Zentralrats-Präsident Paul Spiegel klagt über stärker werdenden Antisemitismus/Rüge für "Selektions"-Pläne der Bundesländer - DER SPIEGEL
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Zentralrats-Präsident Paul Spiegel klagt über stärker werdenden Antisemitismus/Rüge für "Selektions"-Pläne der Bundesländer

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Paul Spiegel zieht eine bittere Bilanz seiner bisherigen Zeit als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Mit viel Optimismus habe er im Januar 2000 sein Amt angetreten, sagte er in einem Gespräch des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL. Nun glaubt er: "Du kannst machen, was du willst, du erreichst nichts." In den vergangenen Monaten sei die "Hemmschwelle für den Transport antisemitischer Vorurteile deutlich gesunken - und das in Kreisen, in denen ich das nicht für möglich gehalten hatte". Das gelte auch etwa für "Kirchenfürsten, die Holocaust und Abtreibung in einen unverantwortlichen und gefährlichen Sinnzusammenhang bringen". Spiegel kritisiert zudem, dass die Bundesländer den Zuzug von Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion einschränken wollen. "Dass zum Beispiel jetzt nur noch Menschen kommen sollen, die keine Sozialhilfe brauchen, nur noch Menschen, die jung genug sind für den Arbeitsmarkt, dass nun also wieder selektiert werden soll, das kann ich nicht akzeptieren." Zwar sei der Vergleich mit der Selektion an der Rampe von Auschwitz "unzulässig". Aber es bleibe nicht aus, "dass wir uns daran erinnert fühlen", wenn "in Deutschland wieder Juden in Kategorien eingeteilt werden".