Hamburger SV: So spielt ein Absteiger - DER SPIEGEL
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HSV-Debakel gegen Frankfurt Der Bundesliga nicht würdig

Beim Heimdebüt von Trainer Markus Gisdol sollte endlich der erste Saisonsieg des HSV her - doch die Mannschaft trat beim 0:3 gegen Frankfurt wie ein Absteiger auf. Ein junger Kroate wurde zum Sinnbild des Desasters.
René Adler (r.) und weitere HSV-Spieler
René Adler (r.) und weitere HSV-Spieler

René Adler (r.) und weitere HSV-Spieler

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images
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Es ist nicht bekannt, wie Bruno Labbadia den Freitagabend verbracht hat, aber er dürfte von einer gewissen Genugtuung erfüllt worden sein, als er vom Ergebnis und von den Einzelheiten der Partie des Hamburger SV gegen Eintracht Frankfurt erfuhr.

Labbadia, bis vor knapp vier Wochen Trainer in Hamburg, ist ja hart dafür kritisiert worden, dass er den vor der Saison aus Barcelona geholten Alen Halilovic höchstens als Einwechselspieler zum Einsatz kommen ließ, dabei handele es sich bei dem 20 Jahre jungen Offensivmann nach Einschätzung vieler Fans und Teilen der örtlichen Medien doch um eine kroatische Variante von Lionel Messi, um einen Mini-Messi sozusagen. Um einen Spieler, der auch spielen müsse.

Gegen Frankfurt, beim 0:3 des HSV im ersten Heimspiel des neuen Trainers Markus Gisdol, brauchte Halilovic nur eine Halbzeit, um den Nachweis zu erbringen, dass er Lichtjahre von Messi entfernt ist. Zum ersten Mal machte er von Beginn an mit, und es gelang ihm nicht, das Offensivspiel der Hamburger zu inspirieren. Zwei verunglückte Flanken, ein paar seltsame Laufwege und ein Ausrutscher vor dem Tor, mehr brachte er nicht zustande. Nach 45 Minuten wurde er ausgewechselt, zugunsten eines zweiten Stürmers. "Ich hätte auch andere Spieler rausnehmen können. Einzelne Leistungen bewerte ich nicht", sagte Gisdol, als er nach der Partie auf Halilovic angesprochen wurde.

Schlecht wie nie: So reicht es nicht einmal im DFB-Pokal gegen Halle

Und natürlich wird es der Wahrheit nicht gerecht, das Hamburger Desaster gegen Frankfurt auf einen einzelnen Spieler herunterzubrechen, zumal auf einen Offensivspieler ohne Wettkampfpraxis. Die entscheidenden Fehler machten schließlich die etablierten Profis, vorrangig die in der Defensive, zum Beispiel beim 0:1 durch das Eigentor von Lewis Holtby, oder bei der Gelb-Roten Karte gegen Dennis Diekmeier nach knapp einer Stunde.

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HSV-Pleite gegen Frankfurt: Was für ein Desaster

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Doch Halilovic steht symbolisch für einen erschütternden Abend aus Hamburger Sicht. Mit seiner Startelf-Premiere war die Hoffnung auf den ersten Saisonsieg verbunden. Diese Hoffnung wurde nicht eingelöst, schlimmer noch: Die Hamburger lieferten beim insgesamt dritten Auftritt unter Gisdol die schlechteste Leistung der bisherigen Spielzeit ab. Es war eine Leistung, die nicht einmal im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals am Dienstag beim Halleschen FC (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) reichen dürfte. Ganz zu schweigen von den kommenden Bundesliga-Aufgaben in Köln und gegen Borussia Dortmund.

Der HSV lässt seine Fans leiden, wieder einmal, wie so oft in den vergangenen Jahren. Und die Fans reagieren wie gewohnt. "Wir haben die Schnauze voll!", sangen sie in der zweiten Hälfte. Nach dem Treffer zum 0:3 durch den eingewechselten Haris Seferovic nach einer knappen Stunde setzte eine Massenflucht aus dem Volksparkstadion ein. Als die Partie vorbei war, gab es von den Rängen das Pfeifkonzert, das bei Heimspielen des HSV mittlerweile fast genau so zum Programm gehört wie Lotto King Karls Darbietung von "Hamburg, meine Perle" vor dem Anpfiff. Auch von den Hamburger Profis gab es am Ende des Abends bekannte Töne. "Wir lassen uns abschlachten und ergeben uns. Das kann man als Bundesliga-Mannschaft nicht machen", klagte Torhüter René Adler.

Problemzone Sturm: Gisdol braucht Tore

Er schob die Niederlage gegen Frankfurt auf mangelnde Einstellung, und tatsächlich ist es ja ein bewährtes Muster, sportliche Fehlleistungen mit Sekundärtugenden wie Moral und Kampfgeist zu erklären. Das wäre im Fall der aktuellen HSV-Krise aber zu einfach. Die Probleme sind spielerischer Natur, und sie liegen tief. Die Mannschaft schafft es nicht, Gefahr im Angriff zu entfachen. Gegen Frankfurt hatte der HSV keine echte Torchance. Insgesamt gingen nur drei Schüsse in Richtung Ziel. Mit erst zwei Treffern in dieser Saison haben die Hamburger die mit Abstand schwächste Offensive. "Wir schaffen es nicht, zum Abschluss zu kommen", gestand Trainer Gisdol.

Der neue Übungsleiter gibt vor, nicht beunruhigt zu sein angesichts der miesen Bilanz seines Teams. "Es wird ein langer, harter Weg. Das war mir von Beginn an klar", sagte er. Doch auch er dürfte schockiert gewesen sein vom Auftritt gegen Frankfurt. "Absteiger! Absteiger!", brüllten die Eintracht-Fans zum Ende der Partie. Und sie hatten recht. Wenn der HSV so weiterspielt, wird er am Ende dieser Saison tatsächlich zum ersten Mal den Gang in die Zweite Liga antreten müssen.