Bundestagsabgeordnete kritisieren Leichtsinn deutscher Entführungsopfer in Iran
Nach der Entführung von zwei deutschen Radtouristen im Südosten Irans haben Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen den beiden Männern unverantwortlichen Leichtsinn vorgeworfen. Die Tourismussprecherin der SPD-Fraktion, Brunhilde Irber, nannte es "absurd, da hinzufahren". Gleichzeitig kündigten Tourismussprecher aller Fraktionen an, die Frage der Eigenbeteiligung von Entführungsopfern an ihren Rettungskosten erneut auf die politische Tagesordnung zu setzen. "Ich bin dezidiert dafür, sich von diesen Leuten hinterher wiederzuholen, was zu holen ist", stellte der FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher für den Fall klar, dass Reisehinweise des Auswärtigen Amts missachtet würden. "Wer den Kick will, muss auch bereit sein, fürs Risiko zu zahlen", forderte auch die CDU-Politikerin Maria Michalk.
Bisher hatten im Ausland entführte Deutsche nach ihrer Rettung nur einen kleinen Teil der Kosten selbst getragen. So hatten die 15 in Algerien befreiten Touristen nur eine Rechnung über jeweils 2301 beziehungsweise 1092 Euro bekommen. Die tatsächlichen Gesamtkosten der mehrmonatigen Bemühungen der Bundesregierung beliefen sich dagegen auf schätzungsweise 20 Millionen Euro. Die CDU-Abgeordnete Michalk nannte nun als möglichen Weg eine Bürgschaft, die vor der Fahrt durch ein Krisengebiet hinterlegt werden müsse.
Bei den Radtouristen, die auf der Straße zwischen den südiranischen Städten Bam und Sahedan entführt wurden, handelt es sich um die beiden Bremer Oliver Brück und David Sturm. Die Kidnapper haben fünf Millionen Euro für die Freilassung gefordert. Das Auswärtige Amt hatte schon vor Beginn der Fahrt einen Reisehinweis für die Provinz Sistan-Belutschistan ausgesprochen und besonders Individual- und Trekkingtouristen gewarnt. Die Gegend wird von örtlichen Rauschgiftbanden kontrolliert, gleichzeitig gilt sie als Rückzugsraum für Taliban und Qaida-Kämpfer aus Afghanistan. Im Krisenstab der Bundesregierung wird daher auch nicht ausgeschlossen, dass Islamisten die beiden Reisenden über die Grenze nach Pakistan oder Afghanistan verschleppen könnten. Als wahrscheinlicher gilt aber, dass Banditen sie entführten.