HSV-Trainer Fink Der Umkrempler
HSV-Trainer Fink: Fünf Spiele, null Niederlagen
Foto: dapdUngeschlagen. Ein Wort, das nach Erfolg klingt, nach Stärke, nach der Spitze. Wie gemacht für positive Schlagzeilen und deshalb beim Hamburger SV im Zusammenhang mit Thorsten Fink gerne und häufig verwendet. Der 44-Jährige, seit Mitte Oktober HSV-Trainer, blieb in seinen ersten fünf Bundesliga-Spielen ohne Niederlage. Das klingt gut. Besser wäre es aber, wenn er mit seiner Mannschaft nicht nur nicht verlieren, sondern auch öfter mal gewinnen würde. In fünf Bundesligaspielen schaffte er dies nur einmal (2:0 gegen Hoffenheim), dazu kamen vier Unentschieden. Aber selbst diese waren als positive Signale zu werten.
Fink, zuvor beim FC Basel unter Vertrag, steht mit dem HSV derzeit auf Rang 15. Als er anfing, war das Team Letzter. Nun beträgt der Vorsprung auf das Tabellenende drei Punkte, von Rang neun ist man nur vier Punkte entfernt. Drei Spieltage sind es in der Bundesliga noch bis zur Winterpause. Der HSV hat die große Möglichkeit, sich vorerst im Mittelfeld zu etablieren. Es ist Finks Chance - und vieles spricht dafür, dass er sie nutzen wird.
In den Heimspielen gegen Nürnberg (Tabellen-14.) am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sowie zwei Wochen später gegen Augsburg (18.) und dazwischen in Mainz (13.) sind für den HSV sechs Punkte fast Pflicht. Dann hätte der Club die Abstiegsränge deutlich hinter sich gelassen und könnte sich in der Rückrunde nach oben orientieren. Das ist Finks Ziel. Schon bei seiner Vorstellung hatte er gesagt, dass er "Erfolg will" und das Team "nicht absteigen kann". An Optimismus und Selbstvertrauen mangelte es ihm noch nie.
Neues System, Talent Töre
Fink hat dem HSV ein neues Spielsystem verpasst, seine Idee vom Fußball ist deutlich zu erkennen. Im Vergleich zu Vorgänger Michael Oenning steht die Mannschaft defensiv stabil, agiert zudem im Spiel nach vorne mit deutlich mehr Tempo. Fink setzt auf ein 4-4-2 mit zwei klaren Spitzen, Oenning wechselte oft die System.
Zudem schaffte es der neue Coach, seinem Team wieder Selbstvertrauen zu geben. Mehrfach gelang es dem Team Rückstande aufzuholen. Sowohl in Leverkusen wie auch gegen Wolfsburg und Kaiserslautern ließ sich die Mannschaft von frühen Gegentoren nicht irritieren und rettete jeweils ein Unentschieden. Unter Oenning sah das noch anders aus. In den Heimspielen gegen Gladbach (0:1) und Köln (3:4) gab es bittere Niederlagen. Ein mentales Problem, das Fink abgestellt hat.
Fink hat von Beginn an einen klaren Matchplan entworfen. Im Aufbauspiel lässt sich einer der beiden defensiven Mittelfeldspieler, zuletzt Gojko Kacar und Tomás Rincon, zwischen die Innenverteidiger fallen - und soll von dort den ersten Pass in die Offensive spielen. Zugleich rücken die Außenverteidiger weit vor und binden damit die gegnerischen Außenspieler, im Zentrum entsteht Platz. Diesen sollen die offensiven Mittelfeldspieler nutzen.
Bisher war dies vor allem die Aufgabe von Gökhan Töre. Der 19-Jährige wechselte , wie auch vier weitere Spieler, zusammen mit Sportdirektor Frank Arnesen vom FC Chelsea nach Hamburg. Töre ist ein Typ Straßenfußballer, er liebt das Dribbling, lässt oft zwei oder drei Gegenspieler stehen. Zu oft scheitert er dann aber am nächsten. Bisher bietet er viel Spektakel und hat bereits fünf Tore vorbereitet, vorwiegend durch Eckbälle. Ein eigener Treffer gelang Töre aber noch nicht.
Auf der andere Seite könnte Ivo Ilicevic diese Rolle übernehmen. Der Kroate, kurz vor der Ende der Wechselfrist für vier Millionen Euro aus Kaiserslautern gekommen, war zunächst gesperrt, anschließend zog er sich einen Muskelfaserriss zu. Bisher hat er erst 46 Bundesliga-Minuten für seinen neuen Verein gespielt. Zuletzt wurde er vom ehemaligen Nationalspieler Marcell Jansen vertreten. Der 26-Jährige erzielte zwar zwei Tore und hilft mit seiner Dynamik. Das Spiel gestalten kann Jansen aber nicht.
Schwachstelle Doppel-Sechs
Das fällt auch den defensiven Mittelfeldspielern oft schwer. Mit den zuletzt eingesetzten Rincon und Kacar sowie dem ehemaligen Kapitän David Jarolim, Robert Tesche und Per Skjelbred verfügt Fink zwar über genügend Quantität. Gehobenes Bundesliga-Niveau zeigte aber bisher keiner von ihnen dauerhaft. Zudem ähneln sich die fünf Spieler. Sie sind zumeist defensiv solide, im Zweikampf oft gut, spielerisch können sie aber kaum Akzente setzen. Und Torgefahr strahlen sie schon gar nicht aus.
Fink wird mittelfristig mit dem vorhandenen Spielermaterial arbeiten müssen, teure Zugänge kann sich der Club nicht leisten. Zudem drohen prominente Abgänge: Angreifer Mladen Petric hat nur noch einen Vertrag bis Saisonende, auf eine Verlängerung konnte man sich bisher nicht einigen. Gemeinsam mit Sturmkollege Paolo Guerrero, er soll jährlich rund vier Millionen Euro verdienen, ist er nicht zu bezahlen. Auch der ehemalige Kapitän David Jarolim wird den Club spätestens im Sommer verlassen, sein Vertrag wird nicht verlängert. Dafür dürften weitere Talente nach Hamburg kommen, die Fink formen muss. Wie zum Beispiel Maximilian Beister, der derzeit an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist und für den Zweitligist in dieser Saison bereits acht Treffer erzielte und weitere zehn vorbereitete.
Eine Vorgehensweise, die aufgrund der angespannten Finanzlage alternativlos ist. Die Hamburger Verantwortlichen wissen das und stärken ihren Trainer deshalb bewusst. Sportdirektor Frank Arnesen sagte: "Mit der Verpflichtung von Fink haben wir ein großes Spiel gewonnen." Nun muss Fink dafür sorgen, dass die Stimmung gut bleibt. Helfen werden ihm dabei nur Siege.