EU plant nach Nitrofen-Skandal rigorose Sanktionen gegen Deutschland - DER SPIEGEL
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EU plant nach Nitrofen-Skandal rigorose Sanktionen gegen Deutschland

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Im Skandal um Nitrofen-belastete Öko-Lebensmittel erwägt die EU-Kommission Sanktionen gegen die Bundesrepublik. Weil sich Brüssel seit Wochen von deutscher Seite schlecht über den jeweiligen Stand in der Affäre informiert sieht, berät die Kommission am Montag, ob sie das Angebot an Öko-Lebensmitteln aus deutscher Produktion europaweit sperren soll. Auch ein Verkauf in Deutschland wäre dann nicht mehr möglich. Noch am Freitag arbeiteten Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums und der Länderagrarminister an einem Eilbericht für die EU, mit dem die Eskalation in letzter Minute abgewendet werden soll. Eine Sperre der Bio-Produkte hätte katastrophale Auswirkungen für die deutsche Öko-Landwirtschaft, weil bis zur Aufhebung einer solchen Sperre Monate vergehen können. Bis dahin, so befürchten Landwirtschaftsexperten, wären viele Bio-Bauern bankrott.

Unterdessen ergibt sich aus einer internen Lieferliste der Norddeutschen Pflanz- und Saatgut AG (NSP), dass aus der Malchiner Lagerhalle auch 72 Tonnen Nitrofen-belastetes Getreide in konventionell erzeugtem Futter gelandet sind. Demnach hat die NSP den Weizen als Getreide aus herkömmlichem Anbau an einen Mischfutterfabrikanten im gleichen Ort verkauft. Gleichzeitig belegen die Lieferlisten, dass die NSP selbst nach Bekanntwerden des Skandals am 23. Mai noch Futter aus der Halle geliefert hat.

Die Kontrollen der Malchiner Halle durch die Behörden waren offenbar ausgesprochen lücken- und laienhaft. So war noch im November eine Vertreterin des Bützower Amts für Landwirtschaft, das dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, in der Halle, ohne dass ihr etwas auffiel.

Gleichzeitig mehren sich allerdings Zweifel, dass die Halle allein als Quelle für die Nitrofen-Verseuchungen in Frage kommt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Rainer Moser aus Neubrandenburg teilte mit, er habe Zweifel, ob die gemessene Nitrofen-Konzentration im Hallenstaub ausreiche, um die zum Teil extrem starke Vergiftung des Weizens zu erklären. Der Chef des Landeskriminalamts, Ingemar Weitemeier, kündigte an, er werde eine entsprechende Untersuchung auch mit dem Ziel in Auftrag geben, festzustellen, ob eine Vergiftung durch Hallenstaub oder Sabotage wahrscheinlicher seien. Auch in der Taskforce, die im Auftrag von Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast den Skandal aufklären soll, regen sich Zweifel daran, dass Malchin die Hauptquelle für die Verseuchungen sein soll. In einem Vermerk vom vergangenen Freitag weist ein Taskforce-Mitglied unter anderem darauf hin, dass noch am 2. Oktober eine Partie Öko-Getreide die Halle Nitrofen-frei verlassen habe.