Union fordert von Merkel mehr Rücksicht auf die CSU
In der Union wächst der Druck auf CDU-Parteichefin Angela Merkel, sie solle stärker auf die Schwesterpartei CSU zugehen und den öffentlichen Flirt mit FDP-Chef Guido Westerwelle beenden. Zuvor hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber intern die Befürchtung geäußert, das Duo Merkel/Westerwelle allein könne im nächsten Bundestagswahlkampf dem rot-grünen Spitzenteam „Schröder und Fischer nicht das Wasser reichen“. So warnt Fraktionsvize Wolfgang Bosbach: „Die CSU darf nicht das Gefühl bekommen, dass sie unter die Räder der großen Schwester gerät.“ Und Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, der im Wahlkampf 2002 den CSU-Chef massiv unterstützt hatte, glaubt: „Wir haben nur Erfolg mit Merkel und Stoiber zusammen.“ In der CSU mühen sich die Stoiber-Getreuen, die anfängliche Aufregung um das Zitat nun gegen Merkel zu wenden. Deren als aggressiv empfundene Ausgrenzungspolitik gegenüber dem Rivalen sei Ursache vieler Reibereien. Die CDU-Chefin solle, so ein Vertrauter des ehemaligen Kanzlerkandidaten zum SPIEGEL, „persönliche Vorlieben und Vorbehalte“ zurückstellen und stattdessen „den ein oder anderen veritablen Ministerpräsidenten einbinden“. Nur so, und nicht mit einer verfrühten Koalitionsaussage zu Gunsten der FDP, könne „das bürgerliche Wählerreservoir voll ausgeschöpft“ werden. Stoiber hält sich und den hessischen Amtskollegen Roland Koch – abgesehen von Merkel – für die zugkräftigsten Wahlkämpfer. Die CDU-Vorsitzende müsse „wie jeder Trainer die unterschiedlichen Talente der Mannschaft zusammenführen“, verlangt CSU-Vize Horst Seehofer.