Australiens WM-Trainer: Käpt'n Teamgeist - DER SPIEGEL
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WM-Gegner Australien: Mit Team Spirit zum Erfolg

Foto: Jon Hrusa/ dpa

Australiens WM-Trainer Käpt'n Teamgeist

Australien hat keine großen Spieler, der Trainingsplatz in Südafrika ist in einem miserablen Zustand - und der Coach ein risikoscheuer Sicherheitsfanatiker. Doch über allem steht ein extrem ausgeprägtes Mannschaftsgefühl - deshalb kann das Team von Trainer Pim Verbeek der DFB-Elf gefährlich werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vor ein paar Jahren hat Pim Verbeek schon einmal tiefe Einblicke in den deutschen Fußball bekommen. 2005 war er seinem damaligen Chef Dick Advocaat in die Bundesliga gefolgt, um Borussia Mönchengladbach glänzenden Zeiten entgegenzuführen.

Es war die vermutlich erfolgloseste Zeit, die je ein niederländischer Trainer in der Bundesliga zu verzeichnen hatte. Nach einem guten halben Jahr trennte man sich von Advocaat und seinem Assistenten wieder.

Heute ist Verbeek Trainer der australischen Nationalmannschaft, und am Sonntag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) könnte er für den nächsten Katzenjammer im deutschen Fußball sorgen. Man werde nach Durban fliegen, um ein "großes Spiel gegen die Deutschen zu machen", hat er angekündigt. Verbeek hat dafür nicht die Männer zur Verfügung, aber er hat die Mannschaft dafür. Team Spirit scheint wieder ein australischer Ausdruck zu sein.

Mannschaft ist die von 2006

Wer mit holländisch geprägtem Fußball rauschende Feste verbindet, Offensivgeist, technischen Schnickschnack, der hat noch kein von Verbeek betreutes Team spielen sehen. Hier gilt Safety first. Vor der Abwehr werden Mauern hochgezogen, Risikobereitschaft gibt es in der Vorstellungswelt Verbeeks nicht. Wenn es am Sonntag ins WM-Turnier geht, wird er wahrscheinlich zehn Spieler aufs Feld schicken, die schon bei der WM vor vier Jahren beim ersten Spiel in der Startelf standen. Der Elfte, Tim Cahill, wurde damals eingewechselt. Der Jüngste in der wahrscheinlichen Startformation ist Verteidiger Luke Wilkshire. Er ist 28 Jahre alt. Weniger Experiment ist nicht denkbar.

Verbeek ist als Trainer nicht der Anti-Holländer, aber er ist der Anti-Amsterdamer.

Der Trainer ist in Rotterdam geboren, ein Kind des Feyenoord-Denkens. Während beim Erzrivalen Ajax Amsterdam Sturm und Drang Ideologie waren und sind, besteht die Rotterdamer Schule aus Sicherheit, Pragmatismus, Ergebnisfußball. Es ist kein Zufall, dass auch der derzeitige Trainer der holländischen Nationalelf, Bert van Marwijk, aus diesem Dunstkreis kommt. Auch einer, dem bei aller spielerischen Klasse von Oranje Nüchternheit und Effizienz über alles gehen. Van Marwijk und Verbeek haben vor vielen Jahren beim niederländischen Provinzclub Fortuna Sittard zusammengearbeitet. Man darf davon ausgehen, dass sie sich gut verstanden haben.

Keine Spieler aus der Feinkostabteilung

Im australischen Team hat Verbeek geradezu ideale Voraussetzungen gefunden, um seine Vorstellungen umzusetzen. Das sind nicht die Jungs aus der Feinkostabteilung des internationalen Fußballs, auch wenn Spieler wie Cahill oder Harry Kewell bei europäischen Spitzenclubs wie Liverpool oder Galatasaray Istanbul über Jahre Leistung gebracht haben. Aber Stammspieler wie Kapitän Lucas Neill, Brett Emerton oder Vince Grella sind gestandene solide Profis. Sie tun ihren Job, taktisch intelligent, technisch begrenzt, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Da gibt es kein Schaulaufen, keinen Hackentrick zu viel.

Stattdessen steht man geordnet in der Defensive, baut vorne auf die kreativen Momente von Cahill und Kewell und die eine oder andere Standardsituation. Diese Australier würden niemals Hals über Kopf in einen Konter der Gegenmannschaft laufen. Nüchtern haben sie ihre WM-Qualifikation erledigt, die sie erstmals gegen asiatische Gegner führte: 1:0 in Usbekistan, 2:1 gegen Japan, 1:0 in Bahrain, 1:0 gegen den Irak, 0:0 in China. Das reichte.

Es ist ein Team wie gecastet für das Spielkonzept von Pim Verbeek.

In der Vorbereitung ist manches daneben gegangen. Die Testspiele verliefen mäßig erfolgreich, zuletzt unterlag man den USA mit 1:3. Einige Schlüsselspieler wie Kewell und Emerton schleppten sich mit Malessen durch diese Vor-WM-Wochen. Der Trainingsplatz war in einem so miserablen Zustand, dass die Australier mehrfach umziehen mussten, um ihre Übungseinheiten durchziehen zu können. Dazu kommt die tragische Geschichte von Ersatztorwart Bradley Jones, dessen Kind an Leukämie erkrankt ist. Der Keeper ist bereits wieder in die Heimat abgereist.

All das macht Australien nur stärker.

Das Team verfügt über eine Qualität: Es ist getragen von einem tief verwurzelten Mannschaftsgefühl und dem Wissen, fehlende individuelle Klasse nur durch gemeinsamen Einsatz kompensieren zu können. Die australische Nationalmannschaft ist im guten Sinne ein Kollektiv, und das macht das Spiel am Sonntag für die Elf von Bundestrainer Joachim Löw so gefährlich.

Verbeek hat in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" gesagt: "Wir haben sicherlich nicht die besten Spieler. Aber australische Spieler lieben es, sich Herausforderungen zu stellen. Sie wachsen daran." Es ist das Wort zum Sonntag.

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