Kein Neuanfang Völler gibt EM-Versagern noch eine Chance
München - "Die Stammelf der EM bleibt. Vielleicht wird der eine oder andere junge Spieler dabei sein", sagte der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft vier Tage vor der Nominierung seines ersten Länderspiel-Aufgebots am Freitag. "Das große Gerüst steht schon, aber in unserem Kader sind noch einige Plätze frei", sagte Völler.
Am Wochenende wird er bei Testspielen von Bundesligaclubs weitere Kandidaten unter die Lupe nehmen und am Dienstag nach Absprache mit Bundestrainer Michael Skibbe das 18-köpfige Aufgebot für sein erstes Test-Länderspiel am 16. August in Hannover gegen Spanien bekannt geben.
Von den EM-Fahrern wird neben Markus Babbel auch Thomas Häßler in dieser Begegnung fehlen. Häßler hatte sich förmlich aufgedrängt, aber Völler zerstörte jede Hoffnung. "Sein Angebot ist schön, aber er soll sich erst einmal auf 1860 konzentrieren. Häßler wird so schnell nicht in der Nationalmannschaft spielen", sagte der Teamchef. Die "Kunstpause" von Babbel, der eine zweijährige Abstinenz von der Nationalelf angekündigt hat, werde er akzeptieren, "aber es wird noch ein Gespräch mit ihm stattfinden". Der Einsatz des angeschlagenen Kapitäns Oliver Bierhoff ist fraglich.
Gute Chancen auf eine Nominierung hat Stürmer Alexander Zickler vom FC Bayern München. "Das war schon beeindruckend", sagte Völler über die drei Tore, die Zickler beim 5:1-Sieg gegen Hertha BSC Berlin im Ligapokal-Finale schoss. Beim Jubiläumsturnier des deutschen Rekordmeisters wollte sich Völler am Freitag ein weiteres Bild über Zicklers Verfassung machen. Am Samstag reist er dann nach Palma de Mallorca, wo Bayer Leverkusen ein Testspiel beim spanischen Erstligaclub Real Mallorca bestreitet. Einen Tag später spioniert Völler im Berliner Olympiastadion beim Hertha-Test gegen AS Rom.
Als äußerst hilfreich auch für seine Arbeit bewertete Völler die "DFB-Task-Force", die als Konsequenz aus der beschämenden EM-Vorstellung eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen DFB und Bundesliga beabsichtigt. "Es ist eine positive Geschichte, dass wir es geschafft haben, die Manager der wichtigsten Bundesligavereine zusammen zu bringen", meinte der Teamchef und schloss sich der Meinung des Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge an: "Kalle hat recht. Die Nationalmannschaft muss die erste Mannschaft und nicht die 19. in der Bundesliga sein."
Der Teamchef begrüßte die Entscheidung der Task Force auf ihrer Sitzung am Donnerstag, das geplante Freundschaftsländerspiel am 25. April 2001 aus dem Kalender zu streichen. "Solche Länderspiele zwischen Champions League und Endphase der Meisterschaft wird es nicht mehr geben", sagte Völler und erinnerte an das blamable 1:1 gegen die Schweiz am 26. April in Kaiserslautern. "Entweder machen wir solche Spiele zu einem früheren Zeitpunkt oder in der kälteren Jahreszeit."
Völler will sich in Zukunft auch verstärkt um die Nachwuchsförderung kümmern. Er begrüßte die Pläne von U-18-Trainer Uli Stielike, die U-20-Junioren in der zweiten Halbserie der Regionalliga Nord am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen.