Real-Abräumer Khedira: Die Super-Sechs - DER SPIEGEL
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Nationalspieler Khedira: Rückhalt der Galaktischen

Foto: Manuel Queimadelos Alonso/ Getty Images

Real-Abräumer Khedira Die Super-Sechs

Stammspieler in der Nationalelf und bei Real Madrid, Dritter bei der WM: 2010 hätte für Sami Khedira kaum besser laufen können, sein Trainer José Mourinho ist begeistert von dem Sechser. Der Ex-Stuttgarter spricht sogar vom Gewinn der Champions League.
Von Christoffer Kleindienst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Selten sieht man Sami Khedira mit hängenden Schultern. Einen dieser raren Momente gab es am 13. Spieltag. Khedira verlor mit Real Madrid den spanischen Klassiker gegen den Erzrivalen aus Barcelona. Nicht knapp oder unglücklich, sondern verdient und chancenlos 0:5. Es war einer der wenigen Rückschlage für Khedira 2010.

Sein Einstand war umso gelungener. Obwohl erst spät in der Vorbereitung zur Mannschaft gestoßen, wurde Khedira auf Anhieb Stammspieler bei Real. In der Liga steht Khedira mit Real Madrid nur zwei Punkte hinter dem FC Barcelona auf dem zweiten Rang. In der Champions League gewann der spanische Rekordmeister von sechs Vorrundenspielen fünf Partien. Zum Abschluss der Gruppenphase gab es am Mittwochabend gegen Auxerre ein überzeugendes 4:0. Khedira weiß, was die Fans von ihm erwarten: "Das Einzige, das bei Real zählt, sind Titel. Ich bin mir sicher, dass der Champions-League-Sieger am Ende aus unserer Gruppe kommen wird."

Wenn in der Öffentlichkeit über die jüngsten Erfolge wie den 2:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den FC Valencia gesprochen wird, taucht der Name Khedira selten auf. Die Medien fokussieren sich eher auf die, die für das Spektakel zuständig sind und loben einen anderen Deutschen, der ebenfalls vor der aktuellen Saison zu Madrid gewechselt ist: "Mesut Özil dribbelt im Stile eines Zinédine Zidane", schrieb "Marca". Oder: "Der Magier Özil auf dem Weg zum besten Spieler der Welt", wie jüngst "El País" über den Mittelfeldspieler befand.

Umso überraschender war es, als Real-Coach José Mourinho nach dem 2:0-Erfolg Anfang November gegen Stadtrivale Atlético Spieler lobte, die bislang wenig Beachtung gefunden hatten: "Wenn ich nach diesem Spiel jemanden auswählen müsste, wären es Sami Khedira und Ricardo Carvalho, die sich hinter so viel Magie und Qualität der anderen Mitspieler verbergen."

"Er bringt Symmetrie in das Spiel"

Von der Zusammenarbeit profitieren Mourinho und Khedira gleichermaßen. Der Portugiese braucht Profis, die seine Taktik und Ideen zu hundert Prozent umsetzen. Wenn er sich auf jemanden verlassen kann, bleibt er ihnen treu: Als der Star-Coach den Vertrag bei Real Madrid unterschrieb, war der Transfer Ricardo Carvalhos von dessen ehemaligen Verein FC Chelsea zu den "Königlichen" eine seiner ersten Amtshandlungen. Dieser spielte nicht nur in England unter Mourinho, sondern auch schon in Portugal beim FC Porto. Der Spielertyp Carvalho ist defensiv, unauffällig und zweikampfstark. Attribute, die auch auf Khedira zutreffen.

Seine bisherigen Trainer beschreiben den 23-jährigen Khedira als ehrgeizig, diszipliniert und intelligent, die Mannschaftsleistung ist ihm wichtiger als persönliche Glanzlichter. Nationaltrainer Joachim Löw sagt über ihn, er habe unglaubliches Potenzial, "er bringt Symmetrie in das Spiel". Mit diesen Anlagen hat Khedira die Möglichkeit, sich in Madrid langfristig durchzusetzen, ein feste Größe in einem mit Stars gespickten Team zu werden.

Der Wechsel hätte für Khedira auch einen Rückschritt in seiner Karriere bedeuten können. Denn die Defensive war in der Vergangenheit zumeist zweitrangig beim spanischen Rekordmeister. Es galt das Motto Spektakel statt Stabilität.

Defensivstrategen wie der Argentinier Esteban Cambiasso, der Franzose Claude Makélélé oder der Brasilianer Émerson gingen daher in der stark offensiv ausgerichteten Elf häufig unter und wurden als Fehleinkäufe betitelt, waren aber bei ihren anderen Arbeitgebern absolute Leistungsträger. Im Jahr 2006 wurde Mahamadou Diarra für 26 Millionen Euro von Olympique Lyon geholt. Nachdem auch er sich nicht dauerhaft durchsetzen konnte, wurde ihm der Vereinswechsel nahegelegt.

Solche Rückschläge sind für Khedira bisher gänzlich unbekannt. Bislang ging es für ihn nur nach oben. Nachdem der damalige Trainer des VfB Stuttgart, Armin Veh, den Mittelfeldstrategen von den Amateuren in die erste Mannschaft holte, entwickelte er sich dort zum Leistungsträger. Die U21-Nationalelf führte er als Kapitän 2009 zum EM-Titel.

"Wenn du schludrig bist, kannst du es nicht schaffen"

Seine Leistungen blieben auch Löw nicht verborgen. Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika stand Khedira in allen Spielen von Beginn an neben Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld auf dem Platz und überzeugte mit starken Leistungen. Nach der WM verließ er den VfB Stuttgart und unterschrieb einen Vertrag bei den "Königlichen" in Madrid.

Zum perfekten Zeitpunkt, denn Mourinho, der mit der Empfehlung von zwei Champions-League-Titeln kam, gilt als defensiv denkender Trainer, bei dem die Ordnung seiner Mannschaft über allem steht. Die anhaltende Erfolglosigkeit von Real Madrid mit zwei verpassten Meisterschaften und sechs Jahren in der Champions League, in denen im Achtelfinale Schluss war, lassen die Fans die defensivere Ausrichtung leichter akzeptieren. Trotzdem gelangen auch hohe Siege wie gegen den FC Malaga (4:1), Racing Santander (6:1) und Athletic Bilbao (5:1).

Der Deutsche will seine Chance nutzen: Im Lichte Reals kann er nicht nur den Fans zeigen, dass er zu den besten defensiven Mittelfeldspielern in Europa gehört, sondern auch seinem Trainer. Wie er das verwirklichen will, wusste er schon in seiner Zeit in Stuttgart: "Mir war schnell klar, wenn du schludrig bist, kannst du es im Spitzensport nicht über ein bestimmtes Level hinaus schaffen", hatte Khedira damals gesagt.

Mourinho hat er schon jetzt überzeugt. Angesprochen auf die bisherigen Leistungen von Özil und Khedira sagte der Portugiese in einem Interview: "Özil und Khedira haben eine fantastische Einstellung, sind harte Arbeiter und bereit, Neues zu lernen. Außerdem sind es zwei fabelhafte Jungs. Mit ihnen zusammenzuarbeiten, ist für jeden Trainer ein Vergnügen."

Mit Material des sid

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