Bundesliga-Abstiegskampf: Triumph oder Tränen - DER SPIEGEL
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Mission Klassenerhalt: Drei Teams zwischen zittern und hoffen

Foto: Bongarts/Getty Images

Bundesliga-Abstiegskampf Triumph oder Tränen

Dramatik im Tabellenkeller: Am letzten Spieltag kämpfen Wolfsburg, Mönchengladbach und Frankfurt um den Klassenerhalt. Nur ein Club wird sich definitiv retten können. Wolfsburg hat zwar die beste Ausgangslage, dennoch ist Gladbach im Vorteil. Für die Eintracht spricht nichts.
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Die Frage an Christoph Daum war kurz und provokant. Ob er auch im Falle eines Abstiegs mit in die zweite Liga gehen werde, wurde der Trainer von Eintracht Frankfurt gefragt. Daum lächelte kurz. "Ich verschwende keine Sekunde einen Gedanken daran, dass wir es nicht schaffen", antwortete er gewohnt selbstsicher.

Das war Ende März bei Daums Vorstellung als neuer Eintracht-Coach. Damals war seine Mannschaft mit 32 Punkten Tabellen-13., lag vier Punkte vor einem Abstiegsplatz. Sieben Wochen und sechs Spiele später steht Frankfurt vor dem vierten Bundesliga-Abstieg nach 1996, 2002 und 2004.

Dortmund, Hamburg und Sinsheim: An diesen drei Orten entscheidet sich am 34. und letzten Bundesliga-Spieltag, wer Absteiger FC St. Pauli in die zweite Liga begleiten wird, wer wegen der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten noch auf den Klassenerhalt hoffen darf und wer über den Verbleib im Oberhaus jubeln kann. Frankfurt (34 Punkte), Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg (jeweils 35) müssen noch zittern.

Die beste Ausgangsposition aller drei Abstiegskandidaten hat Wolfsburg - zumindest tabellarisch. Gelingt der Mannschaft von Trainer Felix Magath in Sinsheim bei 1899 Hoffenheim ein Sieg, bleibt sie aufgrund der mit Abstand besten Tordifferenz erstklassig und muss nicht auf die Konkurrenz aus Mönchengladbach (beim Hamburger SV) und Frankfurt (bei Borussia Dortmund) schauen. Dass die Saison für Hoffenheim gelaufen ist, dürfte nicht unbedingt ein Vorteil für den VfL sein. Schließlich bewies 1899 am vergangenen Spieltag beim 2:1-Sieg in Nürnberg, dass sie nicht gewillt ist, ihre Partien herzuschenken.

Wolfsburg hat kaum Erfahrung im Abstiegskampf

Wolfsburgs Problem: Das Team besitzt kaum Erfahrung im Abstiegskampf. Vor der Saison war ein Spitzenplatz das Ziel. Spätestens nach dem 23. Spieltag, als der VfL in Freiburg verloren und damit die vierte Pleite in Folge kassiert hatte, war zwar den Verantwortlichen klar, dass es nur noch darum gehen würde, die Klasse zu halten - den Spielern offenbar aber immer noch nicht. Von den zehn Partien nach der Freiburg-Niederlage gewann der VfL nur drei.

Einer dieser drei Siege war der 2:1-Erfolg gegen Mönchengladbach vor eigenem Publikum. Damals, nach dem 24. Spieltag, schien die Borussia als Tabellenletzter mit sechs Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz kaum noch zu retten sein. Neun Partien und fünf Siege später träumen die Gladbacher Fans plötzlich wieder vom Klassenerhalt.

Ihr Club liegt gleichauf mit Wolfsburg (jeweils 35 Punkte) und einen Punkt besser als Frankfurt. Das bedeutet: Gewinnt Mönchengladbach in Hamburg, hat das Team zumindest den Relegationsplatz sicher und wäre im Falle eines Erfolgs als 15. gerettet, wenn der VfL in Hoffenheim nicht gewinnt. Spielt die Borussia beim HSV remis oder verliert gar, muss sie zittern und auf den Misserfolg der Konkurrenten hoffen.

Was für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre im Dreikampf um den Klassenerhalt spricht: Sie hat den psychologischen Vorteil auf ihrer Seite. Gegen Dortmund, Hannover und Freiburg gelangen zuletzt drei Siege in Folge, allesamt ohne Gegentor (1:0/1:0/2:0). Das zeugt von der Nervenstärke des Teams, dem frühzeitig klar war, dass es nur um den Klassenerhalt geht.

Nach einer katastrophalen Hinrunde mit lediglich zehn Punkten gelang Gladbach im neuen Jahr ein nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback. 25 Punkte bedeuten Platz acht in der Rückrundentabelle. Zudem ist bei den zuletzt mehrfach lethargisch spielenden Hamburgern ein Sieg realistisch. Der HSV ist froh, wenn diese verkorkste, von Negativ-Schlagzeilen begleitete Saison endlich vorbei ist.

Die Eintracht-Katastrophe

Für Frankfurt war die Rückrunde eine einzige Katastrophe. Nach der Hinserie mit 26 Punkten und Platz sieben träumten sie bei der Eintracht schon vom Europapokal. Jetzt geht die Angst um, die Fans rasten aus, der Trainer wirkt ratlos. Dessen Verbleib nach dem möglichen Abstieg ist anders als in Gladbach offen, dort heißt in der kommenden Saison der Trainer Favre, unabhängig von der Liga.

Ganze acht Punkte und nur einen Sieg holte Frankfurt in der Rückrunde, die Mannschaft erzielte dabei sechs Tore. Der Trainerwechsel von Michael Skibbe zu Christoph Daum hatte keinen Effekt, unter dem neuen Coach gelang noch kein einziger Sieg.

In Dortmund, ausgerechnet dort, aber muss der zweite Erfolg 2011 her, andernfalls wäre Frankfurt wohl zum vierten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Bei einer Niederlage müsste der Club in jedem Fall in die zweite Liga, bei einem Remis, wenn auch Gladbach punktet. Und selbst ein Sieg könnte für die Eintracht zu wenig sein, wenn auch die beiden Konkurrenten gewinnen.

Die Tabellenkonstellation, die Rückrundenbilanz, die Sieglos-Serie von sechs Spielen: Statistisch spricht alles gegen Frankfurt. Und dann ist da auch noch der Gegner. Borussia Dortmund bekommt nach dem Spiel im eigenen Stadion die Meisterschale überreicht, will sich mit einem Sieg von seinen Zuschauern verabschieden. Und die Borussia wird sich nach der Partie kaum nachsagen lassen wollen, mit einer schwachen Leistung und einer möglichen Pleite den Abstiegskampf beeinflusst zu haben.