tübinger Rathaus geheiratet. Der als Standesbeamter agierende OB Boris Palmer ein langjähriger Freund, die Zeremonie ohne Schaulustige, das Foto vom Akt der Vermählung in subtilem Schwarz-Weiß: Privater geht es kaum. Doch gleichzeitig war diese Hochzeit hochpolitisch. In Baden-Württemberg ist die entscheidende Phase des Landtagswahlkampfs angebrochen, Özdemir will am 8. März als Nachfolger von Winfried Kretschmann zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Im konservativen Schwabenland schadet es da gewiss nicht, sich mit dem notorisch nach rechts ausfallenden Ex-Grünen Palmer zu zeigen und dabei Familiensinn und Bescheidenheit auszustellen. kuz
Landauf, landab
Anschlussfähig: Haben Sie noch Festnetz? Trotz der Übermacht des Smartphones in der täglichen Kommunikation halten viele deutsche Haushalte am Tisch- oder Schnurlostelefon fest. Das zeigen Daten für das Jahr 2023, die das Statistische Bundesamt kürzlich veröffentlicht hat. Besonders die Rheinland-Pfälzer hingen demnach an der bewährten Technik: Gut drei Viertel der Haushalte in dem Bundesland besaßen im untersuchten Jahr noch ein Festnetztelefon. In Hamburg, Sachsen und Berlin hatten mit etwas mehr als 60 Prozent vergleichsweise wenige Haushalte ein solches Gerät. Wie viele Menschen es noch benutzen, zeigen die Daten allerdings nicht. flk
Unter den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten gibt es kaum ein Dokument oder Bild, auf dem nicht Namen oder Gesichter mit schwarzen Balken unkenntlich gemacht wären. Schwärzungen zum Schutz der Opfer? Oder eher zugunsten der Täter? Es muss geraten werden. Schwarze Balken sind ein »Bis hierher und nicht weiter!«, symbolisch wie praktisch. Sie stehen wie Schranken vor einer Wahrheit, die wir vielleicht gar nicht so genau kennen wollen. fra
Gegenstand der Politik
Foto: Roberto Pfeil / dpa / picture alliance
Der Nubbel
Auch diesmal wirkte es merkwürdig archaisch, als die Karnevalisten in Köln in der Nacht zum Aschermittwoch rituell den »Nubbel« verbrannten: eine mit Stroh gefüllte Stoffpuppe, die stellvertretend alle Verfehlungen verkörpert, die in der Karnevalszeit begangen wurden. Sie anzuzünden, ist ein Entlastungsritual für die Karnevalisten, die so die Verantwortung für ihre Taten nicht tragen müssen. In Wahrheit ist es eine uralte Errungenschaft der Zivilisation, die Schuld für eigene Missetaten nicht anderen Menschen aufzubürden. Im Alten Testament, 3. Buch Mose, Kapitel 16, werden einmal im Jahr die Sünden der Menschen einem Ziegenbock übertragen, den man dann »in die Wüste« schickt. Seitdem existiert der »Sündenbock«. Gefährlich für Leib und Leben wird es, wenn Sündenböcke, wie häufig in der Politik, menschliche Gestalt annehmen: Bei US-Präsident Trump sind es die Einwanderer oder die Demokraten, die an den Problemen der Gegenwart Schuld trügen. Der russische Präsident Putin sagt, die Nato sei schuld am Krieg gegen die Ukraine, sie habe ihn provoziert. So sieht zwar eine Strohpuppe in Flammen archaisch aus – ist aber harmloser als Menschen zum Sündenbock zu machen. DED
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Sagen, was ist – jetzt auch beim Verfassungsschutz in Niedersachsen, der die AfD eindeutig dem Rechtsextremismus zuordnet. Das nennt sich, Sie wissen das, wehrhafte Demokratie.
Schlecht: Das Parlament in Peru hat Präsident José Jerí mit einem Misstrauensvotum abgesetzt. Innerhalb von knapp zehn Jahren ist dies der sechste Präsident, der vorzeitig ausscheidet. Machtwechsel sind in Peru offenkundig möglich, was gut ist für eine Demokratie, aber das Tempo spricht nicht für stabile Verhältnisse.
Sechs Jahre lang konnte das Fischerei-Festival in Argungu im Nordwesten Nigerias nicht stattfinden: Zu unsicher war die Sicherheitslage. Immer wieder hatte es in der Region islamistische Angriffe gegeben. Doch in diesem Jahr trotzten Medienberichten zufolge rund 40.000 Fischer der Gefahr. Bei fast 40 Grad versuchte jeder von ihnen, mit einem traditionellen Netz das größte Tier zu fangen. Der Siegerfisch wog schließlich 59 Kilogramm. Er brachte dem Gewinner zwei Autos ein, mehrere Säcke Reis und umgerechnet knapp 600 Euro Preisgeld – gespendet von der Regionalregierung. axb
665 Milliarden Dollar – so viel wollen Microsoft, die Google-Mutter Alphabet, der Facebook-Konzern Meta und Amazon allein 2026 in künstliche Intelligenz investieren. Die Zahl mit neun Nullen übersteigt beispielsweise den für 2026 verabschiedeten Bundeshaushalt. Oder die Wirtschaftsleistung Argentiniens.
Noch vor Kurzem genügte das Reizwort KI, um einen Börsenhype auszulösen. Mittlerweile reagieren Anleger auf die massiven Investitionspläne zunehmend skeptisch. Seit Ende Januar haben die vier Konzerne zusammen über 950 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren – trotz teilweise Rekordgewinnen. Microsoft traf es am härtesten: Der Aktienkurs hat seit Jahresbeginn fast 18 Prozent eingebüßt. Im Vergleich dazu kommt Alphabet mit einem Minus von rund 3,5 Prozent bislang glimpflich davon.
Die Kritik an Microsoft: Die wichtige Cloud-Sparte wächst schwächer als erhofft. Hinzu kommt, dass 45 Prozent aller Cloud-Verträge an ChatGPT-Entwickler OpenAI hängen – eine gefährliche Abhängigkeit. Alphabets Cloud- und Werbegeschäfte werden offenbar weniger kritisch gesehen. Das mag damit zusammenhängen, dass der Google-Konzern zwar gewaltig in KI investiert, bei den Einnahmen aber breiter aufgestellt ist. utr
Maschine der Woche
Foto: CATL
Strom speichern mit Salz
Statt mit potenziell teuren und kritischen Rohstoffen wie Lithium oder Kobalt sollen Batterien Strom künftig mithilfe von schnödem Salz speichern. Natrium-Ionen-Batterien stehen kurz vor dem breiten industriellen Einsatz. Sie gelten als sicherer, bieten bei Kälte mehr Leistung, haben eine bessere Umweltbilanz als die herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien. Bei der Entwicklung spielen die Deutschen weltweit eine wichtige Rolle, gerade haben Forscher der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin einen Effizienzrekord für diesen Batterietyp aufgestellt. Das erste Serienauto mit Natrium-Ionen-Batterie will allerdings der chinesische Autohersteller Changan Mitte dieses Jahres auf den Markt bringen.
Prozent beträgt laut aktueller Wettquote auf der Plattform Polymarket die Wahrscheinlichkeit, dass US-Präsident Donald Trump tatsächlich die Zölle gegen Kanada zum 30. Juni erhöht, wie zuletzt angedroht.
Ausgespuckt
»Ich nehme tatsächlich an, dass die FDP verschwinden wird, in Stuttgart wie im Bund.«
Unternehmer Reinhold Würth am 13. Februar im »Focus« zur Zukunft der Liberalen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg
Gramm Gold stecken in den Goldmedaillen, die derzeit bei den Olympischen Winterspielen von Mailand und Cortina überreicht werden – aber etwa 500 Gramm Silber. Die Goldmedaillen sind also eigentlich eher Silbermedaillen. Laut IOC wurden die Metalle recycelt.
Der kleine Fisch unten links im Bild hatte allen Grund, sich sicher zu fühlen. Er schwamm nahe am Grund eines Sees im nordenglischen Yorkshire, hoch über ihm lag auf dem Gewässer eine schützende Eisschicht. Dass darin mindestens ein kleines Loch klaffte, ahnte er wohl nicht. Wie ein Pfeil schoss plötzlich ein Eisvogelweibchen durch die Öffnung, erlegte den Fisch mit großer Präzision und kehrte, um eine Beute reicher, zurück durch das Loch nach draußen in die Winterwelt.
Der aus Asien stammende Teamsport Kabaddi funktioniert so: Ein Team schickt einen Spieler, den Raider, in die gegnerische Hälfte, wo er sich bemüht, möglichst viele Gegenspieler durch Berührung abzuschlagen und somit »auszuschalten«. Das Gegnerteam versucht, den Angreifer zu besiegen, indem es ihn zu Boden reißt. Besonderheit: Der Raider darf während seines Angriffs nicht einatmen und muss ununterbrochen rufen: »Kabaddi, Kabaddi.« Topteams sind Indien, Pakistan und Iran. Gespielt wird es mittlerweile aber auch in Dänemark und Großbritannien. aha
»Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern?« – »Meine Angelausflüge mit dir, Onkel Rudi!«
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
Foto: Toyin Adedokun / AFP
Foto: CATL
Foto: Mark Hughes / CATERS NEWS / action press
Foto:
Xu Yu / Xinhua / IMAGO
Mehrfachnutzung erkannt
Die gleichzeitige Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt.
Sie können SPIEGEL+ auf diesem Gerät weiterlesen oder sich , um Ihr Abo auf einem anderen Gerät zu nutzen.