Schuster-Anekdoten II Amateure, Trinker, Ahnungslose
Einmaliges Kunststück in der ARD-Sportschau: Nach seiner Heimkehr in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen belegte Schuster bei der Wahl des "Torschützen des Jahres 1994" mit den drei Treffern, mit denen er dreimal "Torschütze des Monats" geworden war, die Plätze eins, zwei und drei.
Der Redakteur Gerhard Henschel vom Satiremagazin "Titanic" legte sich 1994 für den in der Bundesliga furios aufspielenden Altstar vor der Frankfurter DFB-Zentrale in Ketten. Er forderte die Berufung Schusters ins WM-Aufgebot anstelle von Stefan Effenberg.
Bernd Schuster und die Trainer: Er nannte Karl-Heinz Heddergott einen "Amateur", Udo Lattek einen "Trinker" und Jupp Derwall einen "Ahnungslosen". Taktikschulung erlebte er aus erster Hand beim Erfinder des Catenaccio. "Helenio Herrera", berichtete Schuster später, "war schon damals älter als der Böhmerwald dreimal abgeholzt, wie wir in Augsburg sagen." Herrera hatte sich in frühen Jahren gegenüber seinem Zögling zu folgendem Satz hinreißen lassen: "Schuster ist homosexuell, und auch seine Ehe ist kaputt!"
Als der ehemalige Weltklassespieler selbst Trainer wurde, sagte er einmal gnädig zu seiner Mannschaft: "Keiner muss so super spielen wie ich früher."
Im Dezember 1998 bezeichnete er bei der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln Holger Gaißmayer als "Stolperkönig". Es sei für "jeden Stürmer die Höchststrafe, neben ihm zu spielen".
Sein Ziel am Geißbockheim lautete: direkter Wiederaufstieg. Doch die Zweitliga-Realität sah anders aus. Nachdem der FC bei Hannover 96 1:6 verloren hatte und nur vier Tage später daheim gegen St. Pauli 0:4 hinten lag, blieb Schuster während der Halbzeitpause im strömenden Regen draußen stehen, wollte sein Team nicht mehr sehen.
Schuster brach als Trainer von Deportivo Xerez in der Saison 2002/03 einmal das Training ab, damit sich seine Spieler bei der Clubführung über ausstehende Gehaltszahlungen beschweren konnten. Begründung: Die Spieler seien "nicht in der richtigen Stimmung gewesen, um zu trainieren".
Im Herbst 2003 erfuhr Schuster als Trainer von Schachtjor Donezk vom SPIEGEL-Korrespondenten Walter Mayr, dass der aktuelle Club-Präsident nur deshalb im Amt war, weil sein Vorgänger samt fünf Begleitern im Tunnel zum Stadion von einer Bombe zerrissen wurde. "Ja leck misch in de Täsch", erwiderte der unwissende blonde Engel, "sechs Tote, und das sagen Sie mir jetzt."
Schuster, der bis dahin lediglich als passionierter Klavierspieler galt, erweiterte seinen musikalischen Background in der Ukraine. Er verkündete in einem Interview gewohnt freimütig: "Bei mir setzt sich keiner mehr ins Auto, ich hau mir da die Eminem-Dinger rein und fertig."
Nach seiner Entlassung bei UD Levante im Mai 2005 fand sich Schuster eine halbe Stunde nach dem Spiel buchstäblich "auf der Straße" wieder. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb: "In den Mannschaftsbus, in dem er gekommen war, gehörte er nicht mehr. So ging Bernd Schuster zwischen erstaunten Zuschauern zu Fuß über die Straße vor dem Stadion, überlegend, wie er nun nach Hause komme."
"Getafe Mönchengladbach" taufte die spanische Zeitung "As" in der Saison 2005/06 das Team des FC Getafe, weil der Trainer so blond und seine Elf so klar strukturiert war wie die Borussia in den siebziger Jahren Jahren.
Ein toter Link lauert auf der Homepage berndschuster.com hinter der Offerte: "Drei Tage unvergessliches Trainingscamp mit Bernd in Südspanien. Training, Kur, anschließendes Spiel und ein gemeinsames Abendessen mit Erhalt einer persönlichen Urkunde."
Lesen Sie im ersten Teil der Anekdoten, warum Schuster als Erfinder der Spielerfrau gilt und warum er nie bei einer Weltmeisterschaft spielte.
Zusammengestellt von Thorsten Schaar