Köln vs. Hoffenheim: Viel Aufwand, begrenzter Ertrag
Fußball-Bundesliga Köln verschenkt Punkte gegen Hoffenheim
Es waren erst wenige Minuten gegen Hoffenheim gespielt, da fragten sich die Zuschauer im Kölner Stadion, welche Mannschaft da in den rot-weißen Trikots über den Platz lief. Es war jedenfalls nicht der 1. FC Köln, der drei seiner ersten fünf Saisonspiele verloren hatte. Der mit dem schlechtesten Angriff der Liga nur vier Tore erzielt hatte. Und der beim 0:2 in Mainzchancenlos gewesen war. Lukas Podolski stand in dieser Anfangsphase symbolisch für das ganze Kölner Team. Er spielte so, wie man ihn aus der Nationalmannschaft kennt: zweikampfstark, lauffreudig und torgefährlich.
Hätten die Kölner über 90 Minuten gespielt wie kurz nach Anpfiff, wäre ihnen der zweite Saisonsieg sicher gewesen. Doch Podolskis Führungstreffer in der 17. Minute war beim 1:1 (1:0) nicht genug. Hoffenheim nutzte zehn schwache Minuten der Heimelf zu Beginn der zweiten Halbzeit zum Ausgleich durch Demba Ba (54.). Und so sehr sich die Kölner danach auch wieder steigerten: Es wollte kein Tor mehr gelingen.
Statt der besten Kölner Saisonleistung standen damit die schwache Kölner Offensive - fünf Tore in sechs Spielen - und die verschenkten Punkte im Focus. "Leider ist ein Punkt zu wenig für uns heute nach diesem Spielverlauf", sagte Kölns Trainer Zvonimir Soldo. Auch FC-Spieler Adam Matuschyk sagte: "Wir haben unnötig zwei Punkte verloren. Es ist unerklärlich, dass wir so schwach aus der Halbzeit rausgekommen sind."
Wenigstens konnte man Köln nicht den Vorwurf machen, nicht auf Sieg gespielt zu haben. Podolski hatte nach der Mainz-Pleite offen das System von Trainer Zwonimir Soldo kritisiert. "Wir müssen offensiver spielen und mehr nach vorne riskieren." Und genau das tat der Nationalspieler in der 17. Minute: Er riskierte einen Schuss aus spitzem Winkel. Solche Versuche gehen oft ins Seitenaus oder in den zweiten Stadionrang. Doch Podolskis Ball fand den Weg ins Tor der Gäste. Es war Podolskis zweiter Saisontreffer - so viele wie in der gesamten vergangenen Spielzeit.
Köln mit zahlreichen Chancen zu Beginn
Bereits zuvor hatte Köln gute Chancen gehabt. Gäste-Torwart Tom Starke musste bereits in der dritten Minute gegen den frei vor ihm aufgetauchten Martin Lanig parieren. In der 17. Minute setzte sich dann Mato Jajalo gegen drei Hoffenheimer durch und passte auf Podolski. Der vollendete mit seinem starken linken Fuß. Starke wies eine Mitschuld beim Tor von sich: "Podolski hat einen Torpedo im linken Fuß."
Nach dem Treffer wurde die Kölner Dominanz erdrückend. Hoffenheim wirkte nach der knappen Heimniederlage gegen den FC Bayern körperlich und geistig nicht frisch. Soldos Elf griff die Gäste schon an deren Strafraum an. U21-Nationalspieler Sebastian Rudy gab dem Hoffenheimer Spiel kaum Impulse. Zudem hatte Abwehrchef Josip Simunic einen schwachen Tag: In der 26. Minute verhinderte der Pfosten nach einer abgefälschten Hereingabe Jajalos sogar ein Eigentor des Kroaten, der zur Halbzeit ausgewechselt wurde.
Bezeichnend für Hoffenheims Spiel war, dass der sonst so gefährliche Freistoßschütze Sejad Salihovic aus guter Position nur die Mauer traf (45.). "Ich bin ein bisschen sprachlos, was wir da betrieben haben", sagte Starke zur katastrophalen ersten Halbzeit Hoffenheims. Auch sein Trainer Ralf Rangnick war konsterniert: "So wie in der ersten Halbzeit konnten wir nicht weiterspielen, das war ganz schwach"
Starke Hoffenheimer Phase nach der Pause
Doch die gute Laune der Kölner Fans hielt nach dem Wiederanpfiff nicht lange. Rangnick hatte Demba Ba kurz vor der Pause in den Angriff geschickt und brachte nach der Pause Peniel Mlapa und Gylfi Sigurdsson für Simunic und den ebenso schwachen Tobias Weis. Plötzlich spielte Hoffenheim so wie der FC in der ersten Hälfte - aggressiv, engagiert und torgefährlich. Der Ausgleich durch einen tollen Schuss von Ba war verdient (54.).
Vier Minuten später hätten die Gäste sogar in Führung gehen können. Vedad Ibisevic scheiterte freistehend an Kölns Torhüter Faryd Mondragon. Danach zog sich Hoffenheim aber unverständlicherweise wieder zurück. Auch Köln spielte nicht mehr so druckvoll wie in er ersten Halbzeit. Kapitän Youssef Mohamad hatte nach Freistoß von Podolski zwar die Möglichkeit zur erneuten Führung, schoss aber aus kurzer Distanz am Tor vorbei. Martin Lanig vergab die klarste Kölner Chance zum Sieg (78.).
Am Ende konnten sich die Kölner damit trösten, zum ersten Mal in der Bundesliga ein Heimspiel gegen Hoffenheim nicht verloren zu haben. Allerdings war es angesichts einer starken Leistung nur ein schwacher Trost. Hoffenheims Kapitän Andreas Beck ahnte, insgesamt glücklich davongekommen zu sein: "Wir wollten eigentlich auf drei Punkte spielen, nach dem Spielverlauf können wir aber mit dem einen Punkt leben."
1. FC Köln - 1899 Hoffenheim 1:1 (1:0)
1:0 Podolski (17.)
1:1 Ba (54.)
Köln: Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Ehret - Petit - Clemens (81. Freis), Lanig, Matuschyk, Jajalo (81. Yalcin) - Podolski
Hoffenheim: Starke - Beck, Simunic (46. Mlapa), Vorsah, Eichner - Weis (46. Sigurdsson), Gustavo - Ba, Rudy, Salihovic - Ibisevic (88. Tagoe)
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 45.000
Gelbe Karten: Lanig (2), Clemens (2), Freis - Simunic