Torhüter Rensing: Auf ein Neues in Köln
Kölner Torhüter Rensing Comeback eines Gescheiterten
Michael Rensing ist wieder ein gefragter Mann. Zu beobachten war das nach dem Spiel gegen Bayern München - zahlreiche Journalisten wollten mit dem Torhüter des 1. FC Köln sprechen. Ob bei dem Sieg am Samstag gegen seinen ehemaligen Club auch "ein Schuss Genugtuung" dabei gewesen sei, fragte ein Reporter. "Ja, ein größerer", antwortete ein grinsender Rensing.
Überhaupt zu spielen ist für Rensing nach einem halben Jahr ohne Verein besonders wichtig. Auch der 3:2-Sieg gegen den alten Arbeitgeber am 21. Spieltag ist förderlich für sein Selbstbewusstsein, das durch die lange Suche nach einem neuen Club gelitten hat. Der Kölner Wintertransfer steht gerade am Beginn seiner zweiten Karriere, nachdem er beim ersten Anlauf in München in der Saison 2009/10 gescheitert war. Für Rensing ist sein bis zum Saisonende datierter Vertrag so etwas wie eine letzte Chance. Und auch wenn er nicht mehr so sehr im Fokus steht wie als Nachfolger von Oliver Kahn in München, ein immenser Druck lastet dennoch auf ihm. Gelingt in Köln nicht der Durchbruch, wird er bei einem anderen Verein in dieser Spielklasse keine Gelegenheit mehr dazu bekommen.
Kurz vor Weihnachten wurde Rensing vom 1. FC Köln als Nachfolger des Kolumbianers Faryd Mondragon verpflichtet. Für "einen der besten Torhüter Deutschlands" - so sieht ihn sein ehemaliger Torwarttrainer Sepp Maier -, waren damit sechs Monate Arbeitslosigkeit Geschichte.
Rensing musste den Rekordmeister im Sommer nach zehn Jahren verlassen. Zwei Trainer, Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal, hatten ihm eine Chance gegeben, ihn dann aber wieder auf die Bank gesetzt. Der auslaufende Vertrag wurde nicht verlängert. In München setzten sie auf Hans-Jörg Butt, der ursprünglich als Ersatzmann für Rensing geholt worden war.
Hoeneß spricht von einem "Drama"
In der Folge gab es immer wieder mal Anfragen. Hertha BSC Berlin bekundete Interesse, die spanischen Erstligisten FC Getafe, Real Mallorca und der FC Malaga wurden als mögliche Arbeitgeber genannt. Dem englischen Zweitligist Leicester City sagte Rensing nach einem einwöchigen Probetraining ab. "Sportlich hätte es gepasst", sagte Rensing der "Sport Bild", "ich habe mich dabei aber einfach nicht wohlgefühlt." Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der den jungen Torhüter jahrelang als Kahn-Nachfolger und kommenden Nationaltorhüter angepriesen hatte, nannte Rensings erfolglose Vereinssuche "ein Drama".
Der arbeitslose Profi lernte die negative Seite des "Systems Profifußball" kennen. Schließlich trainierte Rensing beim Bezirksoberligisten VfR Garching unter seinem ehemaligen Jugendtrainer Daniel Weber, um sich fit zu halten. Ein Jahr zuvor hatte er noch in der Champions League gespielt. Nach sechs Monaten kam das Angebot des 1. FC Köln. Rensing musste inzwischen geahnt haben, dass mit anhaltender Vereinslosigkeit die Anfragen nicht zunehmen werden würden, und unterschrieb bei dem abstiegsgefährdeten Club.
Am Kölner Geißbockheim sind sie auch wegen der bisherigen Eindrücke von Rensings Qualitäten überzeugt. "Er tut der Mannschaft sehr gut. Michael ist einer, der vorangeht und wichtig ist für teamorientiertes Denken", sagte FC-Präsident Wolfgang Overath SPIEGEL ONLINE. Trainer Frank Schaefer lobte im "Express" das Auftreten des 26-Jährigen: "Rensing ist sehr kommunikativ, nimmt Einfluss auf Abläufe. Man merkt, dass er einiges zu sagen hat." Rensing selber hatte bei seiner Vorstellung angekündigt, sich " in der Bundesliga dauerhaft beweisen" zu wollen.
Die Voraussetzungen dazu bringt er trotz seiner Schwächen in der Strafraumbeherrschung mit. Einer, der jahrelang als größtes deutsches Torwarttalent gehandelt wurde, kann so schlecht nicht sein. Auch im Fan-Forum des Clubs waren die Reaktionen nach seiner Verpflichtung und den ersten Spielen überwiegend positiv. Rensing wird als "die Verstärkung dieser Saison" und "Top-Transfer" gesehen.
Die lange Wettkampfpause scheint sich auf seine Leistungen bisher nicht auszuwirken. Als Rensing zum Rückrundenbeginn beim 1. FC Kaiserslautern zum ersten Mal für Köln auflief, lag sein letztes Bundesligaspiel bei Werder Bremen immerhin ein Jahr zurück. Inzwischen stand er in vier Begegnungen der Kölner auf dem Platz und bot solide bis gute Leistungen. Die einzige Niederlage beim FC St. Pauli hatte Rensing nicht zu verantworten. Im Gegenteil: "Wir konnten uns bei ihm bedanken, dass das nicht noch schlimmer endete", sagte Lukas Podolski der "Bild-Zeitung".
Gegen den FC Bayern leitete Rensing mit seinem Abschlag den Siegtreffer durch Milivoje Novakovic ein. Der Erfolg gegen den Ex-Club könnte eine Art Schlussstrich unter seine Zeit in München und den Frust im letzten halben Jahr gewesen sein. "Alles was in den letzten Monaten war, ist jetzt endgültig abgehakt. Und jetzt geht es nur noch nach vorne", sagte Rensing nach dem Spiel gegen seine alten Kollegen. Das sieht auch Overath so: "Jetzt kann er sich bei uns frei entwickeln. Ich bin überzeugt, dass er gut halten wird."