Bundesliga: Comeback der Kellerkinder
Krisenclubs in der Liga Lebenszeichen aus dem Keller
Hamburg - So sieht Befreiung aus: Hoffenheims Trainer Markus Babbel saß auf der Bank, den Oberkörper weit nach vorne geneigt, die Arme zum Jubel angewinkelt. Als klar war, dass die TSG ihr Heimspiel gegen Hannover gewinnen würde, wich die Anspannung aus dem Gesicht des 40-Jährigen. Zwei Plätze neben ihm war der neue Manager Andreas Müller schon längst vor Freude vom Sitz gesprungen.
3:1 siegte Hoffenheim am Ende, es war der erste Erfolg für den Club in der laufenden Saison. Die Negativserie von zuletzt sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Folge ist beendet. "Dass die Jungs Charakter haben, wusste ich schon vorher", sagte Coach Babbel: "Kompliment an sie, dass sie nie aufgegeben haben. Diesmal haben wir zugepackt."
Hoffenheim gab dank des Sieges die Rote Laterne des Tabellenletzten an Augsburg ab. Zur Freude von Torschütze Fabian Johnson: "Es ist für uns alle eine riesen Erleichterung, dass wir den ersten Dreier eingefahren haben. Das war heute unser Spiel, wir waren in allen Belangen überlegen."
"Die Mannschaft hat sich zurückgefightet"
Dabei hatte das Spiel denkbar schlecht begonnen: Abwehrspieler Matthieu Delpierre verlängerte eine Flanke von Hannovers Konstantin Rausch per Kopf ins eigene Tor - bei einem Team, das tief im Tabellenkeller steht, kann so ein Patzer schnell zum Kollaps führen.
Doch Hoffenheim kam zurück, so schnell, dass die 1899-Profis gar nicht erst ins Grübeln kommen konnten. Lediglich 70 Sekunden nach dem Rückstand drang Johnson über die linke Seite in den Strafraum ein und erzielte den Ausgleich. "Die Mannschaft hat sich zurückgefightet, das hat mir am meisten imponiert", sagte der neue Hoffenheim-Manager Müller.
Für Babbel war der Sieg in doppelter Hinsicht entlastend. Mit nun drei Punkten auf dem Konto und dem Sprung weg vom Tabellenende dürfte auch sein Job wieder etwas sicherer sein. Manager Müller lobte die "wunderbare Arbeit" des Trainerstabs. Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus hatte schon vorher in der Stadionzeitung verkündet: "Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass sich mit der entsprechenden Ruhe die Erfolge einstellen werden."
Stuttgart erkämpft Remis in Bremen nach Zwei-Tore-Rückstand
Nicht nur Hoffenheim, auch andere Teams standen vor dem 4. Bundesliga-Spieltag unter Druck - und feierten Befreiungsschläge: Der Hamburger SV, vor dem Anpfiff am Samstag Tabellen-17. und noch ohne jeden Punkt bezwang Meister Dortmund 3:2. Mainz (vor dem Spieltag 14. mit nur einem Punkt) setzte sich mit dem wichtigen 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg etwas vom Tabellenende ab.
Mit dem VfB Stuttgart wäre am Sonntag fast einem weiteren Verlierer des Saisonstarts ein starkes Comeback gelungen. Mit zwei Toren lag der Club gegen Bremen bereits zur Halbzeit zurück, Werders Kevin de Bruyne und Zlatko Junuzovic hatten getroffen. Doch der VfB kämpfte sich wieder heran. Fünf Minuten nach Wiederbeginn gelang dem ehemaligen Bremer Martin Harnik der Anschlusstreffer. Nationalangreifer Cacau traf zum Ausgleich.
"Wir haben bis zuletzt an den Erfolg geglaubt, sogar an den Sieg. Das Unentschieden ist ein kleiner Schritt nach vorn", sagte Torschütze Cacau. Der ganz große Erfolg blieb zwar aus, dennoch war VfB-Torhüter Sven Ulreich von der Moral seines Teams beeindruckt: "Wir haben uns in der zweiten Halbzeit klar gesteigert und am Ende verdient einen Punkt mitgenommen."
Doch bei aller Freude: Es sind gerade einmal vier Spieltage absolviert. Wo nun gejubelt wird - in Hamburg, Mainz und Hoffenheim - kann es in wenigen Tagen schon wieder düster aussehen: In der englischen Woche tritt der HSV bei Borussia Mönchengladbach an, Mainz muss auf Schalke ran. Es gibt angenehmere Aufgaben.
Die brisanteste Partie findet jedoch in Stuttgart statt: Der VfB empfängt am Mittwoch (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) Hoffenheim. "Ganz wichtig wird sein, dass wir unser Heimspiel gewinnen", sagte Torschütze Cacau nach der Partie in Bremen. Das Problem: Die Hoffenheimer haben das gleiche Ziel.