Rau-Nachfolge Stoiber Präsidentschaftsfavorit von FDP und Union
Merkel sieht in einer Nominierung Stoibers die Chance, einen allseits anerkannten Bewerber zu präsentieren und sich zugleich eines Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur im Jahr 2006 zu entledigen. Zudem hofft die ostdeutsche Protestantin, mit einem Votum für den süddeutschen Katholiken Stoiber ihre Popularität in der CSU und im konservativen Unionslager zu erhöhen - eine wichtige Voraussetzung im Kampf um die Kanzlerkandidatur.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, der für Merkel eine ähnliche Funktion erfüllen könnte, gilt in der FDP auf Grund seiner Provinzialität als schwer durchsetzbar. Dagegen hat Westerwelle signalisiert, dass die Liberalen eine Kandidatur Stoibers unterstützen würden. "Stoiber ist schließlich nicht Strauß", sagt ein Vertrauter des FDP-Chefs. Außerdem will Westerwelle Merkel gegen ihren CDU-Rivalen, den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, stärken, weil er die Parteichefin für chancenreicher im persönlichen Polit-Duell mit Bundeskanzler Gerhard Schröder hält. Der Chef-Liberale hat ein gutes Verhältnis zu der Christdemokratin. Er glaubt zudem, die FDP könne sich besser gegen sie als gegen den wirtschaftsliberalen Koch profilieren.
Auch Altkanzler Helmut Kohl hat in einem Gespräch mit Merkel zugesichert, eine Kandidatur Stoibers zu billigen, ohne sich allerdings auf den Bayern festzulegen. "Wenn er wollen sollte, kann er es werden", sagt ein Kohl-Vertrauter.
In der Union kursieren bereits Szenarien, wie der bislang unwillige Langzeit-Ministerpräsident verpflichtet werden könnte. So müssten potenzielle Konkurrenten öffentlich zerrieben werden, bis aus der Union ein vielstimmiger Ruf nach Stoiber ertönt. Schon vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte sich der Bayer geziert, bis ihm CSU-Landesgruppenchef Michael Glos erklärte: "Die Kanzlerkandidatur ist keine Privatsache."