Krise bei Real Madrid Mourinho greift sein Team nach "Horrorspiel" an
Real-Stürmer Ronaldo: 0:1-Pleite gegen Sevilla
Foto: Julio Munoz/ dpaHamburg - Ausgerechnet zwei ehemalige Bundesliga-Profis haben den Fehlstart von Mesut Özil, Sami Khedira und Co. perfekt gemacht. Nach einem Eckball des Ex-Schalkers Ivan Rakitic erzielte Piotr Trochowski, sechs Jahre für den Hamburger SV aktiv, Sevillas Siegtreffer beim 1:0-Erfolg gegen Real Madrid.
"Wir haben das bekommen, was wir verdient haben. Es war ein Horrorspiel", sagte Trainer José Mourinho. Vor allem war es bereits die zweite Saisonniederlage für die "Königlichen", die damit nach vier Spieltagen schon so oft verloren haben, wie in der gesamten Vorsaison. Der Verein, der eigentlich kein Mittelmaß kennt, liegt nur auf Rang elf - und könnte durch die Partien am Sonntag noch weiter durchgereicht werden.
Viel schlimmer als der Tabellenplatz ist aber der Rückstand auf Spitzenreiter FC Barcelona. Barça gewann alle seine bisherigen vier Partien und hat somit schon acht Punkte Vorsprung auf Real. Ein für spanische Verhältnisse riesiger Rückstand. Im vergangenen Jahr holte Madrid 100 von 114 möglichen Punkten, Barcelona in der Saison 2010/2011 96. Um überhaupt noch eine Chance auf die Meisterschaft zu haben, dürfen sich die "Königlichen" eigentlich keinen weiteren Punktverlust leisten. Doch angesichts der aktuellen Leistungen scheint dies unmöglich.
"Meinen Spielern fehlt der Fokus, für viele von ihnen ist Fußball nicht das Wichtigste", so Mourinho: "Ich bin nicht wegen der fehlenden Punkte besorgt. Ich bin besorgt, dass ich keine Mannschaft habe."
Ronaldo sorgt für Unruhe, Özil erneut ausgewechselt
Schon in den vergangenen Wochen hatte es in Madrid heftig rumort. Auslöser war Superstar Cristiano Ronaldo, der sich öffentlich über die vermeintlich fehlende Wertschätzung im Verein beklagte und mit seinem Abschied drohte. "Ich bin traurig, und der Verein weiß es schon. Es geht nicht um persönliche Dinge, sondern um professionelle", sagte der Portugiese. Offensichtlich ging es ihm vor allem ums Geld. Bisher verdient er bei Real etwa zehn Millionen Euro, nun soll ihm Club-Präsident Florentino Perez einen neuen Kontrakt mit einem Jahreseinkommen von 16 Millionen Euro angeboten haben.
Doch auch der scheint seine Stimmung nicht verbessern zu können. Ronaldo blieb in den ersten vier Ligaspielen dreimal ohne Treffer, nur gegen Granada traf er doppelt. Für einen Spieler, der im Vorjahr 46 Ligatore erzielte, ist dies eine schwache Bilanz. Zum Vergleich: Barcelonas Lionel Messi hat bereits sechsmal getroffen.
Auch in Sevilla konnte Ronaldo nicht überzeugen, war damit aber nicht allein. Madrids schwacher Saisonstart hängt auch mit der Formkrise von Mesut Özil zusammen. Der deutsche Nationalspieler ist in dieser Saison noch ohne Torbeteiligung. Schon nach dem Auftaktremis gegen Valencia wurde er von der spanischen Presse kritisiert. "Was für ein schlechter Tag! Er brachte keinen Fluss ins Spiel, zeigte sein grauestes Gesicht", schrieb die Sportzeitung "AS".
Auch in Sevilla blieb der Deutsche unauffällig und wurde in der Halbzeitpause ausgewechselt. Es hätte allerdings auch andere treffen können. "Zur Pause habe ich zwei neue Spieler eingewechselt", sagte Mourinho, "am liebsten hätte ich sieben gebracht", sagte Mourinho.