Qualifying: Der Formel 1 droht ein Machtkampf - DER SPIEGEL
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Qualifying in der Formel 1 Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden

Der neue Qualifying-Modus soll nun doch mindestens noch ein Rennen erprobt werden. Das hat die Formel-1-Kommission beschlossen. Es droht ein Machtkampf mit den Fahrern - der weitere Zuschauer kosten könnte.
Formel-1-Boliden warten in der Boxengasse
Formel-1-Boliden warten in der Boxengasse

Formel-1-Boliden warten in der Boxengasse

Foto: Mark Thompson/ Getty Images
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Am 3. April wird in Bahrain das zweite Rennen der Formel-1-Saison  gefahren. Wer dann von der Poleposition starten darf, wird am Tag zuvor in der Qualifikation entschieden. Ob es aber tatsächlich zu einer sportlichen Ausscheidung kommen wird, ist nach den neuen Entwicklungen ungewiss.

Die Formel-1-Kommission - bestehend aus den elf Teams, dem Weltverband Fia, den Motorenherstellern, einigen Rennstreckenbetreibern, dem Rechteinhaber CVC, Reifenhersteller Pirelli und Sponsoren - hat beschlossen, vorerst beim neu eingeführten Qualifying zu bleiben. Dabei handelt es sich um einen in drei Phasen aufgeteilten K.-o.-Modus, in dem alle 90 Sekunden ein Fahrer ausscheidet. Was Spannung garantieren sollte, sorgte für ein frühzeitiges Ende - offiziell, um Reifen zu schonen.

Mit der Beibehaltung des neuen Modus stellen sich die Regelhüter gegen die massive Kritik aus dem Fahrerlager, auch viele Teamchefs hatten sich nach dem missglückten Debüt beim Großen Preis von Australien für eine Rückkehr zum System der vergangenen Jahre ausgesprochen. Die erneute Rolle rückwärts wurde auch von vielen Formel-1-Experten kritisch kommentiert.

Die Kommission hätte die Rückkehr einstimmig beschließen müssen, dafür scheint der Einfluss der Teamchefs nicht ausreichend zu sein. Promoter Bernie Ecclestone hatte bereits zu Beginn des Tages eine zuvor als sicher geltende Einigung in Frage gestellt. "Die Teams diskutieren darüber, aber die Einstimmigkeit für einen Schritt zurück ist nicht da", hatte er der "Gazzetta dello Sport" gesagt. "Wenn ich Ihnen in diesem Moment eine Meinung sagen müsste, würde ich sagen, dass es so weitergeht wie in Australien."

Ecclestones Macht in der Formel 1 sinkt, aber der 85-Jährige hat immer noch genügend Einfluss, um Regeländerungen zu verhindern. Damit droht allerdings ein Machtkampf mit den Fahrern. Angeführt vom vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel hatten sich die meisten Piloten schon in Australien kritisch geäußert. "Ich weiß nicht, warum alle so überrascht sind", sagte Vettel. "Wir haben gesagt, dass es so kommt, dass das Format nicht funktioniert."

Offener Brief als Kampfansage

Am Mittwoch gingen die Fahrer dann noch einen Schritt weiter und formulierten einen offenen Brief an die Besitzer und Verantwortlichen der Formel 1. "Die Fahrer sind zu dem Schluss gekommen, dass der Entscheidungsprozess in dem Sport veraltet und schlecht strukturiert ist, so dass Fortschritte verhindert werden", schrieben die drei Direktoren der Gewerkschaft der Piloten (GPDA), Vettel, Jenson Button und Alexander Wurz. Einige Regeländerungen hätten "zerstörerischen Einfluss auf die Formel 1", hieß es weiter.

Damit war auch das neue Qualifying gemeint, das nun in Bahrain eine zweite Chance bekommt. "Danach werden wir uns in Ruhe anschauen, ob es das Richtige oder das Falsche war", sagte Ecclestone dem britischen Magazin "Autosport" nach der Entscheidung der Kommission. Im Laufe des Tages hatten sich auch Gerüchte verbreitet, es könne beim zweiten Saisonrennen eine Hybridlösung mit neuen Regeln in den ersten beiden Qualifikationsphasen und dem alten Modus in der dritten Phase geben. Das wurde anscheinend verworfen, aber nach den Erfahrungen aus Australien droht die nächste Farce.

Denn Fahrer und Teams sitzen bei der Umsetzung am längeren Hebel. Niemand kann die Piloten hindern, am Qualifikationssamstag in Bahrain ihre Rennwagen nach einer erfolgreichen Runde abzustellen und somit für eine ähnlich leere Strecke wie in Melbourne zu sorgen.

Ein solches Bild dürfte auch Ecclestone und seinen Mitstreitern nicht gefallen. Und der Machtkampf ginge in die nächste Runde.

Formel-1-Saison 2016

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