Bundestagswahl Stoiber holt Schäuble in sein Schattenkabinett
Da Stoiber bislang stets betont hat, wer in dem Team mitarbeite, müsse nach dem 22. September auch für einen Ministerposten in Berlin zur Verfügung stehen, wird nun in der Union darüber gerätselt, ob Schäuble nächster Außenamtschef werden könnte. Seit Ende der sechziger Jahre fiel das Außenministerium stets an den kleinen Koalitionspartner.
Wegen der FDP-Führungsquerelen und des verheerenden internationalen Echos auf die Antisemitismus-Debatte bei den Liberalen erwägt man in der Union jetzt jedoch, nach einem Wahlerfolg den Job des obersten deutschen Diplomaten an einen Politiker aus den eigenen Reihen zu vergeben.
Schäuble soll im Auftrag Stoibers auch ein "Sofortprogramm" für die ersten Monate nach der Wahl schreiben. Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Niedersachsens CDU-Chef Christian Wulff warnen allerdings davor, Reformen ohne Rücksicht auf die Landtagswahlen in ihren Ländern am 2. Februar 2003 anzupacken. "Wenn man nach der Bundestagswahl unpopuläre Maßnahmen vorhat, die man vorher nicht sagen will", so Wulff, "dann ist das mit Roland Koch und mir nicht zu machen."
Schäuble dagegen lehnt Verzögerungen ab: "Eine Chance, Reformen umzusetzen, hat man nur am Anfang." Diese Ansicht teilt auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann: "Die Grausamkeiten muss man zu Beginn begehen."