Achilles' Ferse: Endloser Marathon - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Endloser Marathon

Einen Marathon zu schaffen ist für die meisten Läufer das Größte. Doch viele wissen nicht, wie man sich auf das Rennen über 42,195 Kilometer vorbereiten soll. Achim Achilles und Co. raten zu fundiertem Training. Gegen arrogante Marathonis hilft das aber auch nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebes Achilles-Team,
ich laufe seit ewigen Zeiten immer den gleichen Stiefel: zwei- bis dreimal in der Woche, je zehn Kilometer. Bin auch schon Halbmarathon gelaufen, ohne zu kollabieren (Zeit: circa 1:55 Stunden) und fühle mich ganz gut. Jetzt will ich endlich auch mal einen Marathon laufen und habe mir aus dem Internet verschiedene Trainingspläne geholt. Diese finde ich durch die Bank bescheuert. Wöchentlich drei- bis viermal Training in bestimmten Pulsbereichen und Längen - das muss doch nicht sein, oder? Kann ich nicht einfach weitermachen wie bisher und ein paar 30-Kilometer-Läufe einbauen, so dass ich im Oktober fit für einen Marathon bin?
Grüße, Joachim

Hi Joachim,
wer mag schon diese langen Ausdrucke mit Pulszahlen … aber einfach so im Internet kann es nichts Besseres geben, wenn Dich Dein Coach nicht kennt. Zu Deiner Situation rate ich Dir: Mache so weiter, aber nicht weniger als viermal in der Woche. Zweimal zehn Kilometer, einmal 15 Kilometer als feste Streckenlängen, dabei das Tempo auch variieren. Dazu den langen Lauf. Zwei bis drei 30-Kilometer-Läufe reichen aus, wenn Du sie vorher durch einige Läufe von zwei bis zweieinhalb Stunden vorbereitet hast.
Viel Glück beim Marathon, Jens Karraß

Lieber Joachim,
so wie Du habe ich meinen ersten Marathon auch vorbereitet. Es reicht zwar, um ins Ziel zu taumeln. Aber, um ehrlich zu sein: Es war ein Desaster. Die Zeit war Mist, ich fühlte mich schlecht und konnte die ganze nächste Woche nicht laufen. Meine bescheidene Amateur-Erfahrung sagt, dass Läufe über 10 Kilometer in der Vorbereitung nur dann gut sind, wenn Du sie sehr (sehr!) zügig absolvierst. Wäre nett, wenn Du uns von Deinen Erfahrungen berichtest. Vielleicht gehörst Du ja zu diesen Laufwundern, die mit Minimaltraining einen Marathon mal in 3:30 Stunden laufen.
Frohes Quälen, Achim

Lieber Achim,
als großer Bewunderer Deiner bissigen Lebensweisheiten wünsche auch ich mir von Dir einen sportlichen Rat: Ich bereite mich derzeit auf den Berlin-Marathon (3:40 Stunden, denke ich) vor. Da ich auch gerne Rad fahre und mein Arbeitsweg sich so schön dafür anbietet, radele ich ein- bis zweimal pro Woche die 30 Kilometer zügig hin und zurück. Kann ich mir dafür im Trainingsplan guten Gewissens ein paar Kilometer als Laufstrecke aufschreiben?
Danke, Carsten

Hi Carsten,
natürlich kannst Du Radkilometer oder –zeit nicht als Kilometer aufschreiben. Aber in Gedanken umrechnen und zu gutem Ausdauertraining hinzuzählen. Und zwar kannst Du die Hälfte der Zeit als Laufzeit umrechnen, also bei Deiner Tagestour von circa 2:20 Stunden Rad sind das 1:10 Stunden Laufen. Bei Deinem Trainingsbereich also circa elf Kilometer zusätzlich, aber nicht aufschreiben!
Sportsgrüße, Jens Karraß

Sorry, Klemmbrett,
die Frage ging an mich. Ich würde diese Umrechnungsgedankenspiele gar nicht erst anfangen. Sonst buchst Du den Familienspaziergang am Sonntag (80 Minuten bei 4,8 Stundenkilometern) auch noch als Trainingslauf und trägst ihn in Dein innerliches Büchlein ein. Gezählt werden nur ehrlich erschwitzte Laufkilometer.
Achim Gnadenlos

Lieber Achim Achilles,
ich bin drei Jahre gelaufen, bevor ich mich auf meinen ersten Marathon (Hamburg 2001) vorbereitet habe. Und ich kann Dir sagen, ich bin durch unzählige läuferische Tiefen gegangen. Ich habe die gesamte Marathonvorbereitung mit permanenten Knieschmerzen und Sehnenentzündungen unter den Füßen durchlitten. Laufpausen haben nie was gebracht, ganz im Gegenteil, der Frust und der Trainingsrückstand wurden nur immer größer. Während all dieser Schmerzen habe ich nie die Hoffnung aufgegeben und suchte gleichzeitig Hilfe bei vielen Ärzten. Im Endeffekt hat mir ein guter Physiotherapeut geholfen, mein Dinkelkissen und unzählige Tuben der Salbe "Retterspitz Quick". Sobald es wieder irgendwo zwickt, wird das Dinkelkissen in die Mikrowelle geschmissen, der Muskel zehn Minuten gewärmt und danach mit der Retterspitz-Salbe ausgiebig massiert. Das hilft wirklich gut, und ich kann diese Methode nur wärmstens empfehlen! Inzwischen weiß ich, dass es oft der eigene psychische Druck ist, der zu muskulären Verspannungen führt. Übrigens, bei langer und guter Vorbereitung ist der Marathon eine unglaublich schöne Erfahrung.
Viele Grüße, Christiane

Lieber Achim,
was mich nachdenklich stimmt, ist die ausgeprägte Arroganz und Ignoranz der Marathonteilnehmer. Bei Kilometer 20 fällt mir ein fremder Läufer in die Arme, der wohl die Temperaturen und damit den Flüssigkeitsverlust deutlich unterschätzt hat. Niemand aus der Hundertschaft, die vorbeizieht, hält es für nötig, ihn zu unterstützen. Tolles Gefühl, wenn es mich mal von den Füßen holen sollte.
Irritiert, Thomas

Lieber Thomas,
es gibt in der Tat Marathon-Freaks, die von unerträglicher mentaler Struktur sind. Frage: Sind es prozentual mehr als in der Normalbevölkerung? Achim

Hallo Achim Achilles,
ein Marathon ist noch einmal was ganz anderes als ein Halbmarathon, objektiv doppelt so lang, aber subjektiv endlos. Ich selbst bin Ende 2003 in Dresden den Marathon gelaufen. Nach der Hälfte war noch alles super, aber am Ende waren es rund zwölf Kilometer absolut krasser Kampf. Dafür war der Zieleinlauf unbeschreiblich und unvergesslich!
Viele Grüße aus Hamburg, Stephan

Lieber Achim, altes Stinktier,
wie stellst Du mich denn (mal wieder) da (siehe "Gruß vom Grottenolm")? Der Leser muss ja glauben, Du hättest ein sportdesinteressiertes, Apfelkuchen backendes Weibchen mit vielen Cousinen, die Hiltrud heißen, zu Hause. Achim, Dickerchen, erzähle doch mal die ganze Geschichte, anstatt so billig den Zuspruch Deiner Geschlechtsgenossen zu erschleichen. Wer hat Dir denn letzten Samstag die Startunterlagen besorgt, weil Du zu faul warst, aufs Fahrrad zu steigen? Wer ermöglicht Dir viermal die Woche Training - übrigens gern mal abends, wenn der Kleine ins Bett gebracht werden muss? Und wer erträgt ohne Widerworte all die zerrissenen Wochenenden, weil Du, oh Achim, jeden Samstag trainieren musst und am Sonntag meistens Wettkampf hast? Wenn Dir das allerdings nicht passt, dann können wir gerne tauschen. Die Kinder freuen sich bestimmt auf einen entspannten Papi, der weder Muskelkater noch schlechte Laune hat, weil er nur Fünfter seiner Altersklasse geworden ist! Überleg es Dir.
Es grüßt Mona

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