Deutsche Sicherheitsbehörden arbeiteten bei der Islamisten-Aufklärung aneinander vorbei / Beobachtung späterer Attentäter des 11. September nicht weitergemeldet
Deutsche Sicherheitsbehörden haben bei der Aufklärung der islamistischen Szene in Hamburg, aus der sich später die Attentäter des 11. September rekrutierten, weitgehend aneinander vorbeigearbeitet. So war im Stadtstaat bis zu einer SPIEGEL-Meldung vergangene Woche nicht einmal bekannt, dass der vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht angeklagte Mounir al-Motassadeq schon ab 1999 vom Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz überwacht wurde. Auch dass schon Jahre vor den Anschlägen von New York und Washington spätere Attentäter ins Visier der Bundesbehörde geraten waren, erfuhren die Hamburger lange nicht. Offenbar ohne die Arbeit der Kölner Kollegen zu kennen, hatte der Senat der Hansestadt nach den Anschlägen dementiert, dass die mutmaßlichen Terroristen früh aufgefallen waren. Die Vorwürfe der USA, die Deutschen hätten vor den Anschlägen nicht genug gegen die Qaida-Umtriebe getan, erhalten nun neue Nahrung.
Umso mehr will die Bundesregierung im laufenden Motassadeq-Prozess Rücksicht auf US-Bedürfnisse nehmen: Vergangene Woche räumte das Kanzleramt zwar erstmals ein, dem Bundesnachrichtendienst lägen Unterlagen über die Verhöre des von den USA festgehaltenen Ramzi Binalshibh vor, eines mutmaßlichen Qaida-Terroristen. Die Amerikaner beharrten aber darauf, diese Papiere nicht freizugeben, wie es Motassadeqs Anwälte fordern. Deutschland sei auf weiteren "Informationsaustausch angewiesen, so das Kanzleramt, um etwa "die Sicherheitslage in den Einsatzgebieten der Bundeswehr im Ausland beurteilen zu können: "Das eigene Aufkommen ist nicht ausreichend, um ein vollständiges Bild zu erhalten.