Großer Preis von Ungarn: Doppelfehler bei Renault - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Großer Preis von Ungarn Doppelfehler bei Renault

Überraschende Aussetzer im Alonso-Team fördern die Aufholjagd von Kimi Räikkönen. Neben einem dreifachen Comeback liefert der Große Preis von Ungarn aber auch die Erkenntnis, dass McLaren-Mercedes den hartnäckigsten Gegner noch lange nicht bezwungen hat.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf dieses Rennen hat Räikkönen gewartet. Mindestens seit dem Großen Preis von Kanada vor sieben Wochen, als ihm das letzte Mal ein großer Sprung nach vorn gelang. Damals gewann der Finne, während WM-Spitzenreiter Fernando Alonso nach seinem bislang einzigen groben Schnitzer in 13 Rennen in der Leitplanke landete. Doch seitdem verlor Räikkönen trotz der überlegenen Schnelligkeit des McLaren-Mercedes Punkt um Punkt auf den langsameren, aber zuverlässigeren Renault des Spaniers.

Angesichts der Tatsache, dass der eher gediegene und kurvengespickte Kurs in Budapest als perfekte Strecke für die aerodynamisch überlegenen Renault gilt, erwarteten viele Experten und Fans zugleich eine Vorentscheidung im Kampf um den WM-Titel. Bei einem weiteren Sieg hätte Alonso wohl schon mehr als eine Magnum-Flasche Champagner köpfen dürfen, egal was Kimi Räikkönen angestellt hätte.

Fotostrecke

Großer Preis von Ungarn: Fliegende Kisten und ein Küsschen für Bernie

Foto: DPA

Doch dann geschah das angesichts des bisherigen Saisonverlaufs Unfassbare. Womit natürlich nicht das überragende Rennen von Kimi Räikkönen gemeint ist: Damit darf man immer rechnen, solange der Wagen hält und Teamkollege Juan-Pablo Montoya beim Start schon freundlich den Weg frei sperrt - so dass Räikkönen gleich auf Platz 2 vorstoßen konnte.

Härtefall Bereifung

Nein, die eigentliche Überraschung lieferten das Renault-Team und Alonso, indem sie sich gleich zweimal bös verspekulierten. Zunächst hatten Briatore & Co. offenbar auf zu harte Reifen gesetzt, so dass im Qualifying nur die enttäuschenden Plätze sechs und neun heraussprangen. Das wurmte wiederum Fernando Alonso anscheinend sehr - und prompt donnerte er beim Start etwas übermotiviert ins Heck von Ralf Schumacher. Der daraus resultierende Boxenstopp, die fehlenden Überholmöglichkeiten und die falschen Pneus sorgten dafür, dass Alonso nicht einmal mehr die Punkteränge erreichte, obwohl gerade mal 13 Autos ins Ziel gelangten, darunter die beiden völlig unterlegenen Jordan.

So rätselhaft dieser Doppelfehler statt des erwarteten Asses erscheint, so förderlich wirkt er für die Spannung in der Formel 1, zumal in drei Wochen mit dem Großen Preis der Türkei eine ganz neue Strecke auf dem Programm steht. Dann haben Alonso samt Team die Gelegenheit zu zeigen, dass sie als Gejagte auch unter erhöhtem Druck souverän bleiben können. Sie wären nicht die ersten, die an dieser Bürde scheitern.

Die plötzlich wieder eingekehrte Spannung im Duell zwischen Räikkönen und Alsonso überstrahlte ein wenig das dreifache deutsche Comeback in Budapest. Rückkehrer Nummer eins war Michael Schumacher, der zum ersten Mal in dieser Saison auf die Pole Position fuhr und trotz der offensichtlich einmal mehr rapide abbauenden Bridgestone-Weichgummis Platz zwei ins Ziel rettete. Noch viel überraschender ist aber der dritte Platz von Bruder Ralf, der aufs Treppchen fuhr, womit er bis auf zwei Punkte an seinen Rivalen Juan Pablo Montoya herangerückt ist.

Ralf und Michael Schumacher im Aufwärtstrend

Ralf Schumachers Aufwärtstrend sichert außerdem den vierten Platz von Toyota in der Konstrukteurswertung - obwohl Nick Heidfeld für den Verfolger BMW-Williams nach fünf trost- und punktlosen Rennen als Sechster ebenfalls ein Mini-Comeback feierte. Was umso mehr wiegt, da die technischen Ungereimtheiten beim wohl schon in Scheidung lebenden Rennstall noch lange nicht abgestellt werden konnten.

Der Kampf um die Konstrukteurs-WM verspricht ohnehin noch ein gutes Stück dramatischer zu verlaufen als die Fahrerwertung. Nach dem Großen Preis von Ungarn liegt McLaren-Mercedes gerade noch zwölf Punkte hinter Renault zurück. Und die glanzvolle Saison von Fernando Alonso verdeckt ein wenig, dass Teamkollege Giancarlo Fisichella mit bislang fünf Ausfällen und nur einem einzigen Podestplatz eine ziemlich miserable Serie fährt.

Für die Silberpfeile ist jetzt wieder alles drin. Sieht man allerdings den Ausfall von Juan Pablo Montoya wegen des üblichen Defekts - entweder an der Antriebswelle oder am Getriebe, darüber hatte man bei McLaren-Mercedes noch nicht entschieden -, dann keimt eine böse Ahnung von Neuem auf: Der ärgste Gegner der Silbernen - bleiben sie selbst.