Formel-1-Testbilanz Rückkehr der Rivalen
F1-Tests in Valencia: Schumacher und Alonso im Duell
Die Bilanz liest sich eindeutig: An drei Tagen testeten Ferrari und Mercedes GP neben einigen anderen Teams im spanischen Valencia ihre neuen Formel-1-Autos. Dreimal fuhr Ferrari die Tagesbestzeiten ein. Zweimal war Felipe Massa am schnellsten und zeigte, dass er nach seiner schweren Verletzung wieder renntauglich ist. Am letzten Tag holte Massas Ferrari-Kollege Fernando Alonso in 1:11,470 Minuten die Bestzeit. Schumacher fuhr dabei die drittschnellste Rundenzeit, landete knapp eine Sekunde hinter Alonso.
"Ich gehe davon aus, dass wir nicht unbedingt gleich die ersten Rennen gewinnen können und es ist möglich, dass wir ein bisschen Zeit dafür brauchen", sagte Michael Schumacher, nachdem ihn ein Hydraulikschaden gezwungen hatte, seinen Wagen vorzeitig stehen zu lassen. Bis dahin hatte er am letzten Testtag 82 Runden absolviert, 45 weniger als Ferrari-Fahrer Fernando Alonso auf der gleichen Strecke. Doch aus dem deutlichen Ergebnis zugunsten Ferraris sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.
Zum einen weiß niemand, wie viel Benzin die Fahrer zum Zeitpunkt ihrer Bestzeiten in den Tanks hatten. Zum anderen will die Designabteilung von Mercedes den Wagen in den kommenden Wochen noch deutlich verändern, um zum Saisonstart in Bahrain am 14. März das bestmögliche Auto zu präsentieren.
"Ich würde denken, dass wir etwas im Hintertreffen sind"
Die zurückhaltenden Äußerungen Schumachers nach den Tests, "es ist schwer zu sagen, ob wir schon ein Siegerauto haben, ich würde denken, dass wir etwas im Hintertreffen sind", sollten ebenfalls mit Vorsicht genossen werden. Sie könnten strategisch sein, um den Druck von seinem Team zu nehmen. Denn wer erwartet nicht, dass die Kombination überlegenes Siegerauto 2009 plus Rekordweltmeister Erfolg versprechen muss?
Schumacher spielt die Erwartungen bewusst herunter: "Wichtig ist, dass man ein Auto hat, mit dem man erstmal fahren und die Zuverlässigkeit aussortieren kann." Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug übte sich in Understatement und schob Ferrari nach den ersten Tests die Favoritenrolle zu: "Ferrari ist die Norm. Wir tun sicher gut daran, den immensen Erwartungen an unser neues Team einen realistischen Rahmen zu geben. Niemand soll erwarten, dass die neuen Mercedes-Silberpfeile ab sofort ein Siegesabonnement in der Formel 1 haben."
"Wir werden bestimmt an der Spitze sein"
Doch egal, wie der momentane Status ist und was die Beteiligten von sich geben, am Selbstverständnis von Mercedes dürfte es keine Zweifel geben: Das Team und Schumacher wollen den Titel, alles andere wäre eine Enttäuschung - für beide Seiten. Zweifel an der Zurückhaltung von Mercedes nährt eine Aussage von Rosberg: "Nächste Woche in Jerez wird sich der Schleier weiter lüften und man bekommt ein präziseres Bild. Wir werden bestimmt an der Spitze sein", sagte Rosberg formula1.com. Er habe das eindeutige Gefühl, dass der MGP W01 (die offizielle Bezeichnung des neuen Mercedes, d. Red.) gut gelungen sei.
Doch Schumacher wird es schwer haben gegen die rote Konkurrenz. Ferrari hatte schon im Juni des vergangenen Jahres durchblicken lassen, dass sie der aktuellen Saison nach nur einem Podestplatz aus acht Rennen keine große Bedeutung mehr beimessen würden. Alle Konzentration galt fortan der Entwicklung eines konkurrenzfähigen Autos für die Saison 2010. Auch dieser lange Vorbereitungszeitraum wird sich auf die vorläufigen Testergebnissen von Valencia ausgewirkt haben.
Ob Ferrari derzeit Mercedes GP überlegen ist, darüber kann nur spekuliert werden. Allerdings haben die Tests positive Aufschlüsse über Mercedes gegeben: Zunächst einmal, dass Schumacher trotz seiner über dreijährigen Rennabstinenz mithalten kann und keine gesundheitlichen Probleme hat. "Michael kann sich wieder auf das Fahren konzentrieren, sein Nacken bereitet ihm keine Probleme", so sein Arzt Johannes Peil. Er bewegte sich bei den Tests mit seinen Zeiten meist im Mittelfeld, war zudem schneller als sein Teamkollege Nico Rosberg.
Deutliches Signal vor der anstehenden Titeljagd
Der zweite Aufschluss: Die Saison 2010 wird das alte Duell Alonso gegen Schumacher wieder aufleben lassen. In den vergangenen beiden Saisons seiner aktiven Karriere landete Schumacher zweimal hinter Alonso, der 2010 nach seinen unbefriedigenden Jahren bei Renault nun mit Ferrari wieder angreifen will. Und Alonso hat noch eine andere Motivation, Schumacher im Mercedes zu schlagen. Die Trennung im Jahr 2007 von Alonso und dem damaligen Rennstall McLaren Mercedes wurde von allerhand Nebengeräuschen begleitet.
Alonso hatte seiner Meinung nach zu wenig Wertschätzung erfahren, bei Mercedes waren sie "am Ende an einem Punkt, an dem keiner von uns mehr einen Weg nach vorn gefunden hat", wie der damalige Teamchef Ron Dennis nach der Trennung erklärt hatte. Nun kann Alonso gleich doppelt zurückschlagen: Seinem alten Rivalen die Grenzen aufzeigen, und seinem ehemaligen Arbeitgeber beweisen, dass sie in ihm den besten Fahrer verloren haben.
In seiner Heimat hat er nun schon ein deutliches Signal vor der anstehenden Titeljagd gegeben.