DFB-Gegner Japan: Elf Messis müsst ihr sein - DER SPIEGEL
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Deutscher Viertelfinal-Gegner: Todesmutig zum Triumph

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DFB-Gegner Japan Elf Messis müsst ihr sein

Wer ist hier eine Zwergin? Das technisch versierte Japan gilt als eines der stärksten Teams der Frauenfußball-WM. Die Elf will im Viertelfinale gegen Deutschland beweisen, dass es nicht auf ihre vermeintlich zu geringe Körpergröße ankommt - und notfalls "bis zum Tode" kämpfen.
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Vor dem Gegner hat Ulrike Ballweg Respekt. "Es ist nicht so, dass die japanischen Spielerinnen auf der Erde herumkriechen, sie können auch in der Luft spielen", sagt die Co-Trainerin des deutschen Frauenfußball-Nationalteams, "sie haben eine sehr gute Kopfballtechnik und springen sehr hoch ab." Ballweg meint das ernst, es ist keine Floskel.

Zuletzt wurde häufig die angebliche körperliche Unterlegenheit des deutschen Gegners thematisiert. Fast wirkte es, als ob Deutschland im WM-Viertelfinale (Samstag um 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf eine asiatische Zwergenauswahl treffen würde.

Doch nicht nur Ballweg weiß, dass Größe im modernen Fußball sehr relativ ist. Der Argentinier Lionel Messi, vermutlich weltbester Spieler, misst 1,69 Meter. Ihn fragt keiner, ob er deshalb ein Problem auf dem Platz hätte.

Die Japanerin Saki Kumagai wird dagegen ständig auf etwaige Nachteile angesprochen. Dabei überragt die Abwehrspielerin Messi sogar um zwei Zentimeter. Kumagai, zu in Asien typischer Zurückhaltung erzogen, belässt es dem Frager gegenüber meist bei einer freundlichen Unverbindlichkeit.

Die Debatte ist ja auch schon verwunderlich genug, haben doch Japans Fußballfrauen in den Gruppenspielen bereits bewiesen, dass sie zu den besten des Turniers zählen. Die "Nadeshiko" ("Prachtnelken") zeigten gegen Neuseeland (2:1) und Mexiko (4:0), dass die Größe keine Rolle spielen muss.

Die 0:2-Niederlage beim Vorrundenabschluss gegen England war eher das Resultat der eigenen Abschlussschwäche denn der Überlegenheit des Gegners. Nach dem Schlusspfiff war den Britinnen der Sieg beinahe peinlich. "Wir haben dreckig gewonnen", sagte Englands Trainerin Hope Powell. Jetzt hat Japan im Duell mit Deutschland eine historische Chance.

Noch nie standen die japanischen Fußballfrauen in einem WM-Halbfinale, bisher klappte es bei fünf Turnier-Teilnahmen erst einmal (1995). Trainer Norio Sasaki interessiert das nicht. Er hat hohe Ziele: "Wir wollen Weltmeister werden." Die Aussage des 53-Jährigen zeugt von Mut, übermütig ist sie nicht.

"Keine Angst vor den Deutschen"

"Japan spielt den technisch besten Fußball", sagt Englands Trainerin Powell. Der Großteil der bisher sechs WM-Tore (nur Deutschland und Brasilien haben mehr erzielt) war das Ergebnis einer ausgezeichneten Spielanlage. Japan ist in der Lage, auf engstem Raum schnell und direkt zu kombinieren, der Ball läuft deutlich flüssiger durch die eigenen Reihen als beim Großteil der Konkurrenz. Rekordnationalspielerin Homare Sawa (169 Länderspiele), die mit bislang drei Turniertreffern die Torschützenliste anführt, verwertete gegen Mexiko zwei Ecken per Kopf. Im Mittelfeld gilt Aya Miyama (bisher ein Tor und zwei Vorlagen) bei Standards als eine der besten der Welt. Im Sturm wirbeln Nagasato von Turbine Potsdam und Shinobu Ohno. Es gibt wenige Offensiv-Reihen, die ähnlich variabel und gut besetzt sind.

Der Viertelfinal-Einzug hat das Team selbstbewusst gemacht. "Ich habe keine Angst vor den Deutschen", sagt Nagasato, "ich glaube, dass wir momentan besser sind." Gegen Deutschland muss Japan beweisen, dass es inzwischen mit einem Top-Team mithalten kann. In bisher acht Duellen mit dem Titelverteidiger setzte es sieben Niederlagen (5:18 Tore). Immerhin erreichten die Asiatinnen beim letzten Test im Juli 2009 ein 0:0. Die aktuelle Fifa-Weltrangliste führt das Team auf Platz vier, so hoch wie noch nie. In der kommenden Saison werden drei Japanerinnen in der deutschen Bundesliga - der weltweit stärksten - spielen. Nach Nagasato und Kozue Ando (FCR Duisburg) wechselt Verteidigerin Saki Kumagai von den Urawa Red Diamonds zum Meister 1. FFC Frankfurt.

"Mehr schießen, sonst haben wir keine Chance"

Trotz des deutlichen Aufwärtstrends im japanischen Frauenfußball gibt es bei der Nationalelf jedoch altbekannte Schwächen. Seine Mannschaft sei "manchmal zu zurückhaltend, zu vorsichtig", sagt Trainer Sasaki, dessen Team zudem Schwierigkeiten mit dem Abschluss hat. Im letzten Gruppenspiel gegen England versuchten seine Spielerinnen regelrecht, den Ball ins Tor zu tragen. "Wir müssen mehr schießen, sonst haben wir keine Chance", sagt Sasaki.

Japanisch wolle man spielen, "dann können wir auch gewinnen". Heißt: Schnell und präzise über die Außen kombinieren, um die gegnerische Abwehr mit Pässen in den Rücken zu überraschen. Die deutschen Verteidigerinnen Saskia Bartusiak und Annike Krahn, die beim 4:2 gegen Frankreich keinen guten Tag erwischt hatten, sind damit schon einmal gewarnt. Die DFB-Auswahl sieht Sasaki ohnehin im Nachteil. In der mit 25.361 Zuschauern ausverkauften Wolfsburger Arena spielen zu müssen, sei für den WM-Gastgeber wenig hilfreich. "Ist das nicht eher für die Deutschen ein Problem? Sie stehen unter Druck und müssen gewinnen. Wir sind die Herausforderer", sagte er und wird martialisch. Für den Sieg werde man kämpfen. "Bis zum Tode."