Hamburger SV besiegt RB Leipzig: Verkehrte Welt - DER SPIEGEL
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kicker.tv

RB Leipzig vs. Hamburger SV Verkehrte Welt

Der Hamburger SV steht zwar immer noch in den unteren Tabellenregionen, scheint im Kopf aber schon weiter zu sein: Nach dem 3:0-Sieg gegen RB Leipzig waren die HSV-Spieler kaum überrascht.
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In Leipzig ließ eine Mannschaft den Ball sicher und schnell durch die eigenen Reihen laufen, die andere mühte sich, spielte viel zu umständlich und brachte kaum mal eine klare Aktion zustande. Damit war zu rechnen gewesen. Aber wer hätte vor diesem Spiel gedacht, dass die pass- und kombinationssichere, die schlicht bessere Mannschaft, die aus Hamburg sein würde?

Die Antwort: René Adler. Zumindest sprach der Torwart nach dem Spiel gelassen in die Mikrofone: "Wir haben den Plan des Trainers umgesetzt und haben einfach und rigoros gespielt."

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Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Aber ganz so unberührt, wie es klang, war Adler dann doch nicht geblieben von diesem eindrucksvollen 3:0 der noch immer abstiegsbedrohten Hamburger beim Tabellenzweiten. "Ein ganz besonderer Tag" sei das für ihn gewesen, sagte Adler nach der Partie - was auch in seiner Biografie begründet lag: Adler hat im Alter von sechs Jahren beim heutigen Regionalligisten Lok mit dem Fußballspielen begonnen. Seine Eltern seien im Stadion gewesen, erzählte er, hätten diesmal aber ihm und nicht dem Team in ihrer Heimstadt die Daumen gedrückt.

Mit überragendem Erfolg.

Adler war fehlerlos geblieben und reihte sich damit ein in die starke Gesamtleistung der Hamburger. Er hatte aber auch wenig zu tun bekommen, denn außer einem Pfostenschuss vom später verletzt ausgewechselten Yussuf Poulsen hatte der hohe Favorit RB an diesem Nachmittag nicht eine einzige Torgelegenheit. Nach einer etwa zehnminütigen Druckphase der Gastgeber waren die Hamburger das bessere Team - und blieben es.

Hamburg überließ Leipzig das Spiel - der Plan ging auf

Natürlich hatte der Hamburger Erfolg auch mit ungewohnten Leipziger Unzulänglichkeiten zu tun. Bei den wenigen halbwegs gelungenen Offensivaktionen im ersten Durchgang wählte RB immer den komplizierten Weg. Mal vergaß Timo Werner, den Blick zu heben, und übersah so Naby Keita (15. Minute), mal leisteten sich technisch starke Spieler wie Emil Forsberg oder Keita ungewohnte Fehlpässe.

All das erleichterte dem HSV die Taktik, Leipzig mit den eigenen Waffen zu schlagen. Den Ball überließ man großzügig den Gastgebern, die es auf 68 Prozent Ballbesitz brachten. Nach der Balleroberung startete dann der schnelle Konter. So hatte man schon in der ersten Hälfte viele Chancen. So fiel das 3:0 durch Aaron Hunt (90.). Und so hätte Dennis Diekmeiers kurz zuvor auch schon treffen können, als sein Schuss nur an der Latte landete (87.).

Die beiden ersten Hamburger Treffer zeigten hingegen, dass Fußball tatsächlich manchmal ein einfaches Spiel ist. Die Kombination Ecke-Kopfball-Tor ist jedenfalls nicht überkomplex - außer für die RB-Verteidigung an diesem Samstag. Zuerst war es Kyrgiakos Papadopoulos, der nach einer Ecke das 1:0 erzielte. Dann legte Winter-Zugang Walace nach und machte das 2:0 (24.). Ebenfalls per Kopf, ebenfalls nach einer Ecke von Nicolai Müller. "Da verteidigen wir so sorglos, wie wir es sonst in dieser Saison noch nicht oft gemacht haben", sagte RB-Coach Ralph Hasenhüttl.

"Mal sehen wie es gegen Freiburg läuft"

Tatsächlich war man zum ersten Mal in dieser Saison - abgesehen vom 0:3 bei den Bayern kurz vor Weihnachten - nicht nur chancen- sondern streckenweise hilflos. Und das gegen einen HSV, der nun schon - unglaublich aber wahr - das dritte Spiel in Folge ohne Gegentreffer blieb und in Papadopoulos, Mergim Mavray und Walace eine zentrale Achse gefunden zu haben scheint, die den Klassenerhalt bringen könnte.

Vorstand Heribert Bruchhagen wies allerdings zurecht darauf hin, dass die HSV-Taktik vom Samstag nicht unbedingt gegen jeden Gegner passen muss. "Mal sehen, wie es nächste Woche gegen Freiburg läuft, wenn wir selbst das Spiel machen müssen."

Mit Spannung war erwartet worden, was die Leipziger Fankurve im ersten Spiel nach den Beschämenden Ausschreitungen in Dortmund darbieten würde. Sie zeigte mehrere dutzend Plakate, die zum Teil selbstironisch das vergangenen Wochenende thematisierten. "Gewaltfrei seit 2009", stand auf einem Transparent. "Im Glashaus wirft man keine Steine. Wenn das Tradition ist, wollen wir keine", auf einem anderen.

Was die Gästekurve zu sagen gehabt hätte, erfuhr man hingegen nicht. Transparente, die die Fußballverbände oder den Leipziger Sponsor kritisieren, werden laut Stadionordnung von den Ordnern vor Anpfiff konfisziert.