Entlassener Trainer Van Marwijk spricht HSV Qualität ab
Van Marwijk: "Nur noch eine kleine Chance"
Foto: Bongarts/Getty ImagesHamburg - Zwölf Punkte in 15 Spielen: Die Bilanz von Bert van Marwijk beim Hamburger SV war dürftig. Dennoch hat der Ex-Trainer nun sein Unverständnis über seine Entlassung zum Ausdruck gebracht: "Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass ich die Jungs nicht mehr erreiche, wäre ich sofort freiwillig gegangen", sagte van Marwijk der "Hamburger Morgenpost". "Aber das war zu keiner Zeit der Fall. Es gab keinen im Team, der gegen mich war."
Der Niederländer war am späten Samstagabend beurlaubt worden. Zuvor hatte der HSV bei Eintracht Braunschweig 2:4 verloren. Es war die siebte Bundesliga-Niederlage in Folge. Der HSV steht nach dem 21. Spieltag auf Platz 17 und steckt mitten im Abstiegskampf.
Van Marwijk verabschiedet sich aus Hamburg mit einigen wenig schmeichelhaften Aussagen über sein ehemaliges Team: Der 61-Jährige sprach der Mannschaft die Klasse für die Fußball-Bundesliga ab: "Ich hatte immer Hoffnung und glaube auch heute noch an die Chance. Sie ist aber nur sehr klein", sagte van Marwik der Zeitung: "Letztlich fehlt es auch an Qualität." Derzeit fehlen dem HSV gerade mal zwei Punkte auf den Relegationsplatz und drei Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz.
HSV-Trainer seit 1997: Wenig Jahre, viele Trainer
Van Marwijk war knapp fünf Monate im Amt, er hatte den Job beim HSV von Thorsten Fink übernommen. Nun soll Mirko Slomka den Traditionsverein retten: Am Montag bestätigte der Verein die Verpflichtung des Trainers. Der Ex-Coach von Hannover 96 erhielt einen Vertrag bis Sommer 2016. Das erste Spiel unter der Leitung von Slomka findet am Samstag gegen den Tabellendritten Borussia Dortmund statt (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
Fünf Aufsichtsräte geben auf
Mitten in der Krise droht nun auch noch der Aufsichtsrat auseinanderzubrechen: Nach übereinstimmenden Medienberichten haben bereits fünf Mitglieder des obersten Kontrollgremiums ihren Rücktritt erklärt. Damit sind aus dem Gremium nur noch sechs Räte im Amt.
Die Zukunft des Vorsitzenden Jens Meier war zunächst weiter unklar. Um geschäftsfähig zu sein, muss der Rat mindestens aus vier gewählten Mitgliedern bestehen.
Auch der ehemalige Vorsitzende Manfred Ertel schmiss hin. "Ich habe mich in den letzten Tagen manipuliert, instrumentalisiert und genötigt gefühlt", schrieb Ertel bei Facebook: "Ich bin unter Vortäuschung falscher Tatsachen in eine Personaldebatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit Felix Magath getrieben und anschließend durch gezielte Indiskretionen über Medien, durch die Verbreitung von Halbwahrheiten und auch Fehlinformationen genötigt worden, der Personalie um jeden Preis zuzustimmen."