Spiegel-Umfrage Sozialdemokraten im Dauertief
Berlin - Die Deutschen sehen die Arbeit von Regierung wie Opposition mit wachsender Skepsis. In der Rangliste der Politiker haben Akteure beider Lager kräftig verloren. Am stärksten büßte der Bundeskanzler in der Umfrage ein, die das Institut TNS Infratest im Auftrag des SPIEGEL erhob: Nur noch 39 Prozent der Befragten wünschen ihm künftig eine "wichtige Rolle". Das ist ein Minus von sechs Punkten im Vergleich zum Vorquartal - und der schlechteste ermittelte Wert seit Beginn seiner Regierungszeit. Mehr als zwei Drittel geben zudem an, unzufrieden mit der Arbeit Schröders zu sein. Auch seine Partei muss herbe Einbußen hinnehmen: Die SPD sinkt in der Gunst nochmals um vier Prozentpunkte und erreicht mit 23 Prozent einen historischen Tiefstand in einer SPIEGEL-Umfrage. Vor allem Arbeitslose kehren den Sozialdemokraten den Rücken: Nur noch 17 Prozent von ihnen würden SPD wählen - aber 48 Prozent die CDU/CSU und 19 Prozent die PDS. Einziger positiver Ausreißer in Schröders Riege: Innen- und Sportminister Otto Schily, der mit sieben Punkten einen ordentlichen Satz nach oben macht. Doch auch für die Opposition läuft es unrund. Zwar liegt die CDU/CSU in der "Sonntagsfrage" mit 45 Prozent wie schon seit Ende 2002 weit vorn, aber die Arbeit von Angela Merkel und Co. beurteilen die Bürger kritisch. Die CDU-Vorsitzende verliert drei Prozentpunkte, ihr CSU-Pendant Edmund Stoiber vier. Immerhin äußern sich 57 Prozent der Unionsanhänger zufrieden mit den Leistungen der Opposition. Über das tagespolitische Stimmungstief erhebt sich, ganz im Sinne des Amtes, der neue Bundespräsident. Horst Köhler legt einen Traumstart hin: Er sei durchaus geeignet, mehr Zuversicht im laufenden Reformprozess zu vermitteln, glauben 56 Prozent der Befragten. Seine Botschaft, die Deutschen mögen wieder mutiger in die Zukunft blicken, ist offenbar angekommen. Das größte Zutrauen haben die Rentner: 70 Prozent von ihnen glauben, dass Köhlers Optimismus verfängt. Deutlich zurück liegt das neue Staatsoberhaupt noch in den neuen Bundesländern: 43 Prozent der krisengeschüttelten Ostdeutschen bezweifeln, dass der Bundespräsident Zuversicht wecken kann. Befragt wurden 1000 Deutsche im Zeitraum vom 6. bis zum 7. Juli.