USA-Freunde gegen Außenminister Fischer
Der deutsche Widerstand gegen den Irak-Krieg schadet womöglich den Karriereplänen von Außenminister Joschka Fischer. Gerhard Schröders Kanzleramt registriert, dass sich eine Front von Amerika-Freunden in der Europäischen Union bildet, um Fischers Ambitionen auf den Posten des EU-Außenministers zu hintertreiben. Großbritannien, Spanien, Italien, Polen und die Niederlande, so die Wahrnehmung in der Berliner Regierungszentrale, neigten auf Drängen Washingtons dazu, dem Deutschen Steine in den Weg zu legen. Auch in der EU-Zentrale wird registriert, dass George W. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice gegen Fischer stichelt.
Wie stark der "amerikanische Faktor" bei der spannendsten aller EU-Personalien sein könnte, wird im Auswärtigen Amt sorgfältig beobachtet. Bei den wachsenden Problemen im Irak neige die Supermacht derzeit eher dazu - so zumindest die Hoffnung -, keinen neuen Ärger mit Berlin zu provozieren, da die Deutschen vielleicht noch bei der Stabilisierung Bagdads gebraucht würden. Mitte Juli kann Fischer die Stimmung auf der anderen Seite des Atlantiks persönlich testen, wenn er für ein paar Tage nach Washington fliegt. In der Zwischenzeit bemüht sich der Minister nach Kräften auf der europäischen Bühne um Versöhnung mit den USA-Freunden. Italiens Premier Silvio Berlusconi attestierte er nach dessen Nazi-Vergleich in ungewohnter Milde, jeder habe "sich schon einmal vergaloppiert".