Bayerns Erfolgstrainer: General van Gaal greift durch - DER SPIEGEL
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Louis van Gaal: Bayerns Dominator

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Bayerns Erfolgstrainer General van Gaal greift durch

Louis van Gaal hat Phantastisches geschafft: Bayern München spielt wieder auf europäischem Spitzenniveau. Der Trainer ist schroff, arrogant, ehrgeizig und ein brillanter Taktiker, der auch die Entmachtung hochbezahlter Stars nicht scheut. Erfolgsbilanz eines Besessenen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der 27. April ist ein schwarzer Tag in der Geschichte des FC Bayern München. Seit Wochen ist die Stimmung schlecht, die hochbezahlten Profis spielen unter ihren Möglichkeiten, der zu Saisonbeginn mit größten Hoffnungen verpflichtete Coach wirkt zusehends hilflos. Am 27. April 2009 reagiert die Führungsetage des Rekordmeisters und trennt sich von Trainer Jürgen Klinsmann.

Der 27. April ist ein großer Tag in der Geschichte des FC Bayern München. So unerschütterlich, so organisiert, so erwachsen hat man das Team lange nicht gesehen wie an diesem Champions-League-Abend in Lyon - auf den Tag ein Jahr nach dem Aus für Jürgen Klinsmann.

Louis van Gaal

Der FC Bayern München hat sich als europäische Größe im Fußball zurückgemeldet. Ein Triumph. Und der Triumphator heißt .

Der 58-Jährige hat fertiggebracht, was niemand den Münchnern in dieser Spielzeit zugetraut und woran selbst der Vorstand des Vereins nicht mehr recht geglaubt hat. Zu oft hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß in den vergangenen Jahren darauf hingewiesen, dass es im europäischen Spitzenfußball eine finanzielle Schieflage gebe - so dass der FC Bayern mit den Clubs aus England und Spanien, die unabhängig vom Schuldenstand Abermillionen in neue Spieler investieren, gar nicht mithalten könne.

Nach dem Sieg in Lyon zeigt sich: Der FCB kann es doch. Es musste nur der passende Coach kommen.

Das Gegenteil eines Sonnenscheins

Der Club brauchte offensichtlich genau so einen Trainertypen, um sein Potential derart auszuschöpfen, wie es an diesem Halbfinalabend geschehen ist. Van Gaal mag ein bisschen verschroben sein, er ist von sich selbst in einer Form überzeugt, dass es fast wehtut, er kann nicht mit Journalisten. Er ist beileibe keiner, der sich bemüht, dass ihm die Sympathien zufliegen, er kann unangenehm schroff sein, er hat einen Humor, den nur er allein versteht. Aber er ist die perfekte Lösung für Bayern München.

Van Gaal hat bei seiner allerersten Pressekonferenz davon gesprochen, der Verein verkörpere "Dominanz und Arroganz", deswegen sei es auch so eine stimmige Verbindung zwischen Verein und Trainer. Zwischendurch in den trüben Münchner Herbsttagen, als die Bayern in der Champions League vor dem frühen Ausscheiden standen und in der Bundesliga bei Mainz 05 verloren, schien das alles leeres Wortgeklingel eines starrsinnigen Niederländers zu sein, der keinen Draht zu Mannschaft und Umfeld findet. Der Boulevard sprach vom Trainer-Missverständnis van Gaal und davon, dass der Coach Weihnachten nicht mehr in München erleben wird. Es ist angebracht, in diesen Tagen der Bayern-Euphorie daran zu erinnern.

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Champions League: Olic als König von Lyon

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Ein paar Monate später kann der Trainer sich nun hinstellen und den FC Barcelona, das Maß aller Dinge im europäischen Fußball, als Vorbild für das heutige Bayern-Team hinstellen, ohne sich damit komplett lächerlich zu machen. Vor einem Jahr, als Klinsmanns Team in der Champions League von Messi und Co erniedrigt wurde, war Barcelona Lichtjahre von den Bayern entfernt. Wer jetzt behauptet, München könne die Katalanen in einem möglichen Endspiel am 22. Mai sogar schlagen, erntet fröhliche Zustimmung, statt sich auf seinen Geisteszustand überprüfen lassen zu müssen.

Ein Team nach dem Bilde des Trainers

"Wir hatten von Anfang der Saison an die Idee unseres Spiels im Kopf, nur die Umsetzung fehlte zunächst noch", sagt Mark van Bommel, der als Mannschaftskapitän und Landsmann des Trainers so etwas wie die Stimme seines Herrn bei den Bayern ist. Möglicherweise hat van Gaal nicht von Beginn an einen bis ins Letzte ausgearbeiteten Plan parat gehabt, er hat aber beeindruckendes Improvisationstalent bewiesen.

Van Gaal hat das Team nach seinem Bilde geformt und hat dabei viel riskiert. Er hat jungen, unbekannten Spielern das Vertrauen geschenkt. Thomas Müller und Holger Badstuber haben das längst zurückgezahlt, sind Leistungsträger und aus der Stammelf nicht wegzudenken. Er hat auf dem Weg zu seiner Wunschmannschaft mit Luca Toni, Miroslav Klose und Mario Gomez drei hochkarätige Mittelstürmer mehr oder weniger aussortiert. Toni wurde gar weggemobbt, der deutsche WM-Sturm Klose und Gomez sitzt auf der Bank. Van Gaal verzichtet damit auf drei Spieler, die den Verein zusammen eine Ablösesumme von 63 Millionen Euro gekostet haben. Welch Chuzpe.

Sein Meisterstück ist jedoch: Van Gaal hat die Mannschaft von Mittelfeldstar Franck Ribéry emanzipiert. Zuweilen hatte man zuvor den Eindruck, das gesamte Seelenheil des Vereins hänge davon ab, ob Ribéry bei Bayern bleibt oder nicht. Der Franzose hat diesen Trumpf regelmäßig ausgespielt, hat über seine Berater eine entsprechende Interviewpolitik betrieben, um seinen Marktwert in die Höhe zu treiben.

Ribéry saß fernab der Mannschaft

Van Gaal hat sich das nicht lange angeschaut. Er hat gehandelt und die tragende Achse im Team verlagert. Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger sind jetzt diejenigen, die den Spielrhythmus vorgeben. Den Rest erledigt Arjen Robben.

Wenn Ribéry spielt, ist er immer noch ein Gewinn fürs Team, dazu bringt er zu viel Qualität mit. Wenn der Franzose allerdings nicht spielt, was in dieser Saison aus unterschiedlichen Gründen regelmäßig der Fall war, fällt das mittlerweile nicht mehr maßgeblich ins Gewicht.

Während sich die Mannschaft in Lyon nach dem Abpfiff selbst gefeiert hat, saß Ribéry bezeichnenderweise fernab in München und wartete auf das Urteil der Uefa, die am Mittwoch das Strafmaß von drei Spielen Sperre nach dem Platzverweis aus dem Halbfinalhinspiel festlegte.

Ein bis vor kurzem undenkbares Szenario: Ribéry fehlt im Endspiel und wird nicht vermisst.

Louis van Gaal zitiert auf Pressekonferenzen gerne aus dem reichen Fundus niederländischer Redewendungen. Vor Wochen hat er den Satz geprägt, der Verein stehe vor der Wahl: "Gladiolen oder Tod" - was ungefähr so viel heißt, der Club stehe am Scheideweg, ganz viel zu gewinnen oder alles zu verlieren.

Van Gaal scheint den FC Bayern München ins Land der Gladiolen zu führen.