Fußball-Bundesliga: Achterbahnfahrt in Bremen, Köln geht unter
Fußball-Bundesliga Kölner Krise immer größer, Bremen erkämpft Remis in Unterzahl
Hamburg - Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga wird immer dramatischer: In Hertha BSC Berlin, dem 1. FC Köln und Augsburg traten zum Auftakt des 30. Bundesliga-Spieltages die Teams der Plätze 15 bis 17 an - und verloren allesamt. Ein Debakel erlebte gar der 1. FC Köln, 0:4 (0:3) ging das Team von Stale Solbakken in Mainz unter. Der Trainer stand schon vor der Partie stark in der Kritik, nach dieser desolaten Vorstellung wird sein Verbleib immer fraglicher.
"Wir sind die Schießbude der Liga, das ist deprimierend", sagte FC-Torwart Michael Rensing, "wir können nur froh sein, dass Hertha verliert und noch hinter uns ist." Hertha BSC Berlin unterlag gegen den SC Freiburg 1:2 (0:1) ebenso wie Augsburg gegen Stuttgart 1:3 (1:2). Die Situation der Kölner hat sich durch die Patzer der direkten Konkurrenz trotz der Niederlage nicht nachhaltig verschlechtert.
Dennoch: Das Drama um den 1. FC Köln wird nach der Trennung von Sportdirektor Volker Finke, suspendierten Spielern und der Alkoholfahrt von Slawomir Peszko immer größer: Mit 29 Punkten steht der Club weiter auf dem Relegationsplatz.
Für FC-Geschäftsführer Claus Horstmann war der desolate Auftritt "nicht erklärbar. Das ist heute ein deftiger Rückschritt". Es sei aber nicht die Frage, wie der Trainer spielen lasse. "Ich habe sehr viel Versagen auf dem Rasen gesehen."
Podolski wird von Gegenstand getroffen
Einen "Kampfabend" hatte der Mainzer Manager Christian Heidel vor der Partie gegen Köln angekündigt, die Gäste sollten "spüren, dass sie gegen eine ganze Stadt spielen". Wortwörtlich war das sicher nicht gemeint, trotzdem wurde aus dem Block der Gastgeber mit einer Münze auf Nationalspieler Lukas Podolski geworfen - das Geschoss erwischte ihn am Auge, Schiedsrichter Felix Brych musste die Partie kurzzeitig unterbrechen, Podolski konnte aber weiterspielen.
Zehn Minuten zuvor hatten die Mainzer die Führung erzielt: Eugen Polanski verwandelte einen umstrittenen Foulelfmeter (19.) gegen Kölns Torwart Michael Rensing. Die Mainzer hatten Köln aus dem Konzept gebracht; innerhalb von fünf Minuten schossen Mohamed Zidan (32.) und Nicolai Müller (37.) die nächsten Tore für die Gastgeber. Das gleiche Bild nach der Halbzeitpause: Rückkehrer Adam Szalai traf zum 4:0 (52.). Die Kölner fügten sich in ihr Schicksal und gaben mit ihrer Leistung ein Empfehlungsschreiben für die zweite Liga ab.
Kölns Trainer Solbakken sagte: "Vor dem ersten Tor war es ein sehr enges Spiel. Dann haben wir schnell zwei Gegentore kassiert. Wie schon in der ganzen Saison waren wir mental nicht stark genug, um zurückzukommen."
Die Mainzer Spieler feierten anschließend ausgiebig ihren Sieg, haben sie sich dank der drei Punkte doch vorerst aus dem Abstiegskampf verabschiedet. "Im entscheidenden Spiel war die Mannschaft präsent", sagte Präsident Harald Strutz, mahnte aber: "Wir haben in Mainz schon so viel erlebt. Bevor nicht alles endgültig ist, werden wir uns nicht ausruhen."
FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 4:0 (3:0)
1:0 Polanski (19., Foulelfmeter)
2:0 Zidan (31.)
3:0 Nicolai Müller (37.)
4:0 Szalai (54.)
Mainz: Wetklo - Pospech, Kirchhoff, Noveski, Zabavnik - Polanski, Soto (81. Baumgartlinger) - Nicolai Müller, Zidan (64. Ivanschitz), Choupo-Moting - Szalai (81. Allagui)
Köln: Rensing - Brecko, Sereno, Geromel, Jemal (74. McKenna) - Lanig, Riether - Roshi (46. Tese), Clemens - Ishak (56. Jajalo), Podolski
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Szalai (2), Choupo-Moting (3) -
Gladbach spielt trotz Überzahl nur unentschieden
Die vergangenen Wochen waren für Werder Bremen und Mönchengladbach nicht leicht. Die Borussia hatte vor dem Gastspiel in Bremen drei Spiele in der Bundesliga nicht mehr gewinnen können, Werder gar viermal in Folge nicht. Daran änderte sich für beide Teams nichts. 2:2 (1:0) endete die Partie - trotz einer Roten Karte für Sebastian Boenisch nach einer Notbremse.
Zuvor hatte Markus Rosenberg die Bremer in Führung gebracht (18.), Gladbachs Mike Hanke die Partie mit zwei Treffern die Partie gedreht (52., 66.). Naldo erzielte schließlich den Endstand. "Gegen zehn Mann muss man gewinnen. Chancen haben wir genug gehabt", sagte Kapitän Filip Daems. "Klar haben wir zwei Punkte verschenkt", so Marco Reus.
Zumindest aus Gladbacher Sicht hatte das Mitwirken von Reus zuvor Hoffnung auf Besserung gemacht, der Angreifer war am vergangenen Wochenende gegen Hertha BSC Berlin in der 20. Minute wegen eines Pferdeskuss ausgewechselt worden.
Schmitz rettet auf der Linie
Und Reus war es auch, der die größte Gelegenheit in der Anfangsphase hatte: Nach einem Zuspiel von Juan Arango tauchte er vor Werder-Keeper Tim Wiese auf, schoss den Ball aber knapp am Tor vorbei (7.). Nur drei Minuten später musste der Bremer Lukas Schmitz nach einem Kopfball von Roman Neustädter auf der Linie retten.
Glück hatten die Gladbacher in der 15. Minute, als Schiedsrichter Marco Fritz nach einem Zweikampf zwischen Gladbach-Verteidiger Dante und Bremens Marko Marin nicht auf Elfmeter entschied. Dennoch wirkte das Spiel der Gäste zu diesem Zeitpunkt wesentlich zielstrebiger und durchdachter. Bremens Elf, die zuletzt wegen etlicher Verletzungen immer wieder durcherinander gewirbelt worden war, hatte Probleme - trotz der Rückkehr von Abwehrchef Naldo.
So auch in der 17. Minute als Stürmer Mike Hanke nach einem schönen Spielzug auf Patrick Herrmann passte, der aber aus sieben Metern freistehend am Tor vorbeischoss. Und während sich die Gladbacher noch über die vergebene Chance ärgerten, setzten die Bremer zum Gegenangriff an, Rosenberg tauchte plötzlich frei vor Marc-André ter Stegen auf, überlupfte den Torwart zum 1:0.
"Wir sind selber schuld, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben"
Die Freude über das Tor hielt nur neun Minuten vor, dann mussten die Zuschauer mitansehen, wie Schiedsrichter Fritz Sebastian Boenisch mit einer Roten Karte vom Feld schickte. Er hatte Patrick Herrmann mit einer Notbremse am Durchkommen gehindert. Die Gladbacher hatten vor der Pause noch einige Gelegenheiten, spielten bis vor dem Tor gut zusammen, waren im Abschluss aber zu schwach.
Das besserte sich in Hälfte zwei: Einen strammen Schuss von Stürmer Mike Hanke musste Werder-Keeper Tim Wiese passieren lassen (52.). Hanke war es auch, der für die Gladbacher Führung sorgte: Reus legte in der 66. Minute quer auf den nachgerückten Stürmer und der vollendete aus 13 Metern. Nach der 2:1-Führung und der Gladbacher Überzahl deutete alles auf einen Erfolg der Gäste hin, doch Naldo sorgte mit einem Kopfball noch für den Ausgleich.
"Nach dem 2:1 haben wir nicht weiter nach vorn gespielt. Wir sind einfach selber schuld, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben", sagte Reus. Die Latte verhinderte nach einem Schuss von Alexander Ring die erneute Führung für die Gladbacher (88.).
Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 2:2 (1:0)
1:0 Rosenberg (18.)
1:1 Hanke (52.)
1:2 Hanke (67.)
2:2 Naldo (73.)
Bremen: Wiese - Boenisch, Affolter (75. Füllkrug), Sokratis, Schmitz - Naldo - Fritz, Junuzovic (90. Trinks) - Marin (71. Ignjovski) - Rosenberg, Pizarro
Mönchengladbach: ter Stegen - Stranzl, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann (81. Ring), Arango - Hanke (90. de Camargo), Reus
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Rote Karte: Boenisch nach einer Notbremse (27.)
Gelbe Karten: - Neustädter (2), Reus (3), Brouwers (3), Arango (4)
Berlin und Augsburg verlieren
Für Hertha BSC Berlin rückt die zweite Liga immer näher. Im Heimspiel gegen den SC Freiburg unterlag das Team von Trainer Otto Rehhagel 1:2 (0:1). Verteidiger Roman Hubnik hatte per Eigentor für die Freiburger Führung gesorgt (7.), Sebastian Freis zum 2:0 (67.) getroffen. Der Anschlusstreffer, erneut von Hubnik (80.) brachte nichts mehr ein. "Insgesamt ist das zu wenig", sagte Herthas Andreas Ottl nach dem Schlusspfiff, "aber wir haben immer noch vier Spiele."
Kampfbetont hatte sich Herthas Trainer Otto Rehhagel vor der Begegnung gegeben. Eine "Entscheidungsschlacht" sollten sich seine Spieler im Berliner Olympiastadion vor 45.000 Zuschauern liefern - doch sie starteten mit einem Angriff gegen sich selbst: Roman Hubnik leitete in der 7. Minute eine Flanke von SC-Angreifer Garra Dembélé unglücklich ins eigene Tor.
Im Spiel auf das "richtige" Tor lief hingegen nicht viel zusammen, nach einer guten halben Stunde konnte Hertha gerade einmal einen Torschuss vorweisen, die Freiburger hatten fünfmal aufs Hertha-Tor gezielt.
In der 67. Minute wurde Freiburg für seine Angriffsbemühungen belohnt: Sebastian Freis traf zum 2:0 (67.). Doch die Berliner kamen noch einmal zurück: In der 80. Minute traf Hubnik zum zweiten Mal, diesmal ins Freiburger Tor zum Endstand von 1:2.
Während der SC Freiburg mit 35 Punkten nun sechs Zähler Abstand auf einen Relegationsplatz hat und auf einem guten Weg in Richtung Klassenerhalt ist, wird es für die Hertha immer enger: Der Club bleibt mit 27 Punkten auf dem vorletzten Rang.
Stuttgart gewinnt auch gegen Augsburg
Mit viel Selbstvertrauen war der VfB Stuttgart in das Duell beim FC Augsburg gestartet: Der VfB war zuvor seit sieben Spielen ungeschlagen und ist auf den fünften Tabellenplatz geklettert. Dank des 3:1 (2:1)-Erfolges hat das Team seinen Vorsprung dank der Bremer Punkteteilung bereits auf vier Punkte ausgebaut. Serdar Tasci (24.), Martin Harnik (34.) und Vedad Ibisevic hatten für den VfB die Tore erzielt, für Augsburg hatte Nando Rafael die frühe Führung besorgt (5.).
"Das ist bitter für uns. Stuttgart hat vier Mal aufs Tor geschossen und drei Mal getroffen", so FCA-Keeper Simon Jentzsch. "Das ist der große Unterschied. Wir lassen unsere Chancen liegen - und Stuttgart macht sie rein." VfB-Sportdirektor Fredi Bobic sagte: "Wir haben die Augsburger Fehler einfach gut genutzt. Aber ganz ehrlich: Es war sehr eng."
In unveränderter Aufstellung zum 4:1-Erfolg gegen Mainz ließ Trainer Bruno Labbadia seine Stuttgarter in Augsburg auflaufen - und musste mit ansehen, wie sein Team bereits nach vier Minute zurücklag: Rafael verwandelte den Elfmeter nach einem Foul von Stuttgarts Torwart Sven Ulreich zum 0:1.
Ibisevic sorgt für die Entscheidung
Doch in der Folgezeit hatten die Gastgeber nur noch wenig mitzureden: Tasci traf in der 23. Minute nach einer Ecke zum 1:1, zehn Minuten später gelang Harnik das 1:2 (24.). Innerhalb von kürzester Zeit hatte der VfB den Rückstand in einen Vorsprung umgewandelt. Für die Entscheidung sorgte der seit Wochen groß aufspielende Stürmer Ibisevic, obwohl er bis zu seinem Treffer in der 84. Minute nicht großartig in Erscheinung getreten war.
Stuttgart festigte mit dem achten Sieg in Folge und 46 Zählen den fünften Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Augsburg hingegen bleibt im Abstiegskampf: Mit weiterhin 30 Punkten ist das Team von Jos Luhukay nur einen Zähler vom Relegationsplatz entfernt.