Real vs. Barça: "El Clásico" zum Vierten
Real vs. Barcelona Die einen kalkulieren, die anderen spielen
Außenseiter - das war der FC Barcelona unter Trainer Josep Guardiola eigentlich noch nie. Fans und Experten haben eine einhellige Meinung zur Mannschaft: Sie ist die beste der Welt. Und sie spielt den schönsten Fußball. Doch Barcelona wankt.
Sicher, in der Liga hat das Team einen deutlichen Vorsprung und wird aller Voraussicht nach die Meisterschaft gewinnen. Aber das schöne Image vom Maß aller Dinge hat ein wenig gelitten. Dafür ist vor allem ein Mann verantwortlich: José Mourinho.
Erst schaltete er im vergangenen Jahr Barça mit Inter Mailand im Champions-League-Halbfinale aus, nun folgte mit Barcelonas Erzrivalen Real Madrid der 1:0-Triumph nach Verlängerung im spanischen Pokalfinale. Am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stehen sich Guardiola und Mourinho in Madrid erneut im Halbfinale der Königsklasse gegenüber. Es ist das dritte von ingesamt vier "El Clásicos" binnen 18 Tagen.
Seit Tagen herrscht in Spanien Ausnahmezustand. Die Trainer liefern sich verbale Wortgefechte. Ungewöhnlich für Guardiola, der nur selten Streitigkeiten in der Öffentlichkeit austrägt. "The Special One", wie Mourinho in seiner Zeit in England beim FC Chelsea genannt wurde, hingegen versteht sich bestens auf gekonnt gesetzte Spitzen. Am Dienstag nannte er Barcelona zum ersten Mal beim Namen, vorher hatte er immer nur von "ihnen" gesprochen.
Zuletzt setzte Mourinho auch spielerisch auf Zurückhaltung. Wie schon bei Inter baute der Portugiese im Liga-Duell (1:1) und im Pokalfinale auf eine kompakte Abwehr mit sieben Defensivspielern, um Barcelonas Spielfluss versiegen zu lassen. Im Angriff lässt der Real-Coach seinen überragenden Akteuren alle Freiheiten. Ángel di María und Cristiano Ronaldo sollen immer wieder Nadelstiche setzen. Eine Taktik, die sich auszahlte: Ronaldo traf in der Liga und im Pokal, di María bereitete sehenswert vor.
Ob Mesut Özil die beiden am Mittwoch unterstützen wird, ist allerdings fraglich. Zwar war der deutsche Nationalspieler über weite Strecken der Saison gesetzt, in der Endphase der Spielzeit jedoch droht ihm der Brasilianer Káká den Rang abzulaufen. In der Liga war Káká zuletzt überragend - es sieht danach aus, als ob Mourinho auch in der Champions League auf ihn baut.
Davon unbenommen sagt Özil: "Wir wissen natürlich, wie stark Barcelona ist. Die spielen schließlich schon seit Jahren zusammen. Aber wir wollen uns durchsetzen - und das werden wir auch schaffen." Schließlich sei er nach Madrid gekommen, "um mich weiterzuentwickeln und Titel zu holen. Die Mannschaft hat das Potential, den Titel zu gewinnen."
Böse Erinnerungen an das "Declásico"
Dabei ist eine solch defensive Taktik wie im Pokalfinale bei den verwöhnten Fans in Madrid eigentlich verpönt. Real, das steht für Dominanz, für Klasse, für schönen Fußball. Im Liga-Hinspiel Ende November hatten die "Königlichen" mitspielen und selbst die Akzente setzen wollen. Es endete in einer 0:5-Blamage, dem "Declásico".
Die größten Sorgen bereiten dem FC Barcelona aber die Verletzten. Auf der linken Abwehrseite fehlen Eric Abidal (Lebertumor) sowie die Ersatzmänner Adriano (Muskelriss im Oberschenkel) und Maxwell (Leiste). Dafür wird Kapitän Carles Puyol wieder ins Team rücken und wohl auf links spielen. Der 33-Jährige war zuletzt angeschlagen und saß im Pokalfinale nur auf der Bank.
Wesentlich schwerer wiegt jedoch der Ausfall von Andrés Iniesta (Beinverletzung). Der Weltmeister ist neben Superstar Lionel Messi und Mittelfeld-Motor Xavi der wichtigste Spieler Barcelonas. Für Iniesta wird Seydou Keita auflaufen. Ob er den Spielmacher ersetzen kann, ist mehr als fraglich. Bei Real fehlen mit Innenverteidiger Ricardo Carvalho (Gelbsperre) und Mittelfeldspieler Sami Khedira (Muskelfaserbündelriss im Oberschenkel) ebenfalls zwei wichtige Akteure.
In Guardiolas erstem Jahr als Barça-Trainer gewann der Club das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Mit einer Spielweise, die Fußball zur Kunst erhob, mit Protagonisten, die ihresgleichen suchten. 18 Tage im Frühling und Mourinho könnten das Kunstwerk zerstören.
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Madrid: Casillas - Arbeloa, Sergio Ramos, Raul Albiol, Marcelo - Diarra, Pepe, Xabi Alonso - di María, Özil, Cristiano Ronaldo
Barcelona: Victor Valdes - Dani Alves, Mascherano, Piqué, Puyol - Xavi, Busquets, Keita - Pedro, Messi, Villa
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Deutschland)