Bundesregierung schließt US-Angriff auf Iran aus
Nach dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in Mainz hält die Bundesregierung die Gefahr eines amerikanischen Militärschlags gegen Iran bis auf weiteres für gebannt. Zwar bekräftigte Bush vor der Presse, dass er sich "alle Optionen" offen halte, um eine nukleare Bewaffnung Irans zu verhindern. Aber intern erklärte der Amerikaner im Gespräch mit Gastgeber Gerhard Schröder, es sei "völlig lächerlich" zu glauben, dass er zum Angriff auf Teheran blase. Auch die Äußerungen Bushs, die Diplomatie stehe im Fall Iran erst am Anfang und "Iran ist nicht Irak", werden im Berliner Regierungslager erleichtert registriert. Tatsächlich glauben Spitzenleute der Schröder- Regierung, dass die US-Streitkräfte in den nächsten Jahren ohnehin nicht zu einem umfassenden Schlag gegen das Mullah-Regime in der Lage wären. "Im Ernst haben sie keine militärische Option", so ein hoher Beamter, "jedenfalls keine, deren politischer Flurschaden für Washington akzeptabel wäre." Obwohl Bush 2002 bei einem Besuch in Berlin auch versichert hatte, er habe keine Angriffspläne gegen den Irak "auf dem Schreibtisch", glaubt die deutsche Seite diesmal, dass sie den Beteuerungen des Präsidenten vertrauen kann: "Wir sehen nicht die Gefahr, dass man aneinander vorbeigeredet hat", so ein Teilnehmer der Mainzer Gespräche. Irans Chefunterhändler in den Atomgesprächen, Hassan Rohani, gab sich angesichts der Washingtoner Signale gelassen. "Wir waren schon ruhig, bevor Bush das sagte", meinte Rohani am Freitag bei seinem Berlin-Besuch.