Knapper Sieg gegen Tschechien Die Dusel-Spanier
Jubelnde Spanier
Foto: NICOLAS TUCAT/ AFPAusgangslage des Spiels: Europa ist spanisches Territorium. In den Klubwettbewerben Champions League und Europa League gewannen mit Real Madrid und dem FC Sevilla zwei Vereine aus der Primera Division zum dritten Mal in Folge. Und in Frankreich greift "La Roja" nach dem dritten EM-Titel in Serie. Da ist doch klar, wer Favorit auf den Euro-Sieg ist, oder? Nicht ganz. Der Glanz der goldenen Generation um Andrés Iniesta ist blasser geworden. Und mit Tschechien wartete gleich zu Beginn ein unangenehmer Gegner.
Ergebnis des Spiels: Er war sogar richtig unangenehm. Erst spät glückte Spanien der verdiente 1:0-Sieg (0:0). Den Spielbericht lesen Sie hier.
Aufstellungen:
Spanien: de Gea - Juanfran, Piqué, Ramos, Alba - Fàbregas (70. Thiago), Busquets, Iniesta - Silva, Morata (82. Aduriz), Nolito (82. Pedro).
Tschechische Republik: Cech - Kaderabek, Sivok, Hubnik, Limbersky - Darida, Plasil - Gebre Selassie (86. Sural), Rosicky (89. Pavelka), Krejci - Necid (75. Lafata).
Erste Hälfte: Spanien dominierte das Geschehen von Beginn an und drückte den Gegner tief in dessen Hälfte: Kurzpassspiel und Gegenpressing, beides funktionierte gut. Nur das Tor fiel nicht, obwohl allen voran Álvaro Morata gute Chancen für einen Treffer hatte. Die Tschechen agierten à la SV Darmstadt tief aus der eigenen Hälfte und gaben erst in der 45. Minute ihren ersten Torschuss ab.
Zweite Hälfte: Es ging so weiter. Spaniens Druck wurde größer, die Möglichkeiten zur Führung mehrten sich, und der Gegner wackelte am Ende gewaltig. Das Siegtor von Gerard Piqué per Kopf war schließlich hochverdient (87.). Ein bisschen Glück hatte Spanien, als Cesc Fàbregas einen Abschluss auf der Linie klärte (65.) und der Stellvertreter des "Heiligen" (siehe unten) einen Schuss in der Schlussminute parierte. Wer Titel gewinnen will, braucht auch ein bisschen Dusel. Diese leidige Diskussion kennen wir selbst von den erfolgreichen Bayern.
Spanien besiegt Tschechien: Der Last-Minute-Sieg in Bildern
Der Ewige des Spiels: Saß nur auf der Bank. Torwart Iker Casillas, mit 166 Länderspielen der Rekordmann bei dieser Endrunde, hatte gegen den zehn Jahre jüngeren David de Gea das Nachsehen, der ein gutes Spiel absolvierte. Immerhin ein Generationswechsel auf einer wichtigen Position im spanischen Team, womit wir beim nächsten Thema wären.
Die Diskussion des Spiels: Umbruch, ja oder nein? Zwar sind bei der spanischen Auswahl nur noch 13 Profis mit dabei, die schon für die WM in Brasilien nominiert waren. Eine Blutauffrischung nach den Abgängen von Xavi (36 Jahre), Xabi Alonso (34 Jahre) oder David Villa (34 Jahre) gab es jedoch nicht. Statt frischer Kräfte berief Trainer Vicente del Bosque Profis wie Aritz Aduriz in den Kader, immerhin stolze 35 Jahre. Spätestens nach diesem Turnier wird es Zeit für einen echten Umbruch.
Die Konstante des Spiels: Der Haarschnitt von Tomas Rosicky, einst bei Borussia Dortmund aktiv, bis zum 30. Juni noch beim FC Arsenal in der englischen Liga unter Vertrag. Der mittlerweile 35-Jährige spielte in seiner Profikarriere für vier Klubs, nur seinem Friseur hält er offensichtlich bis heute die Treue.
Die Konstante des Spiels II: Petr Cech. Hielt etliche Abschlüsse von Morata. Auch als sich Teamkollege Roman Hubnik gemeingefährlich entschloss, den eigenen Keeper mit einem Rückpass aus kurzer Distanz zu prüfen, war der 34-Jährige zur Stelle. Beim 0:1 hatte er dann keine Chance.
Hingucker des Spiels: Stand im EM-Studio der ARD in Paris, Stefan Effenberg ist gemeint. Und passend für die Modestadt putzte sich der "Tiger" raus: Im feinen Zwirn mit Nadelstreifensakko und Krawatte gab der einstige Bayern-Profi Analysen zum Spiel ab. Nach den Chaos-Monaten von Paderborn soll es jetzt seriöser werden.
Erkenntnis des Spiels: Ob Umbruch oder nicht, Spanien ist immer noch ein ganz heißer EM-Kandidat.