Deutschland Seehofer stellt Merkels Reformpolitik in Frage - Verständnis für Lafontaine
Das negative Echo in der Bevölkerung auf die Hartz-Reformen haben nach Ansicht des stellvertretenden CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ein Umdenken in der Union bewirkt. Seehofer sagte dem SPIEGEL: "Jetzt wird auch bei uns diskutiert, ob denn alle Einflüsterungen der Radikalökonomen stimmen oder ob die von ihnen gepriesenen Instrumente vielleicht falsche Instrumente waren." Zu den Reformvorstellungen von CDU-Chefin Angela Merkel sagte Seehofer: "Meine Erfahrung ist: Wer alles will, kriegt nichts." Die alte Lebensweisheit, dass kleine Schritte, die man geht, besser seien als große, die man nur plant, erweise sich auch in der Politik als richtig.
Seehofer äußerte Verständnis für die Kritik des früheren SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine an der Sozialpolitik der Bundesregierung. "Nicht alles, was der sagt, ist falsch", so Seehofer. "Er hat Recht, wenn er feststellt, dass sich die Einkommens- und Vermögensverhältnisse in unserem Land zu sehr auseinander entwickeln: Die Oberen gewinnen hinzu, die Unteren verlieren. Die Gehälter einiger Manager explodieren, die Zahl der Sozialhilfeempfänger wächst. Wer nichts in der Tasche hat, kann auch nichts kaufen. Also geht der Konsum zurück. Zugleich haben wir eine massive Investitionsschwäche in Deutschland. Dies alles kann man ja nicht einfach als ideologische Neidhammelei abtun."