5:0 im DFB-Pokal Schalkes Neustart
Wer Klaas-Jan Huntelaar ein bisschen kennt, der weiß, dass ihm sein Akt der Großzügigkeit in der 32. Minute nicht leichtgefallen sein kann. Der Stürmer vom FC Schalke 04 ist berühmt für seine Besessenheit, Huntelaar will Tore schießen. Immer und überall. Es gab sogar schon Momente, da wirkte er regelrecht verärgert, wenn ein Mitspieler traf, statt ihm - dem vermeintlich besser positionierten Kollegen - den Ball zuzuspielen.
Insofern ist es bemerkenswert, dass Huntelaar im Pokalspiel beim MSV Duisburg, das die Schalker am Ende ziemlich überzeugend mit 5:0 gewannen, seinem neuen Sturmpartner Franco di Santo ganz freiwillig die Ausführung eines Elfmeters überließ.
"Normalerweise schieße ich, aber in der Situation wollte ich, dass Franco sein erstes Tor macht, und er wollte auch gerne", erklärte Huntelaar seine Selbstlosigkeit. Nicht ohne hinzuzufügen, dass er die Sache beim nächsten Mal wieder selbst in die Hand nehmen werde, denn Di Santo verschoss. Und es stand in diesem Moment erst 1:0, das Spiel war also noch längst nicht gewonnen.
Aber ganz so selbstlos war die Geste vielleicht gar nicht. Denn auch Huntelaar ist interessiert an selbstbewussten Mitspielern und an einem guten Arbeitsklima, das durch solche kollegialen Manöver forciert wird. Und die Atmosphäre ist ganz offenbar bestens in dieser Mannschaft, die die Vorsaison als Ensemble der Freudlosigkeit beendet hatte. In Duisburg präsentierte sich ein FC Schalke 04 mit einem runderneuerten Wesen. "Wir haben einen guten Spirit. Seit Beginn der Vorbereitung lebt die Mannschaft auf dem Platz und neben dem Platz", sagte Manager Horst Heldt. "Es war ja auch dringend notwendig, dass wir einen Neustart hinbekommen."
Neues Pressing, neue Spielfreude
Unter André Breitenreiter wurde ein fußballerischer Plan entwickelt, den die Spieler mit viel Überzeugung umsetzen. "Wir haben sehr gut gepresst, vor allem gut gegengepresst, und ich möchte insbesondere die Einstellung meiner Jungs loben, die von der ersten Minute an gebrannt haben", sagte der neue Trainer sehr zufrieden. Vor allem die Besetzung der Flügel mit Eric Maxim Choupo-Moting auf der rechten und Julian Draxler auf der linken Seite ist vielversprechend, die beiden strahlen eine ganz neue Spielfreude aus.
Draxlers Diagonalpass auf Choupo-Moting vor dem 1:0 war brillant, am Ende des schönen Spielzuges traf Huntelaar (4. Minute). Und es gab weitere tolle Momente im Spiel des von Juventus umworbenen Weltmeisters. Leon Goretzka scheint ebenfalls einen Entwicklungsschritt zu machen, er war sehr präsent und traf kurz vor Schluss zum 5:0 (85.). Der dominante Mann ist nach den Eindrücken der vergangenen Wochen aber Johannes Geis.
DFB-Pokal: Schalkes lockerer Aufgalopp beim MSV
Der Zugang von Mainz 05 spielt vor der Abwehr, deutlich hinter Goretzka, dem anderen zentralen Mittelfeldspieler in Breitenreiters 4-4-2-System. In Duisburg glänzte Geis wie schon in der Vorbereitung als Initiator fast aller Angriffe, als inspirierter Taktgeber, der das Tempo variiert, und der mit seinem präzisen Passspiel praktisch alle Räume auf dem Feld erreichen kann. Außerdem sind die Standards des 21-Jährigen eine Waffe.
In Duisburg schlug er die Ecke, die Matija Nastasic zum 2:0 ins Tor köpfte (39.), und das 3:0 erzielte Geis höchstpersönlich. Mit einem Freistoß aus 25 Metern. "Der hat super Bälle gespielt, er ist sehr wichtig für unseren Aufbau", sagte Huntelaar. Unter einigen Journalisten kursierte schon der Ausdruck "Chefrolle", um das Wirken von Geis zu beschreiben, aber für solche Thesen ist es natürlich viel zu früh. Erst gegen ebenbürtige Kontrahenten wird die wahre Stärke der Spieler und des Kollektivs zu sehen sein.
Geis: Neuer Superstar oder Frühstart gegen schwachen MSV?
Der schwache MSV Duisburg, der früh in Rückstand geriet und der nach einer Gelb-Roten Karte gegen Branimir Bajic auch noch eine Stunde lang in Unterzahl spielte, war keine echte Herausforderung für den FC Schalke. Und dennoch ist Geis zumindest vorerst der Königstransfer dieses Sommers. Das lässt sich auch deshalb so deutlich sagen, weil die anderen Zugänge bisher weniger überzeugen konnten.
DFB-Pokal: Wolfsburg souverän, Schalkes Fünferpack
Júnior Caiçara verteidigte gegen die biederen Duisburger solide, im letzten Vorbereitungsspiel gegen Twente Enschede ermöglichte allerdings ein Fehler des Brasilianers den Gegentreffer zum 1:1. Und Franco di Santo erzielte zwar kurz vor seiner Auswechslung das 4:0 (63.), wirkt aber, als sei er noch nicht richtig angekommen im Schalker Spiel. Daran hat auch Huntelaars Großzügigkeit erstmal nichts geändert.