Formel 1: Sebastian Vettel und Lewis Hamilton über vermeintliche Langeweile - DER SPIEGEL
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Bisherige Formel-1-Saison Nicht langweiliger als Fußball?

Viele hatten in Frankreich den nächsten zähen Formel-1-Grand-Prix erwartet. Doch es kam anders - auch dank Sebastian Vettel, der die diesjährige Rennsaison mit der Fußball-WM verglich.
Valtteri Bottas im Mercedes
Valtteri Bottas im Mercedes

Valtteri Bottas im Mercedes

Foto: Claude Paris/ dpa
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Über dem Großen Preis von Frankreich stand für viele Formel-1-Fans ein großes Fragezeichen: Drohte hier die nächste Einschlaf-Veranstaltung? Gerade in den sozialen Medien herrschte nach drei relativ langweiligen Rennen in Barcelona, Monaco und Kanada eher pessimistische Stimmung.

Sebastian Vettel, mit 131 Punkten Zweiter im Gesamtklassement, hielt schon vor dem Großen Preis von Frankreich dagegen: "Wir hatten bisher sieben WM-Läufe. Einige waren aufregend, andere langweilig. Aber das ist doch bei der Fußball-WM dasselbe. Da gibt es auch eine Menge Spiele, die nicht besonders spannend sind."

Vettels Titelkonkurrent Lewis Hamilton (145 Punkte), der in Frankreich triumphierte, berichtete wiederum von Frustration im Bekanntenkreis: "Eine Menge meiner Freunde haben mir nach Kanada gesagt, sie wären vor dem Fernseher beinahe eingeschlafen."

Auf dem Circuit Paul Ricard ging es weniger schläfrig zu - auch dank Vettel. Oder besser gesagt wegen dessen Crash in der ersten Kurve mit Valtteri Bottas. Die Kollision warf die beiden Mitfavoriten ans Ende des Feldes zurück, von wo sie sich anschließend nach vorne kämpfen mussten. Vettel landete am Ende auf Rang fünf, Bottas wurde Siebter.

Über seinen Unfall sagte der deutsche Ferrari-Pilot: "Ich habe gemerkt, dass es eng wird, dass ich massiv Grip und die Kontrolle über das Auto verliere. Aber was hätte ich machen sollen?" Bei Bottas habe er sich entschuldigt, denn "er konnte ja wirklich nichts dafür".

Zwei Top-Autos am Ende des Feldes - eine spezielle Situation, die an die Rennen zu Saisonbeginn erinnert, vor allem in China und Baku, wo die Fans mit viel Action verwöhnt wurden. Dort war dies vor allem den Safety-Car-Phasen geschuldet, unter normalen Bedingungen wäre es weniger spektakulär zugegangen.

Wie kommt es zu der Langweile?

Teilweise tragen die Strecken selbst dazu bei, dass keine große Spannung aufkommt - gerade die Großen Preise von Barcelona und Monaco waren deshalb schon oft Garanten für gepflegte Langeweile.

Auch die Reifen sehen einige als Problem - darunter Nico Hülkenberg: "Mit diesen Reifen kannst du sehr oft nicht überholen. Kaum gibt man etwas Gas, überhitzen sie und fangen an zu rutschen", sagt der Renault-Pilot.

Der langjährige Technik- und Teamchef von Benetton, Ferrari und Mercedes, Ross Brawn, heute für die Formel 1 als sportlicher und technischer Vordenker tätig, glaubt: "Was wir in der Formel 1 brauchen, ist mehr Unwägbarkeit. Wir wollen spektakulären, unberechenbaren Sport, und das werden wir dann haben, wenn das Feld ausgeglichener ist."

Auch Brawn zog wie Vettel einen Vergleich zum Fußball: "Klar dominieren in der Regel auch im Fußball die besten Mannschaften in ihrer Meisterschaft. Aber es muss Raum für Märchen bleiben. Wie Leicester als englischer Fußball-Champion 2016." Die nächste Ära der Formel 1 müsse so etwas möglich machen.

Spitzenteams sind zu nah beieinander

Seit Jahren wird auch über die aktuelle Aerodynamik der Autos diskutiert, die das Heranfahren an einen Gegner fast unmöglich macht. Bereits beschlossene Regeländerungen für 2019 sollen in Zukunft zumindest teilweise Abhilfe schaffen.

Laut einigen Aerodynamik- und Strategie-Spezialisten verschärft die Tatsache, dass die Spitzenteams Mercedes, Ferrari und Red Bull in diesem Jahr sehr eng zusammenliegen, das Problem zusätzlich. "Bei so geringen Unterschieden wird das Überholen natürlich erst recht unmöglich", gab etwa Mercedes-Chefstratege James Vowles in Kanada zu bedenken.

Auch zuletzt in Paul Ricard zeigte sich: Überholen unter den Top-Autos - das klappt nur unter besonderen Umständen. Etwa, als Daniel Ricciardo mit frischen Reifen an Vettel vorbeiging, der auf 40 Runden altem Gummi unterwegs war. Anschließend wurde der Australier selbst von Kimi Räikkönen geschnappt - aber erst, als er mit einem beschädigten Frontflügel unterwegs war.

War früher alles besser?

"Da wird die Vergangenheit verklärt", hält der ehemalige Schweizer Formel-1-Pilot Marc Surer den Schwärmern von der "guten alten Zeit" entgegen: "Die Wahrheit ist, dass damals noch viel mehr Rennen wesentlich langweiliger waren als heute."

Die Formel 1 habe früher nur nicht so sehr im Blickpunkt von Mainstream-Medien und Eventpublikum gestanden, sondern mehr von eingefleischten Fans gelebt, "die eben auch mal dröge Rennen angeschaut und akzeptiert haben".

Das scheint heute nicht mehr der Fall zu sein.