Real Madrid vs. Atlético Letzte Hoffnung Historie
Real-Star Ronaldo: Im Derby gegen Atlético unter Zugzwang
Foto: Andres Kudacki/ APEs gibt Derbys, Lazio gegen AS Rom zum Beispiel oder FC Arsenal gegen den FC Chelsea, die finden sportlich auf Augenhöhe statt. Und dann sind da die Stadtduelle, die durch eine klare Hierarchie geprägt sind. So ist es eigentlich unvorstellbar, dass 1860 München einmal vor dem FC Bayern stehen wird, dass der FC St. Pauli irgendwann den Hamburger SV überflügeln wird.
Ähnlich war es bisher in Madrid, wo Atlético in den Duellen mit Real stets chancenlos war. Auch deshalb suchten sich die "Königlichen" eine Ersatzbefriedigung, der "Clásico" gegen den FC Barcelona hat in Spanien eine deutlich höhere Bedeutung als die Partie gegen Atlético.
Doch in dieser Saison ist in der Primera División vieles anders als zuvor. Nach 13 Spielen liegt Real auf Rang drei bereits elf Punkte hinter Spitzenreiter Barça, den üblichen Zweikampf der Giganten scheint es nicht zu geben. Auch auf Atlético haben die "Königlichen" schon acht Punkte Rückstand. Der Titel außer Reichweite, in der eigenen Stadt abgehängt: Trainer José Mourinho und seiner Mannschaft droht eine doppelte Schmach.
Und so hat das Derby in Madrid am Samstag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), selbst zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison, schon richtungweisenden Charakter. Reals Torwart Iker Casillas sagte: "Jedes Ziel, das nicht der Sieg ist, hat für uns keinen Wert." Trotz des großes Rückstands will die Mannschaft die Meisterschaft noch nicht abschreiben und redet sich, wie in Spanien üblich, mit viel Pathos stark. So sagte Verteidiger Álvaro Arbeloa: "Bis zum Ende kämpfen und das Unmögliche erreichen, ist in der DNA unseres Clubs verankert."
Zuletzt war davon nur wenig zu sehen. Statt miteinander auf dem Platz zu kämpfen, beharkten sich Spieler, Trainer und Verantwortliche abseits des Feldes. Es begann Anfang September mit Cristiano Ronaldo, der fehlende Wertschätzung beklagte und mit seinem Abschied drohte. Der Superstar wurde mit einem neuen Vertragsangebot besänftigt, das ihm 16 Millionen Euro pro Jahr einbringen soll. Unterschrieb hat Ronaldo aber noch nicht.
Atlético gewann zuletzt 1999 gegen Real
Die Unruhe im Team blieb, nach einer Niederlage am vierten Spieltag gegen den FC Sevilla (0:1) attackierte Mourinho seine Mannschaft öffentlich und sprach von einem "Horrorspiel". Die Leistungen wurden nur unwesentlich besser, die Stimmung dafür noch schlechter. Nach der Pleite in der Champions League gegen Borussia Dortmund (1:2) kritisierte Casillas die Aufstellung Mourinhos. Die Zeitung "El Pais" berichtete anschließend, der Trainer habe bei Präsident Florentino Perez die Verpflichtung eines neuen Torwarts gefordert, war damit aber nicht erfolgreich. Die sportliche Misere setzte sich fort, am vergangenen Wochenende verlor das Team gegen Betis Sevilla (0:1).
Ganz anders verlief die Saison bei Atlético. Das Team startete mit einem furiosen 4:1-Erfolg im Supercup gegen Chelsea in die Spielzeit, in der Primera División gewann es elf von 13 Partien, überstand zudem souverän die Gruppenphase der Europa League. Der Erfolg ist eng verbunden mit Trainer Diego Simeone, der die Mannschaft im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten übernahm.
Unter ihm holte Atlético im Schnitt 2,26 Punkte pro Partie, ein herausragender Wert. Mourinho, seit 2010 bei Real, ist nur unwesentlich besser (2,34). "Der Trainer hat vor allem unsere Einstellung geändert", sagt Kapitän Gabi. "Früher kämpften wir um den fünften oder sechsten Rang in der Liga, jetzt wollen wir jedes Spiel gewinnen." Den Stil des Trainer beschreibt Gabi so: "Mit ihm erzählen wir uns keine Witze."
Simeone profitiert dabei von der Treffsicherheit Falcaos, dem einzigen Weltklasse-Spieler der Mannschaft. Der Stürmer hat in der Liga bereits elfmal getroffen, nur einmal weniger als Real-Star Ronaldo. Vor dem Derby aber gab sich Falcao zurückhaltend. Der Kolumbianer sagte "DirectTV": "Real hat eine große Mannschaft und ist Titelverteidiger."
Doch trotz Simeone, trotz Falcao und trotz der Schwächephase von Real würde ein Sieg Atléticos einer Sensation gleichkommen. Von den vergangenen 23 Derbys konnten die "Rojiblancos" (die Rot-Weißen) keines gewinnen, 17 davon verloren sie sogar. Der letzte Erfolg gegen Real stammt noch aus einer anderen Epoche des Clubs, aus der Zeit vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit im Jahr 2000, er stammt aus dem letzten Jahrtausend: Am 30. Oktober 1999 besiegte Atlético Real 3:1.
Real Madrid - Atlético Madrid (22 Uhr)
(die voraussichtlichen Aufstellungen)
Real: Casillas - Arbeloa, Pepe, Ramos, Coentrao - Khedira, Xabi Alonos - di María, Özil, Ronaldo - Benzema
Atlético: Courtois - Juanfran, Miranda, Godín, Filipe - Suárez, Gabi - Koke, Turan - Falcao, Costa
Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco