Italienischer Ultra-Boss: Genny der Schreckliche
Gewalt im italienischen Fußball Neapels Ultra-Anführer erhält Stadionverbot
Hamburg - Der Anführer der Ultras des SSC Neapel ist nach den heftigen Ausschreitungen rund um das Pokalfinale mit einem Stadionverbot von fünf Jahren belegt worden. Gegen Gennaro De Tommaso, genannt "Genny der Schreckliche", wird zudem wegen Aufforderung zu strafbaren Handlungen, Teilnahme an Krawallen und dem Überschreiten von Absperrungen ermittelt. Das teilte Italiens Innenminister Angelino Alfano laut der Nachrichtenagentur Ansa mit.
De Tommaso, der in Kontakt zur italienischen Mafia stehen soll, hatte vor der mit 45 Minuten Verspätung angepfiffenen Partie lange mit Neapels Kapitän Marek Hamsik diskutiert. Ohne De Tommaso hätte das Endspiel zwischen Neapel und dem AC Florenz in Rom vermutlich nicht stattfinden können. Er nickte folgenden Deal ab: Wenn die Florentiner Fans ruhig blieben, werde auch Neapel stillhalten.
Der Ultra-Anführer trug bei der Partie zudem ein T-Shirt mit der Aufschrift "Speziale Libero" ("Lasst Speziale frei"). Der Ultra Antonino Speziale sitzt im Gefängnis, weil er mit anderen Hooligans 2007 am Rande eines Fußballspiels in Catania einen Polizisten erschlagen hatte.
Renzi spricht sich für lebenslanges Stadionverbot aus
Vor dem Pokalfinale war ein Fan bei Ausschreitungen durch Schüsse so schwer verletzt worden, dass er zeitweise in Lebensgefahr schwebte. Der Zustand des Neapel-Anhängers hat sich inzwischen aber etwas gebessert. Er befinde sich inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr, könnte aber gelähmt bleiben, teilten die behandelnden Ärzte mit.
Am Dienstag hatte die italienische Regierung angekündigt, dass sich die Fußballclubs künftig an den Kosten für die Polizei beteiligen sollen. "Die Sicherheit in den Stadien darf nicht nur auf den Schultern der Steuerzahler lasten, sondern muss auch von den Clubs getragen werden", sagte Ministerpräsident Matteo Renzi, der beim Skandalspiel am Samstag in Rom auf der Tribüne saß.
Außerdem hatte sich Renzi für die Einführung einer lebenslangen Stadionsperre für gewalttätige Anhänger ausgesprochen. "Wir werden den Fußball nicht den Hooligans überlassen. Der Vorfall soll Anlass zu einer Wende sein. Wir wollen die Stadien wieder den Familien und jenen zurückgeben, die mit Freude an einem Sportereignis teilnehmen wollen." Eine Stadionsperre ist in Italien bisher auf fünf Jahre begrenzt, Wiederholungstätern droht eine Sperre von weiteren fünf Jahren.