Kritik in der Grünen-Spitze an Reinhold Messners Kandidatur für das EU-Parlament
An der Spitze der Grünen wächst der Widerstand gegen eine Kandidatur des Südtiroler Extrembergsteigers Reinhold Messner, 58, auf der deutschen Liste der Partei für das Europaparlament. Der hochalpine Selbstdarsteller gilt als mögliches Aushängeschild in Wählerschichten, die die Öko-Partei sonst nicht erreicht. Parteiobere zweifeln aber, ob der angejahrte Gipfelstürmer auch die eigene Kernklientel überzeugt. Messner, der derzeit für die italienischen Grünen im Straßburger Parlament sitzt, wettert in Vorträgen schon mal gegen die von seinen Parteifreunden favorisierte Windkraft. Öffentlich tritt er mit Hitlers Lieblingsregisseurin Leni Riefenstahl auf. Er bezweifle, "ob ein bekennender Riefenstahl-Apologet und erklärter Windkraftfeind der richtige Mann auf einer grünen Liste" sei, sagt ein Spitzen-Grüner in Berlin. Mit Daniel Cohn-Bendit als designiertem männlichem Spitzenkandidaten besitze die Partei außerdem schon ein attraktives Zugpferd. Ausgerechnet Cohn-Bendit hat Messner zur Kandidatur bei den bayerischen Grünen ermuntert.
Die Kritik an Messner ist auch Ausdruck des einsetzenden Gerangels um die traditionell zwischen Männern und Frauen streng quotierten Listenplätze bei den Grünen. Als parteiintern abgesichert gelten bei den Männern neben Cohn-Bendit nur noch der NRW-Vorsitzende und Parteilinke Frithjof Schmidt, bei den Frauen die glücklose Parteichefin Angelika Beer und die langjährige Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag, Rebecca Harms. Auch der im vergangenen Jahr über einen Hunzinger-Kredit und Bonus-Meilen gestolperte anatolische Schwabe Cem Özdemir soll, unterstützt von seinem baden-württembergischen Landesverband, eine zweite Chance erhalten.