DFB-Team Träsch droht WM-Aus
Hamburg - Fällt nach Kapitän Michael Ballack nun auch noch Christian Träsch für die WM in Südafrika aus? Das ist die Frage, die Bundestrainer Joachim Löw nach dem Testspiel der Nationalmannschaft gegen den FC Südtirol umtreibt. Der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart verletzte sich während des 4:0 (0:0)-Sieges der DFB-Elf am Montagabend am rechten Sprunggelenk.
Zwei Wochen wird Träsch nicht trainieren können. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) meldete am späten Abend zunächst den Ausfall des 22-Jährigen für die WM. Wenig später ließ Löw jedoch mitteilen, er entscheide frühestens am Dienstag, nach zusätzlichen Untersuchungen, wie es mit Träsch weitergeht und welche Folgen die Verletzung mit Blick auf die WM haben könnte.
Träsch war in der achten Minute bei einer Rettungsaktion ohne gegnerische Einwirkung in den Umgrenzungszaun des Platzes im Sportzentrum Rungg in Girlan gerutscht und dabei umgeknickt. Der VfB-Profi verließ gestützt von Betreuern mit schmerzverzerrtem Gesicht das Spielfeld und wurde zur Kernspintomografie in ein Bozener Krankenhaus gebracht. Die Diagnose: Kapselverletzung.
"Das ist schade für ihn, dass so etwas ausgerechnet in dieser Phase passiert", sagte der Bundestrainer. Nach dem Ausfall Ballacks war Träsch in der Hierarchie der zentral-defensiven Mittelfeldspieler nach oben gerutscht, galt bislang als erster Ersatzmann für das neue Sechser-Duo Bastian Schweinsteiger/Sami Khedira.
Der Test gegen den FC Südtirol, der innerhalb des Trainingslagers der DFB-Auswahl stattfand, geriet durch den Ausfall von Träsch fast zur Nebensache. Deutschland hatte gegen den Drittliga-Aufsteiger aus Italien über zweimal 30 Minuten nach zuletzt intensiven Trainingseinheiten vor allem in der ersten Halbzeit schwere Beine und einige Mühe.
Löw setzt alle 19 Spieler ein
Piotr Trochowski brachte die deutsche Elf vor knapp 1000 Fans in der 37. Minute mit einem Freistoß in Führung. Mesut Özil erhöhte in der 47. Minute auf 2:0, Cacau traf zum 3:0 (54.). Beide Treffer bereitete der zuletzt beim 1. FC Köln formschwache Lukas Podolski vor. Das 4:0 drei Minuten vor Schluss war ein Eigentor durch Südtirols Walter Zullo.
Löw setzte alle 19 derzeit verfügbaren WM-Kandidaten ein. Die beiden Keeper Tim Wiese und Manuel Neuer standen jeweils eine Halbzeit zwischen den Pfosten. Lediglich Özil, der Leverkusener Toni Kroos im Mittelfeld und Dennis Aogo vom HSV auf der linken Verteidiger-Position spielten die kompletten 60 Minuten durch. Aogos Clubkollege Marcell Jansen spielte im linken Mittelfeld und sammelte nach seinem Syndesmoseband-Riss im März die ersten 30 Minuten Spielpraxis.
Noch stehen dem Bundestrainer die sieben Akteure von Champions-League-Finalist Bayern München nicht zur Verfügung. Sie stoßen bis spätestens Mittwochmittag zur Mannschaft. Dann will Löw, der am 1. Juni seinen endgültigen 23-köpfigen WM-Kader beim Weltverband Fifa benennen muss, auch bekanntgeben, wer in Südafrika Kapitän der DFB-Elf und wer die deutsche Nummer eins werden wird.
Vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 13. Juni in Durban gegen Australien hat Löw noch zweimal in Länderspielen die Möglichkeit, seine Wunschformation zu finden. Am 29. Mai ist Ungarn um 20 Uhr in Budapest Gegner der Deutschen, die Generalprobe steigt am 3. Juni um 20.30 Uhr in Frankfurt am Main gegen Bosnien-Herzegowina (beide Spiele jeweils im Liveticker von SPIEGEL ONLINE).
Australien gewinnt Testspiel
Deutschlands Auftaktgegner Australien, die beide in der WM-Gruppe D auch auf Ghana und Serbien treffen, gewann sein Testspiel ebenfalls, allerdings gegen einen ungleich schwereren Gegner als das Löw-Team. Gegen WM-Teilnehmer Neuseeland siegten die "Socceroos" im Melbourner Cricket Ground 2:1 (0:1).
Nach dem 0:1-Rückstand zur Halbzeit drehten die Gastgeber die Partie vor 55.659 Zuschauern dank der Treffer von Dario Vidosic von Bundesligist 1. FC Nürnberg (57.) und Brett Holman vom niederländischen Erstligisten AZ Alkmaar (90.+4) noch zu ihren Gunsten. Chris Killen (FC Middlesbrough) hatte die "All Whites" bereits in der 16. Minute in Führung gebracht.