Formel 1 Hamilton verflucht den Silberpfeil
Hamburg - Der Weltmeister war außer sich. "Die anderen werden schneller, wir werden langsamer", sagte Lewis Hamilton der BBC. Das Hinterherfahren geht dem 24-Jährigen auf die Nerven, der Spaß am Silberpfeil ist in den ersten sechs Saisonrennen auf der Strecke geblieben: "Wir hätten dieses Auto schon vor langer Zeit verschrotten sollen."
Weltmeister Hamilton: Gedanken an die Abwrackprämie
Foto: APAuch die Experten üben heftige Kritik an McLaren-Mercedes. "Das Auto ist einfach hoffnungslos schlecht", sagte der ehemalige Teamchef Eddie Jordan: "Es ist wahrscheinlich der schlechteste McLaren, der jemals entworfen wurde." Selbst Teamchef Martin Whitmarsh wollte dies nicht entkräften: "Ich habe schon mit einigen schlechten Autos zu tun. Da möchte ich keine Rangliste aufstellen." Ex-Weltmeister Keke Rosberg, dessen Sohn Nico als Kandidat auf das McLaren-Cockpit für 2010 gehandelt wird, ist schockiert: "Es ist erschütternd, wie schlecht dieses ehemalige Top-Team ist." Und der frühere McLaren-Pilot David Coulthard leidet mit Hamilton, "der ein Weltklassefahrer ist. Aber wenn man nicht das richtige Werkzeug hat, kann man keine Leistung zeigen."
Das Problem ist längst erkannt. Der Silberpfeil hat zu wenig Abtrieb, das Auto ist zu langsam in schnellen Kurven. Und eine zügige Lösung ist nicht in Sicht. Das Kuriose: Beim Kundenteam Brawn läuft der Mercedes-Motor wie geschmiert, der Brite Jenson Button eilt dem WM-Titel entgegen. Bei McLaren hatte Hamilton nach eigenen Worten "schon beim allerersten Test" gemerkt, dass das Auto nicht konkurrenzfähig ist. Und am bisher einzigen Wochenende, an dem der Silberpfeil an die alten Glanzzeiten anknüpfte - auf dem Stadt- Kurs von Monaco - warfen sich Hamilton und Teamkollege Heikki Kovalainen durch Fahrfehler selbst aus der Bahn. Interne Kritik an den Fahrern gibt es aber nicht. "Sie können nichts dafür", sagt Teamchef Whitmarsh: "Es muss sehr frustrierend für sie sein, wenn sie wissen, gleich kommt eine größere Kurve und sie werden Zeit verlieren, ohne etwas machen zu können." Kovalainens Zukunft ist ungewiss, Rosberg könnte ihn ersetzen. " Wenn man irgendwann einen Fahrerposten zu besetzen hat, gibt es sicher fünf oder sechs, die in Frage kommen. Und da gehört Nico dazu", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.
Ob und wann Mercedes die Kurve kriegt, bleibt ungewiss. "Niemand weiß im Moment, wer nächstes Jahr das beste Team sein könnte", sagte Rosberg, dessen Vertrag bei Williams ausläuft. Zwar sei ein Wechsel zu Mercedes grundsätzlich vorstellbar, "aber das würde ich auch bei fast allen anderen Teams sagen". Seine guten persönlichen Kontakte zu Hamilton und Haug seien nicht entscheidend: "Ich will in einem Auto sitzen, das mich nach vorne bringt. Nur das zählt." Im Moment ist laut Hamilton "das ganze Paket nicht gut". Deshalb müsse man diese Saison abhaken. "Wir geben uns keinen Illusionen hin", sagt er, glaubt aber, "dass wir nächstes Jahr wieder um die WM fahren können".