Formel-1-Tests: Schumacher zweifelt noch - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Formel-1-Tests Schumacher zweifelt noch

Rekordchampion Michael Schumacher empfindet sich und sein Team derzeit als noch nicht reif für den WM-Titel in der Formel 1. Sein Mercedes macht bei Testfahrten Probleme. Dagegen scheint sein Teamkollege Nico Rosberg schon gut in Form zu sein.
Mercedes-Pilot Rosberg: Zufriedener als Teamkollege Schumacher
Mercedes-Pilot Rosberg: Zufriedener als Teamkollege Schumacher

Mercedes-Pilot Rosberg: Zufriedener als Teamkollege Schumacher

Foto: JOSEP LAGO/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Nico Rosberg hat am vorletzten Tag der Formel-1-Tests in Barcelona einen starken Eindruck hinterlassen. Der deutsche Mercedes-Pilot fuhr am Samstag die schnellste Zeit, Adrian Sutil (Force India) und Vize-Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) belegten unter elf Piloten nur die Plätze sieben und acht. Rekordweltmeister Michael Schumacher wird am Sonntag wieder ins Cockpit steigen. Zuvor hatte sich Schumacher unzufrieden mit dem Stand der Vorbereitung gezeigt.

15 Tage vor dem Saisonstart in Bahrain fuhr Rosberg gleich am Morgen eine gute Bestzeit. Als am Mittag der Regen einsetzte, konnte diese nicht mehr unterboten werden. Rosberg zeigte aber auch auf der nassen Strecke eine gute Leistung und gehörte beständig zu den schnellsten Piloten. Mit 128 Umläufen drehte Schumachers Kollege auch die meisten Runden.

Timo Glock erlebte im Virgin erneut einen frustrierenden Tag, konnte nur 31 Runden drehen und wurde Letzter im Klassement. "In den letzten zwei Tagen hat sich das Tuch ein bisschen gehoben, und ich denke, wir sind ganz gut dabei", sagte Vettel: "Der klare Favorit ist nach den Erkenntnissen hier Ferrari, aber ich hoffe, dass wir relativ bald aufschließen können."

Ferrari zeigt sich gut gerüstet

Rosberg war zufrieden. "Wir haben beim Setup signifikante Fortschritte gemacht. Wir hatten in den letzten Tagen noch nicht alles aus dem Auto herausgeholt, aber heute haben wir einen Schritt nach vorn gemacht. Es ist noch viel Raum für Verbesserungen, aber alles in allem sind wir in einer guten Verfassung", meinte der Mercedes-Pilot. Für Vettel war es am Samstag wie für Rosberg der letzte Testtag vor dem Saisonstart. Am Sonntag wird sein Teamkollege Mark Webber (Australien) testen dürfen.

Nach den bisherigen Testeindrücken zählt Ferrari zu den Favoriten für die kommende Saison. "Ferrari ist das Team, das man schlagen muss", sagt Christian Horner, Teamchef von Red Bull und Vorgesetzter Vettels. An allen Testtagen im Februar war Ferrari-Neuzugang Fernando Alonso vorn dabei - bei welchen Bedingungen auch immer. "Dieser Ferrari ist das beste Auto, das ich je gefahren bin", sagte der Spanier bereits: "Ob es das beste im Feld ist, werde ich erst in Bahrain wissen."

Hätte in Barcelona ein Rennen stattgefunden, hätte Alonso den gleichzeitig fahrenden Vettel geschlagen. Der Ferrari war im Schnitt drei Zehntel pro Runde schneller als der neue Red Bull. "Wir bleiben ein bisschen zu oft stehen", monierte zudem Vettels Teamkollege Mark Webber. "Nichts Gravierendes", sagte Teamchef Horner, "aber auch Kleinigkeiten können dich stoppen."

Schumacher hat noch Zweifel

Mercedes-Pilot Schumacher musste seinen "Dauerlauf" am Freitag auf dem Grand-Prix-Kurs nahe Barcelona wegen zahlreicher roter Flaggen und Schwierigkeiten an seinem Auto abbrechen. Ein Schaden am Ölkühler hielt den siebenfachen Weltmeister eine Stunde in der Boxengarage fest. "Im Moment läuft es bei uns noch nicht so, wie wir uns das gewünscht haben", lautete die Zwischenbilanz des Rekordweltmeisters.

Schumachers Einschätzung vom ersten Test in Valencia Anfang des Monats hat auch vier Wochen später Bestand. "Ich glaube nicht, dass wir gleich die ersten Rennen gewinnen", sagte der 41-Jährige - wohl wissend, dass Mercedes viel von ihm erwartet. Schumacher gab die Devise aus: "Unser Ziel ist es, in Bahrain nicht zu weit weg von den Besten zu sein. Doch die Saison ist lang. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht um die Meisterschaft mitkämpfen sollten." Laut Rosberg "fehlt nur noch das Feintuning".

McLaren-Mercedes hat Probleme

Ob das bei McLaren-Mercedes reicht, ist fraglich. Das innovativste Auto des 2010er Modelljahrgangs kam in Barcelona gar nicht in Fahrt. Ex-Weltmeister Lewis Hamilton wäre bei seinem simulierten Grand Prix von Alonso sogar überrundet worden. "Ich weiß nicht, ob ich ein Siegerauto habe", sagte der Engländer kleinlaut. "Für Bahrain erwarte ich nicht mehr viel Neues", erzählte er mit leiser Stimme.

Das Zeug für eine Überraschung beim Grand Prix vom 12. bis 14. März in Bahrain könnten Sauber, Toro Rosso und Williams haben. Die Favoriten sind jedenfalls nicht automatisch gesetzt. Der Papierform nach müssten Ferrari sowie Red Bull, McLaren und MercedesGP den WM-Titel unter sich ausmachen. Die Verfolger holen aber auf. "Das Feld liegt so eng zusammen wie im letzten Jahr. Die Tagesform wird entscheiden", sagte der neue Renault-Pilot Robert Kubica. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost schränkt ein: "Das gilt für die ersten paar Rennen. Dann setzen sich die großen Teams durch, weil sie mehr Geld, mehr Leute und die bessere Infrastruktur haben, ihre Autos weiterzuentwickeln."

aha/dpa/sid