Drei Thesen zur WM Warum Ronaldo Torschützenkönig wird
Cristiano Ronaldo
Foto: Victor Caivano/ AP1. Kane ist noch gar nicht richtig im Spiel
Harry Kane
Foto: Antonio Calanni/ APHarry Kane (26 Länderspiele/18 Tore) führt die Torschützenliste der Weltmeisterschaft mit fünf Treffern an. Er war mit dafür verantwortlich, dass England gegen Panama seinen höchsten Sieg der WM-Geschichte einfuhr. Kanes Abschlussquote ist überragend: Die fünf Tore erzielte er mit nur fünf Schüssen aus zwei Spielen. Auf den ersten Blick spricht alles für den großen Durchbruch des Torjägers als Nationalspieler bei einem großen Turnier - bei der EM 2016 war er in vier Spielen ohne Tor geblieben.
Im ersten Gruppenspiel hatte er doppelt getroffen und war damit Matchwinner beim 2:1-Erfolg gegen Tunesien. Allerdings fielen beide Treffer durch Standards: nach Eckbällen. Beim 6:1-Kantersieg gegen Panama traf Kane zweimal vom Elfmeterpunkt. Bei seinem dritten Treffer wurde er an der Hacke angeschossen und der Abpraller fand den Weg ins Tor. Das heißt: Aus dem Spiel heraus erzielte Kane bei dieser WM noch keinen Treffer.
2. Lukaku ist schwerer auszurechnen
Romelu Lukaku
Foto: Victor Caivano/ APBelgien hat bei dieser WM von Beginn an überzeugt, gerade durch die überragende Offensive: Erst 3:0 gegen Panama, dann 5:2 gegen Tunesien. Großen Anteil daran hat Romelu Lukaku (71 Länderspiele/40 Tore): Der 25-Jährige traf in den ersten beiden Partien jeweils doppelt. Zwei Tore in zwei WM-Spielen hintereinander - das war zuletzt Argentiniens Diego Maradona 1986 in Mexiko gelungen. Jetzt schafften es auch Kane und Lukaku.
Aber der Belgier hat seinem Kontrahenten um den Gruppensieg und den Goldenen Schuh etwas voraus. Lukaku erzielte seine Tore variabler: Zweimal traf der Stürmer von Manchester United mit links, einmal mit rechts und einmal mit dem Kopf - und jedes Mal traf er aus dem Spiel heraus. Das passt auch zum Vergleich beider Teams: England erzielte sieben von acht Toren nach Standards, Belgien traf nur einmal auf diesem Weg - bei ebenfalls acht Treffern.
Dass sich Belgien so viele Chancen und Tore erspielt, liegt auch daran, dass das Offensivspiel des Teams nicht nur auf Lukaku zugeschnitten ist - so wie das der Engländer auf Kane. Die belgische Offensive präsentiert sich durch Eden Hazard, Dries Mertens und Kevin De Bruyne bisher auch jenseits des Stürmers torgefährlich. Das schafft Räume und hilft auch Lukaku. Im direkten Duell mit Kane zum Abschluss der Gruppenphase könnte ihn allerdings die erlittene Sprunggelenksblessur stoppen.
3. Ronaldo kann es auch gegen die Großen
Cristiano Ronaldo
Foto: Sergei Grits/ APIn der WM-Torschützenliste belegt Cristiano Ronaldo (152 Länderspiele/85 Tore) hinter Kane und zusammen mit Lukaku Platz zwei. Wie der Belgier erzielte auch der Portugiese seine Tore variabler als Kane: Gegen Spanien traf er mit links per Distanzschuss, verwandelte mit seinem starken rechten Fuß einen Elfmeter und einen Freistoß. Das Spiel gegen Marokko entschied er mit einem Kopfball nach einer Ecke.
Noch eindeutiger als bei Kane und England hängt der Erfolg von Portugal an der Leistung Ronaldos. Der Angreifer hat alle Tore seines Teams erzielt, die vier Treffer waren für Portugal insgesamt vier Punkte wert. Aber diesem enormen Druck kann Ronaldo standhalten, das hat er schon im Auftaktspiel gegen Spanien bewiesen, als er seinem Team mit einem späten Freistoßtor einen Punkt rettete.
Was allerdings gegenüber Kane und Lukaku besonders für Ronaldo spricht, ist der Gegner im ersten Spiel. Der Portugiese traf nicht dreifach gegen die klaren Außenseiter Panama oder Tunesien. Sondern gegen Spanien, Weltmeister von 2010, Europameister von 2008 und 2012. England und Belgien sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert, Portugal steht kurz vor dem Weiterkommen. Schon bald werden die drei Stürmer also vermehrt auf starke Gegner treffen. Gegen Topteams hat bisher aber nur Ronaldo seine Klasse bewiesen.