Fußball-Bundesliga: Wolfsburg wankt - DER SPIEGEL
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Fußball-Bundesliga Wolfsburg wankt

In Freiburg kassierte der VfL Wolfsburg trotz einer Leistungssteigerung die vierte Pleite in Folge und taumelt dem Abstieg entgegen. Der neue Trainer Pierre Littbarski hat die Wende verpasst - und könnte bald schon wieder abgelöst werden.
Wolfsburg-Trainer Littbarski: Zwei Spiele, zwei Niederlagen
Wolfsburg-Trainer Littbarski: Zwei Spiele, zwei Niederlagen

Wolfsburg-Trainer Littbarski: Zwei Spiele, zwei Niederlagen

Foto: Patrick Seeger/ dpa
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Littbarski konnte einem leid tun. In Freiburg lief die letzte Minute der regulären Spielzeit. Der VfL lag zurück, wie so oft in dieser verkorksten Saison, die den Meister von 2009 mitten hinein in den Abstiegskampf katapultierte. In der 90. Minute rollte ein letzter Angriff in Richtung des Freiburger Tores. In der Mitte kam Cicero an den Ball. Bei dem Kopfstoß des Brasilianers war Freiburgs Torwart Oliver Baumann bereits geschlagen - dann klatsche das Leder ans Aluminium.

An der Seitenlinie krümmte Littbarski seinen Körper gen Boden. Der Tabellenfünfzehnte hatte 1:2 (1:1) verloren, trotz einer erkennbaren Leistungssteigerung. "Wir haben heute die Tore nicht gemacht", bemühte sich der 50-Jährige nach Spielschluss um eine nüchterne Analyse. "Damit müssen wir rechnen, wenn wir unten drin stehen", sagte der Coach, der in seinem zweiten Spiel die zweite Niederlage kassierte. Nur das bessere Torverhältnis verhinderte am 23. Spieltag den Wolfsburger Absturz auf Relegationsplatz 16.

"Jetzt ist es echt dramatisch. Es wird richtig brenzlig", sagte Kapitän Marcel Schäfer. Nichts scheint derzeit den Absturz des VfL aufhalten zu können. In Freiburg verlor die Mannschaft um Spielmacher Diego eine Partie, in der sie mehr Chancen als der Gegner hatte und durch Winter-Zugang Patrick Helmes in Führung gegangen war. Der Stürmer traf nach Vorlage des neuen Mittelfeldspielers Tuncay (28.). Littbarski schien mit seiner Elf auf dem richtigen Weg.

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Foto: Stuart Franklin/ Bongarts/Getty Images

Diego, in dieser Spielzeit oft gescholten, wurde seiner zentralen Rolle gerecht. Der Brasilianer initiierte mehrere gefährliche Aktionen und machte das VfL-Spiel diesmal schnell, statt es permanent zu verschleppen. Das Team trat einen Tag nach einem offenen Brief an die Fans ("Zusammen müssen wir dieses Tal durchschreiten") auch als solches auf. Schon vor dem Führungstor hatten sie durch Helmes (21.), Cicero (22.) und Tuncay (27.) mehrere gute Möglichkeiten.

"Was ich heute gesehen habe, macht mich optimistisch. Wenn die Mannschaft so spielt, so engagiert, wird sie die Punkte holen, die nötig sind", sagte Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß. Diese Analyse ist nachvollziehbar, doch die zehnte Saisonniederlage des VfL bietet auch Raum für eine andere Lesart. Wenig aufbauend dürfte beispielsweise der Ausgleich durch Stefan Reisinger kurz vor der Pause gewesen sein.

Der Treffer war äußerst umstritten: Freiburgs Anton Putsila soll den Ball mit der Hand mitgenommen haben. Den heftigen Protesten der Wolfsburger gab Schiedsrichter Robert Hartmann nicht nach (43.). "Das Tor war meiner Meinung nach irregulär. Die Spieler wurden um ihren Lohn gebracht", schimpfte Littbarski.

Dennoch war der Nachfolger des beurlaubten Steve McClaren weit davon entfernt, im Schiedsrichter den Schuldigen für die erneute Pleite zu suchen. "Wir haben das 1:0 gemacht und hatten viele Spielanteile. Leider haben wir nicht nachgelegt und ein wenig die Zügel schleifen lassen", sagte Littbarski.

Auch wenn ihm die Misere nur zu Teilen anzulasten ist, bleibt fraglich, ob er seinen Job behalten darf. Für den Fall einer Niederlage in Freiburg soll Hoeneß Gerüchten zufolge bis zum Saisonende auf Hans Meyer, mit dem er bereits in Berlin zusammengearbeitet hat, als Interimslösung setzen. Dieser Fall ist nun eingetreten. Wolfsburg taumelt mehr denn je der Zweiten Liga entgegen.

Die Niederlage in Freiburg, die Papiss Demba Cissé mit dem zweiten Freiburger Treffer besiegelte (69.), war für Wolfsburg bereits die vierte in Folge. Trotz bester Chancen in der Schlussphase verpasste es das Team, sich von der Abstiegszone abzusetzen. Stattdessen trennt es nur drei Tore vom 1. FC Kaiserslautern, der 16. ist.

"Nur mit Chancen und gutem Fußball werden wir es nicht schaffen. Wir müssen unbedingt Punkte holen", sagte Hoeneß. Am kommenden Spieltag hat Wolfsburg gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach erneut die Möglichkeit dazu. Gewinnt der VfL auch dann nicht, dürfte sich zumindest Pierre Littbarski das letzte Mal als Wolfsburgs Trainer an der Seitenlinie geärgert haben.

mit Material von dpa