Bundeswehr trainiert für Einsatz an Flughäfen und Bahnhöfen
In seinem Bestreben, die Wehrpflicht noch möglichst lange aufrechtzuerhalten, geht Verteidigungsminister Peter Struck jetzt sogar auf Forderungen der Union nach Einsatz der Bundeswehr im Inneren ein. Bei einer Wehrpflichttagung des Beirats Innere Führung pries Struck vergangenen Dienstag in Berlin die skandinavischen Länder als Vorbild. Sie bewahrten die Wehrpflicht, weil die ein "hinreichendes Potenzial schnell verfügbarer Kräfte für alle denkbaren Einsätze im Inneren gewährleistet" - von der Katastrophenhilfe bis zur Terroristenabwehr. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan präsentierte unmittelbar danach ein neues Ausbildungskonzept. Demnach sollen Rekruten künftig auch für den "Objektschutz" trainiert werden, "wie immer der dann aussehen mag". Unter dem Leitspruch "Die Bundeswehr muss in Hindelang dürfen, was sie am Hindukusch kann" hatten Unionspolitiker verlangt, die Bundeswehr auch zum Schutz von Flughäfen oder Bahnhöfen vor Terroristen einzusetzen. CSU-Wehrexperte Christian Schmidt lobte jetzt den SPD-Minister prompt: "Das hört sich fast so an, als hätte er unsere Vorlagen gelesen." Struck betonte zwar abermals, die Armee werde nicht als "Hilfspolizei" eingesetzt. Er kündigte zugleich aber eine "gemeinsame Übung" von Bundeswehr, Länder-Polizeikräften und Bundesgrenzschutz an. Noch kürzlich hatten Spitzenleute im Wehrressort erklärt, sie hätten beim Objektschutz ein "mulmiges Gefühl", weil etwa am US-Stützpunkt Ramstein statt erfahrener Polizeiprofis junge deutsche Rekruten Wache schieben. Die müssten unter Umständen blitzschnell beurtei-len, ob ein Lieferwagen frische Wäsche oder Attentäter mit einer Bombe transportiere.