Remis im Clásico: Beflügelte Stars
Messi und Ronaldo Gala der Großen
Hamburg - Dass José Mourinho gerne in Superlativen denkt und redet, ist bekannt. So schlug er selbst vor Kurzem vor, man solle ihn nicht mehr "the special one", sondern einfach "the only one", den "einzig Wahren", nennen. Neuerdings geizt er aber auch nicht mit Lob für andere: "Beide sind von einem anderen Planeten", sagte der Trainer von Real Madrid über die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Sie hatten im 254. Clásico, dem traditionellen Duell zwischen Real und dem FC Barcelona, jeweils zwei Tore zum 2:2 (1:1)-Endstand geschossen.
Tatsächlich schienen die beiden Ausnahmespieler sich gegenseitig zu beflügeln, sich ein Privatduell liefern zu wollen. Das beeindruckte nicht nur Trainer und Mitspieler. "Ich bin gekommen, um die beiden besten Spieler der Welt zu sehen. Beide haben mit zwei Toren ein wahres Feuerwerk abgebrannt", twitterte etwa Basketballstar Dirk Nowitzki, der in Barcelonas Stadion Camp Nou gesessen hatte.
Mounrinho zufrieden mit Özil
Doch der Clásico lebte auch von anderen, weniger auffälligen Akteuren. So hob Mourinho Mesut Özil hervor: "Mesut hat mit sehr viel Qualität gespielt", sagte er. Der deutsche Nationalspieler war in der spanischen Presse nach zuletzt wenig glanzvollen Leistungen in die Kritik geraten, eine angebliche Kabinenpredigt Mourinhos soll ihn sogar dazu bewegt haben, in der Winterpause wechseln zu wollen. Gegen Barcelona lieferte der 23-Jährige nach einem eher schwachen Beginn die Vorlage zum 2:2 von Ronaldo, bevor er in der Schlussphase ausgewechselt wurde. "Ich habe ihn herausgenommen, weil er es nicht gewohnt war, so viel zu arbeiten", sagte Mourinho.
Sportlich wusste der Trainer indes nicht so recht, was er mit dieser Partie anfangen sollte. "Wir sind in der gleichen Situation wie vor dem Spiel", sagte er. Um einen Tabellenplatz hat sich sein Team durch das Remis nach oben gearbeitet, doch auf Spitzenreiter Barcelona fehlen noch immer acht Punkte - angesichts der katalanischen Dominanz auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison eigentlich schon zu viel.
Ronaldo weniger schwer verletzt als zunächst angenommen
Umso erleichterter wird Mourinho sein, dass sich Ronaldo während der Partie doch nicht so schwer an der Schulter verletzt hat, wie zunächst angenommen. Untersuchungen am Montagmittag ergaben, dass einem Einsatz am Freitag für die portugiesische Nationalmannschaft nichts im Weg seht. Härter traf es Barcelonas Verteidiger Dani Alves: Der 29-Jährige erlitt eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel und muss drei Wochen pausieren. Damit fehlen Barça-Trainer Tito Vilanova zusammen mit Gerard Piqué, Carles Puyol und Eric Abidal nun vier Defensivmänner.
Trotz der Verletzungen und Ausfälle waren beide Trainer durchaus einverstanden mit dem, was sie an diesem Abend gesehen hatten, und ebenso mit der Punkteteilung. "Solche Spiele sind normalerweise sehr taktisch geprägt, es fallen kaum Tore - dieses hatte all das", sagte Mourinho. Und Vilanova pflichtete ihm bei: "Ich bin zufrieden, es wurde ein großes Spektakel geboten."
Es schien fast, als seien beide Coaches vor allem erleichtert, dass das Duell für beide Seiten derart glimpflich ausgegangen war. Und dass jeder von ihnen einen Messi oder Ronaldo im Team hat.