Achilles' Ferse Blut, Schweiß und Eigenurin
Hallo Achim,
hallo Beraterstab,
hatte vor einigen Monaten beim Laufen Schmerzen am Übergang vom Oberschenkel zum Becken. Nach Konsultation des Orthopäden meines Vertrauens, der eine Blockade feststellte, und mit ringerähnlichen Griffen auf der Behandlungsliege alles wieder zurechtbog (nochmals Dank an Dr. Büttner aus Köln), stellt sich mir nun die damals leider ungestellte Frage, wie sich eine solche Blockade in Zukunft zuverlässig vermeiden lässt. Wie kann man eine solche möglicherweise selbst beseitigen? Das Wehwehchen hatte mich acht Wochen Training gekostet!
Vielen Dank, Volker
Marathon-Teilnehmer (in Warschau): Lauf gegen den Fersensporn
Foto: REUTERS
Lieber Volker,
wir wissen nicht, woher eine Blockade kommt, ihre Existenz wird sogar von einigen Medizinern infrage gestellt. Deswegen gibt es auch keine Antwort auf Ihre Frage, wie Sie einer Blockade vorbeugen können. Zu Ihrer zweiten Frage: Eine solche Blockade können Sie auch selbst beseitigen. Dafür müssen Sie nur sechs Jahre Medizin studieren, die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie absolvieren, etwa 10.000 Euro für die Kurse zur Zusatzbezeichnung "Manuelle Therapie" blechen und mit einige Hundert Patienten üben. Dann klappt es mit der Eigenbehandlung ganz gut, meistens.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Lieber Doktor,
was man aber mitnehmen kann aus der Frage von Volker: Es ist Gold wert, einen Arzt zu haben, der ein Herz für Läufer hat, wie dieser Dr. Büttner aus Köln. Was darüber hinaus sehr ratsam ist: Läufer sollten beim Orthopäden Rezepte für zwölf Manuelle Therapien verlangen, die dann ein Physiotherapeut ausführt, der sich 30 Minuten Zeit nimmt und die Verletzung im Zusammenhang sieht zum gesamten Körper.
Sehr ratsam, Jens Karraß
Hallo Experten,
seit etwa 14 Monaten laufe ich (35 Jahre, 183 Zentimeter, 90 Kilogramm) durch den recht schönen Taunus. Dieses Jahr steht zweimal Halbmarathon auf dem Ehrgeizplan, nächstes Jahr vielleicht mal ein Marathon. Nun mein Problem als alter Flachland-Berliner hier im Exil: Nix ist eben. Es geht entweder bergauf oder bergab, teils richtig kräftig. In den 0815-Trainingsplänen stehen lange, langsame Läufe mit rund 70 Prozent maximaler Herzfrequenz (geschätzt auf 185), leider schaffe ich das beim besten Willen nicht. Der Puls geht bei den Steigungen gerne mal über die 80 Prozent, auch über längere Zeit, selbst wenn ich gehe (kommt schon mal vor) deutlich über 75 Prozent. Soll ich noch langsamer gehen? Soll ich nur nach Tempo laufen und beispielsweise 7:20 Minuten pro Kilometer halten, egal was der Puls sagt? Die Volksläufe und Wettkämpfe, an denen ich teilnehmen möchte, sind auch hügelig, zum Beispiel 21 Kilometer bei etwa 500 Höhenmetern. Spaß macht mir das schon, selbst wenn es eine elendige Schinderei ist. Erhellt und Motiviert mich!
Dank und Gruß in die Hauptstadt, Carsten
Hallo Carsten,
sicher gibt es nach einem Anstieg immer wieder längere Passagen, die eben sind. Dort solltest Du immer schnell wieder zum normalen Puls zurückfinden. Der höhere Puls am Berg ist schwer zu verbessern, wenn Du dort immer gehst. Es schadet nichts, wenn Du bei einem Aufstieg auch mal ein paar Minuten einen höheren Puls hast. Nimm Dir nur eines zu Herzen: Bergauf solltest Du darauf achten, dass Du zwar den selben Rhythmus und die selbe Schrittfrequenz beibehältst, aber viel kürzere Schritte machst und auch mit weniger Anstrengung, also sofort das gefühlte Tempo herausnimmst und eher nur durch das Zusammenspiel höhere Schwerkraft vs. Verringerung des Lauftempos auf die gleiche Belastung kommst wie im flachen Gelände,
Viele Grüße, Jens Karraß
Hallo Carsten,
alte Puls-Uschi: Schnall' den Brustgurt ab und renn', bis die Augäpfel über den Asphalt schleifen. Und sei dankbar für jeden Hügel. Qualität kommt von Qual.
Ausbilder Achilles
Lieber Gundbert,
du hattest dich ja jüngst wegen eines Fersensporns an die Achilles-Leser gewandt. Ich habe mich fast ein halbes Jahr
mit einem Fersensporn geplagt. Nichts hat geholfen: orale Entzündungshemmer, Physiotherapie, Bestrahlung, Stoßwellentherapie. Erst eine einfache Übung hat mir Linderung verschafft: Auf einen Stuhl setzen, das betroffene Bein (Unterschenkel) auf den Oberschenkel des anderen legen, und dann den Fuß dehnen, indem Du die Zehen mit beiden Händen langsam nach hinten drückst (etwa zehn Sekunden) und hernach wieder einrollst. Die Dehnungsphase jeweils zehn Sekunden, dann einrollen, bis der Dehnungsschmerz nachlässt, insgesamt zehnmal im Wechsel. Die Übung zwei- bis dreimal täglich. Gute Besserung!
Herzlicher Gruß, Michael (Stuttgart)
Lieber Gundbert,
ich habe meinen Fersensporn dadurch weg bekommen, dass ich den Fuß morgens fünf Minuten in meinen eigenen Urin gesteckt habe (übrigens ein Tipp aus dem Buch unserer Schalke-05-Moderatorin Carmen Thomas). Ansonsten jammere nicht so viel rum, ich habe nach einem komplizierten Beinbruch und damit verbundener neunmonatiger Pause zwar nicht mehr meine Marathon-Bestzeit (2:47 Stunden) erreicht, aber mit eisernem Willen sind immerhin noch 3:17 Stunden herausgekommen (bin 60 Jahre alt).
Gruß, Klaus aus Lübeck
Lieber Klaus,
ich glaube nicht, ich schließe sogar aus, dass die Heilung durch Urin zustande gekommen ist. Möglicherweise übersehen Sie viele andere Faktoren, die zur Beseitigung des Problems beigetragen haben. Diese Tipps dürften lustig sein, ich möchte jedoch nur ungern zur Verbreitung von Unsinn beitragen.
Mit besten Grüßen, Ihr Dr. Fernando Dimeo
Tja,
mal schauen, was die deutsche Urinisten-Fraktion nun antwortet.
Trippelnd, Achim
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